Tampere, Tag 2

Von am 24. August 2009 – 8.07 Uhr

Der erste Spieltag der Frauenfußball-EM in Finnland hielt zwei Ergebnisse bereit, die für einige Beobachter ein wenig überraschend kamen. So brachten die Niederlande binnen fünf Minuten die Ukraine in Turku schnell auf die Verliererstraße (2:0), Finnland versetzte das favorisierten Dänemark mit einem etwas kuriosen Tor in den Schockzustand (1:0). In Tampere lief es am Sonntag zwar noch beschaulich, aber nicht weniger geschäftig ab. Für Aufregung sorgte Ariane Hingst.

Denn am im UEFA-Jargon MD-1 (match day minus one) genannten Tag standen für die deutsche Nationalmannschaft und die Gruppengegner Norwegen, Frankreich und Island nicht nur die obligatorische Pressekonferenz auf dem Programm, sondern auch das Abschlusstraining.

Abschlusstraining in Lamminpää
Das der Deutschen fand auf dem Trainingsgelände in Lamminpää (Bild) rund 20 Autominuten außerhalb von Tampere entfernt statt und nicht wie ursprünglich geplant im Stadion. Hintergrund: Der Rasen sollte für die bevorstehenden beiden Spiele am Montag sowie für die folgenden beiden Gruppenspiele sowie Viertelfinale und Halbfinale geschont werden. Ein zusätzliches Training von vier Mannschaften wäre dem gepflegten Grün offenbar nicht gut bekommen.

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deutschland_trainingSchrecksekunde
Dort gab es für das deutsche Team dann einen echten Aufreger: Während sich Birgit Prinz noch recht schnell von einem Zusammenprall erholte, verlief die Kollision von Ariane Hingst mit Uschi Holl auf den ersten Blick weniger glimpflich. Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste sich die Innenverteidigerin nach einem Schlag auf den rechten Knöchel behandeln lassen, Physiotherapeutin Christel Arbini gab aber rasch Entwarnung. Zähne zusammenbeißen dürfte heute die Devise heißen.

Stadionbegehung und Pressekonferenz
Zuvor hatten die deutschen Spielerinnen den Rasen im Tampere-Stadion in Augenschein genommen, Bundestrainerin Silvia Neid und Stürmerin Inka Grings einer Handvoll Medienvertretern die letzten Informationen zum Spiel gegeben. Allzu viel war den beiden nicht zu entlocken. Man versicherte, Respekt vor der „gesamten Mannschaft“ (Grings) der Norwegerinnen haben, die über ein „schnelles Kombinationsspiel“ und „starke Kopfballspielerinnen“ verfügen. Neid erklärte: „Die vier Tage in Finnland haben uns noch einmal gut getan.“

Wiedersehen macht Freude
Claudia Neumann vom ZDF machte mit Neid auf dem Rasen des Tampere-Stadions noch rasch ein Interview (Bild), insgesamt ging es noch recht beschaulich zu und es war allen anzumerken, dass man heilfroh ist, dass am Montag nach der langen Vorbereitung endlich der Ball rollt. Ich hielt noch ein kurzes Schwätzchen mit ARD-Kommentator Bernd Schmelzer, mit dem ich in München Anfang der 90er-Jahre gemeinsam studiert hatte.

neid_interviewCodeknackerin Kaurin
Am Vormittag hatten bereits Norwegens Trainer Bjarne Berntsen und Kapitänin Ingvild Stensland im Medienraum des Tampere-Stadions Fragen zum Team beantwortet. Während Berntsen sich erfreut zeigte über die Fortschritte seines Teams, war Stensland gewohnt zurückhaltend. Da waren anschließend die anderen Spielerinnen auskunftsfreudiger, wie etwa Leni Larsen Kaurin, aus der es im nahezu perfekten Deutsch heraussprudelte: „Wir haben den Code geknackt, wie wir Deutschland schlagen können.“

Torreiches Spiel oder risikoloses Beschnuppern?
Auf beiden Seiten rechnet man mit einer engen Auseinandersetzung und so mancher Beobachter meint schon jetzt, es könnte für die deutsche Elf ähnlich wie beim  Olympia-Auftakt gegen Brasilien auf ein torloses Remis hinauslaufen.

Ich denke und hoffe aber schon, dass Tore fallen werden und tippe mal auf einen 3:1-Sieg Deutschlands wie schon im EM-Finale 2005, denn die neu formierte norwegische Abwehr wird dem Druck der deutschen Stürmerinnen meines Erachtens keine 90 Minuten standhalten können.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.