Hanna Ljungberg: Ende einer großen Karriere

Von am 20. August 2009 – 15.54 Uhr 1 Kommentar

Hanna Ljungberg, eine der schillerndsten Gestalten des internationalen Frauenfußballs, hat heute ihren sofortigen Rücktritt bekanntgegeben. Damit zieht die 30-jährige schwedische Stürmerin die Konsequenzen aus den zahlreichen Verletzungen der vergangenen Jahre und einer im Juli erlittenen Knieverletzung.

Seit 2004 war Ljungberg, die in 129 Länderspielen 72 Tore erzielte, immer wieder von schweren Verletzungen zurückgeworfen worden, zuletzt reifte nach einer beim 3:0-Sieg in Sunnanå am 5. Juli in der Anfangsphase erlittenen Knieverletzung die Entscheidung, sich schweren Herzens aus dem Frauenfußball zurückzuziehen.

Abschied unter Tränen
„Ich habe viele Tränen vergossen und ein paar harte Wochen hinter mir“, gesteht Ljungberg. Doch der Schritt ist wohl überlegt, bereits am vergangenen Montag teilte sie Umeå-Trainer Mika Sankala ihre Entscheidung mit. Ljungberg kann auf eine außerordentliche Karriere zurückblicken. Die 1,60 Meter große Stürmerin avancierte zu Beginn des neuen Jahrtausends zu einer der weltbesten Fußballspielerinnen.

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Star zum Anfassen
In ihrer Heimat war sie schon früh ein Topstar, mit ihrem Verein Umeå IK und der schwedischen Nationalelf machte sie sich international zunehmend einen Namen. Ihr dritter Platz bei der Wahl zur Weltfußballerin 2003 war Beleg ihrer weltweiten sportlichen und auch menschlichen Wertschätzung. Die große Liebe zu ihrer Heimat, die guten Verdienstmöglichkeiten in der Damallsvenskan, aber auch das Fehlen einer attraktiven Profiliga im Ausland in den Jahren ihrer größten Blütezeit hielten sie in ihrer aktiven Zeit in Schweden.

Fußball als Lebenselixier
Als echtes Kind des Nordens macht es Ljungberg nichts aus, dass sich ihr Wohnort Umeå, eine Universitätsstadt mit rund 100.000 Einwohnern, in der Nähe des Polarkreises befindet und die Winter deshalb lang und intensiv sind. „Ich liebe Umeå, die Strandpromenade ist der perfekte Ort für lange Spaziergänge“, sagte sie mir einmal in einem Interview über ihre Heimat. Stargehabe war dem bekennenden Morgenmuffel stets fremd. „Fußball ist mein Leben. Für mich geht der Fußball über das Spielfeld hinaus, ist eine Art Lebensphilosophie, viel mehr als ein Sport.“

Beginn mit sieben Jahren
Schon in frühester Kindheit stand für sie fest, dass sie Fußballspielerin werden will. „Ich konnte gerade einmal laufen, da fand ich es schon toll, mit dem Ball zu spielen“, erinnerte sie sich an ihre Anfänge als Spielerin. Mit sieben Jahren begann sie dann mit dem regelmäßigen Fußballspielen. Der erste Verein, für den Ljungberg spielte, war Mariehem SK. 1996 wechselte sie zu Sunnanå SK, wo sie ihr Debüt in der Damallsvenskan feierte. Zwei Jahre später schloss sie sich dann Umeå IK an. Im Jahr 2000 wurde UIK erstmals schwedischer Meister, Ljungberg zählte da bereits zu den Stars ihres Teams. 2001 verteidigte man den Titel erfolgreich und schaffte mit dem Sieg beim schwedischen Pokal sogar das Double. Ljungberg steuerte 26 Tore zum Titelgewinn bei.

Torrekord
2002 gelang UIK der Titel-Hattrick und mit dem abermaligen Gewinn des schwedischen Pokals gelang erneut das Double aus Meisterschaft und Pokal. Außerdem schaffte die Mannschaft den Einzug ins Finale beim ersten UEFA Women’s Cup, das allerdings der 1. FFC Frankfurt gewann. Ljungberg erzielte 2002 in 22 Ligaspielen 39 Tore und stellte damit einen ungewöhnlichen Rekord auf. Zudem wurde sie zur schwedischen Spielerin des Jahres gewählt. In der Saison 2003 verlor Umeå zwar die Meisterschaft, gewann aber erneut den Pokal und dazu erstmals den UEFA Women’s Cup.

WM 2003 als Karriere-Highlight
Ihr Debüt in der schwedischen A-Nationalmannschaft feierte Ljungberg mit 17 Jahren am 2. Juni 1996 gegen Spanien. Anschließend nahm sie an den Olympischen Spielen von Atlanta teil, wo sie zwei Kurzeinsätze hatte und die mit Abstand jüngste Schwedin war. Bei ihrer ersten Weltmeisterschaft 1999 in den USA zog sie sich im dritten Vorrundenspiel gegen Ghana bereits nach sechs Minuten einen Bänderriss im Knie zu, wodurch das Turnier für sie beendet war. Schweden verlor dann ohne sie das Viertelfinale gegen Norwegen und schied aus. Absolutes Highlight war die WM 2003 in den USA, wo Ljungberg Vizeweltmeisterin wurde und zu den herausragenden Spielerinnen des Turniers zählte und dabei drei Tore erzielte (darunter den Führungstreffer zum 1:0 im Finale gegen Deutschland).

Häufige Verletzungen
Ein Kreuzbandriss bei einem Training in der Halle Anfang 2004 läutete eine ganze Serie häufiger Verletzungen ein. Sie schaffte es gerade noch, an den Olympischen Spielen in Athen teilzunehmen, wo Schweden das Spiel um Platz 3 mit 0:1 gegen Deutschland verlor. Doch in den Jahren danach fiel es ihr zunehmend schwerer, sich immer wieder heran zu kämpfen. Häufig plagten sie Probleme mit dem Oberschenkel. 2007 musste sie nach einer rüden Attacke der französischen Torhüterin Sarah Bouhaddi beim Algarve Cup gar monatelang pausieren. Bereits 2008 nahm sie die Verletzungen zum Anlass kürzer zu treten und erklärte ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Zukunftsplanung
Bleibt zu hoffen, dass man Ljungberg, die gelernte Physiotherapeutin ist, auch in den kommenden Jahren in irgendeiner Funktion im Frauenfußball wiedersehen wird. Noch hat sie sich nicht entschieden, welche berufliche Zukunft sie einschlagen will. Zunächst begleitet sie ihr Team zum WPS-All-Star-Game in die USA, das am 30. August in St. Louis stattfinden wird.

Hanna Ljungbergs Karriere in Zahlen

Vereine:
Bis 1996: Mariehem SK
1996 – 1998: Sunnanå SK
seit 1998: Umeå IK

Erfolge:
129 Länderspiele (72 Tore)
Vizeweltmeisterin 2003
Vizeeuropameisterin 2001
Siegerin UEFA-Pokal 2003, 2004
Finalistin UEFA-Pokal 2002
WM-Teilnehmerin 1999
Olympia-Teilnehmerin 1996 (Viertelfinale), 2000 (Viertelfinale), 2004 (Vierter)
Schwedische Meisterin 2000, 2001, 2002, 2005, 2006, 2007, 2008
Schwedische Vizemeisterin 2003
Schwedische Pokalsiegerin 2001, 2002, 2003, 2007
Schwedische Torschützenkönigin 2002
Schwedische Spielerin des Jahres 2002
Dritte Wahl Weltfußballerin 2003

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • SCW sagt:

    Eine der ganz großen (abgesehen von der Körpergröße xD) des FF hört auf. Ich wünsche ihr jedenfalls alles Gute für ihren weiteren Weg!

    (0)

1 Pingbacks »

  • […] Hanna Ljungberg played her first game for Sweden’s national team at the age of 17 in 1996.  In 2009, after a 129 game and 72 goal international career, she announced her retirement from soccer.  She is one of the most colorful players in the sport and is a national hero back home.  By 2003 she was a top contender for World Player of the year, coming in 3rd behind Birgit Prinz and Mia Hamm.  While playing she was a part of several Swedish championship teams, and was a major contributor to the success of her teams. Football is my life.  For me, [it] is a philosophy of life, much more than a sport. […]