Die EM-Teilnehmer im Formcheck, Teil 2

Von am 20. August 2009 – 12.08 Uhr

In Teil 2 unseres Formcheck zur Europameisterschaft in Finnland vom 23. August bis 10. September 2009 werfen wir einen Blick auf die harte Gruppe B mit Deutschland, Island, Norwegen und Frankreich.

Gruppe B

Deutschland peilt siebten EM-Titel an
Mit einer Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerin will die deutsche Mannschaft zum siebten Mal Europameister werden. In den letzten Testspielen gegen die Niederlande (6:0), Japan (0:0) und Russland (3:1) waren gute Ansätze zu erkennen, doch es bleibt abzuwarten, wie sich die DFB-Elf gegen die europäischen Top-Teams präsentieren wird. Denn gegen die bekam man in den vergangenen Jahren zunehmend Probleme, wie etwa zuletzt beim Algarve Cup, wo es Niederlagen gegen Schweden (2:3) und Dänemark (0:1) setzte. Bis auf Simone Laudehr (Innenbandzerrung) und Melanie Behringer (Ferse) plagen das Team von Bundestrainerin Silvia Neid keine Verletzungsprobleme. „Unser Ziel ist es, die beste Mannschaft zu stellen. Wir wollen Europameister werden, den siebten EM-Titel gewinnen“, so Neid, die aber einräumt: „Wir haben kein Abonnement auf den Titel.“ Dem Team könnte zu Gute kommen, dass die Vorbereitungszeit diesmal länger war als vor dem Olympischen Fußballturnier in Peking. „Ich glaube schon, dass wir uns seit Olympia weiterentwickelt haben“, so Neid. Deutschland stellt erneut eine starke Elf, wirkt aber nicht mehr so unantastbar, wie in der Vergangenheit.

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Kader Deutschland
Tor: Nadine Angerer (1. FFC Frankfurt), Ursula Holl (FCR 2001 Duisburg), Lisa Weiß (SG Essen-Schönebeck)

Abwehr: Saskia Bartusiak (1. FFC Frankfurt), Sonja Fuss (1. FC Köln), Ariane Hingst (1. FFC Frankfurt), Annike Krahn (FCR 2001 Duisburg), Babett Peter (1. FFC Turbine Potsdam), Bianca Schmidt (1. FFC Turbine Potsdam), Kerstin Stegemann (Herforder SV)

Mittelfeld: Linda Bresonik (FCR 2001 Duisburg), Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt), Kim Kulig (Hamburger SV), Simone Laudehr (FCR 2001 Duisburg), Jennifer Zietz (1. FFC Turbine Potsdam)

Sturm: Fatmire Bajramaj (1. FFC Turbine Potsdam), Melanie Behringer (FC Bayern München), Inka Grings (FCR 2001 Duisburg), Anja Mittag (1. FFC Turbine Potsdam), Martina Müller (VfL Wolfsburg), Célia Okoyino da Mbabi (SC 07 Bad Neuenahr), Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt)

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Island: Farbtupfer aus dem hohen Norden
EM-Neuling Island gehört zu den Aufsteigern der vergangenen Jahre. In der EM-Qualifikation feierte die isländische Frauenfußball-Nationalmannschaft unter anderem einen Sieg gegen EM-Gruppengegner Frankreich, beim Algarve Cup bezwang man in diesem Jahr Norwegen mit 3:1 und musste sich erst durch ein Last-Minute-Tor mit 0:1 gegen die USA geschlagen geben. Stürmerin Harpa Thorsteinsdóttir wird wegen eines Beinbruchs fehlen, für sie wurde Neuling Kristín Ýr Bjarnadóttir in den 22-er Kader berufen. Ihre frühere Teamkollegin bei Valur Rejkjavik, Margrét Lára Vidarsdóttir, die 2006 ein kurzes Gastspiel beim FCR 2001 Duisburg gab, war mit zwölf Toren die beste Torschützin der Qualifikation, auf ihr ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation. „Mit dem Spiel gegen Frankreich haben wir angefangen zu glauben, dass wir an einem guten Tag jeden schlagen können“, so Vidarsdóttir. Zuletzt gab es ein überzeugendes 5:0 gegen Serbien im ersten WM-Qualifikationsspiel für 2011. Und das Team scheint, angeführt von dem cleveren Trainer Siggi Eyjólfsson gewillt, eine der Überraschungen in Finnland zu werden. Potenzial ist reichlich vorhanden, doch es könnte dem Team am langen Atem fehlen.

Kader Island
Tor:
Gudbjörg Gunnarsdóttir (Djurgårdens IF FF), Sandra Sigurdardóttir (Stjarnan), Thóra Helgadóttir (Kolbotn IL).

Abwehr: Ásta Árnadóttir (Tyresö FF), Erna Björk Sigurdardóttir (Breidablik), Gudrún Sóley Gunnarsdóttir (Djurgårdens IF FF), Katrín Jónsdóttir (Valur Reykjavík), Ólína Vidarsdóttir (KIF Örebro DFF), Sif Atladóttir (Valur Reykjavík).

Mittelfeld: Dóra Stefánsdóttir (LDB FC Malmö), Edda Gardarsdóttir (KIF Örebro DFF), Erla Steina Arnardóttir (Kristianstads DFF), Hólmfrídur Magnúsdóttir (Kristianstads DFF), Katrín Ómarsdóttir (KR Reykjavík), Rakel Logadóttir (Valur Reykjavík), Sara Björk Gunnarsdóttir (Breidablik).

Sturm: Dóra María Lárusdóttir (Valur Reykjavík), Fanndís Fridriksdóttir (Breidablik), Gudný Ódinsdóttir (Kristianstads DFF), Kristín Ýr Bjarnadóttir (Valur Reykjavík), Margrét Lára Vidarsdóttir (Kristianstads DFF), Rakel Hönnudóttir (Thór Akureyri).

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Norwegen diesmal nur Außenseiter
In der Vergangenheit gehörte Norwegen, EM-Finalist 2005, meist zum engsten Favoritenkreis bei großen Turnieren, doch diesmal geht das Team nach durchwachsenen Ergebnissen im Jahr 2009 und dem Ärger um fünf zurückgetretene Spielerinnen nur als Außenseiter ins Turnier – daran ändert auch der 1:0-Sieg im letzten Testspiel gegen Schweden nichts. Melissa Wiik räumt ein: „Nur wenige erwarten ein gutes Abschneiden von uns.“ Das Team von Trainer Bjarne Berntsen musste die Rücktritte des Røa-Quintetts Marit Fiane Christensen, Marie Knutsen, Guro Knutsen, Lene Mykjåland und Siri Nordby verkraften, hinzu kamen der Abschied von Spielführerin Ane Stangeland und zuvor bereits Torhüterin Bente Nordby. Überraschend stehen die junge Torjägerin Cecilie Pedersen und die noch unerfahrene Marit Sandvei im Kader. In diesem Jahr bestritt Norwegen sieben Spiele und verlor dabei gegen Schweden, Island, Dänemark, die USA und England, nur gegen Österreich und im zweiten Duell mit Schweden gab es einen Sieg. Das Fehlen von Stammtorhüterin Erika Skarbø sorgt für zusätzliches Kopfzerbrechen. „Wir wachsen langsam zusammen und werden immer besser“, hofft Wiik, dass man in Finnland eine schlagkräftige Truppe stellen wird. Berntsen, der nach dem Turnier sein Amt an Eli Landsem übergibt, glaubt auch mit komplett neu formierter Abwehr ans Halbfinale. Und vielleicht schmeckt den Norwegerinnen ja gerade die Außenseiterrolle?

Kader Norwegen
Tor: Ingrid Hjelmseth (Stabæk IF), Caroline Knutsen (Røa IL), Christine Colombo Nilsen (Kolbotn IL).

Abwehr: Hedda Gardsjord (Røa IL), Runa Vikestad (Kolbotn IL), Toril Akerhaugen (Stabæk IF), Trine Rønning (Stabæk IF), Maren Mjelde (Arna-Bjørnar), Marita Skammelsrud Lund (Team Strømmen FK), Camilla Huse (Røa IL).

Mittelfeld: Ingvild Stensland (Olympique Lyonnais), Anneli Giske (Fløya IF), Lene Storløkken (Team Strømmen FK), Ingvild Isaksen (Kolbotn IL), Marit Sandvei (Team Strømmen FK).

Sturm: Leni Larsen Kaurin (1. FFC Turbine Potsdam), Solveig Gulbrandsen (Stabæk IF), Elise Thorsnes (Røa IL), Melissa Wiik (Stabæk IF), Isabell Herlovsen (Kolbotn IL), Kristin Lie (SK Trondheims-Ørn), Cecilie Pedersen (Avaldsnes IL).

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Frankreich: Gelingt endlich der große Wurf?
Bereits mehr als zwei Monate vor EM-Beginn hat Frankreichs eigenwilliger Trainer Bruno Bini seinen Kader bekanntgegeben. Zur Auswahl sagte er: „Zunächst habe ich die Frauen ausgewählt, die erfolgshungrig sind, und dann diejenigen, die es hassen zu verlieren.“ In den letzten Testspielen gab es zunächst noch ohne die US-Spielerinnen eine 0:4-Schlappe gegen Japan, bevor sich die Französinnen mit einem 4:0 gegen Schottland rehabilitierten. Das Team hat jedoch mit einigen Verletzungssorgen zu kämpfen. Verteidigerin Sandrine Dusang (Olympique Lyon) musste durch Laure Lepailleur ersetzt werden, für die dritte Torhüterin Bérangère Sapowicz kam das Aus aufgrund einer Oberschenkelverletzung. Für sie wurde Laëtitia Stribick-Buerkel nachnominiert, die bisher erst ein Länderspiel bestritt. Frankreich verfügt über einen ausgeglichenen Kader, indem die beiden WPS-Legionärinnen Sonia Bompastor (Washington Freedom) und Camille Abily (Los Angeles Sol) sowie Spielerinnen wie Sandrine Soubeyrand, Louisa Nécib oder Laura Georges hervorstechen. Abwehr und Mittelfeld sind das Prunkstück der Bleues. Auf die Frage „Wer kann Deutschland schlagen?“ antwortet Bini: „Jeder.“ Frankreich gehört in Finnland zu den Kandidaten auf den EM-Titel.

Kader Frankreich
Tor: Sarah Bouhaddi (FCF Juvisy), Céline Deville (Montpellier Hérault SC), Laëtitia Stribick-Buerkel (ASJ Soyaux).

Abwehr: Delphine Blanc (RC Saint-Etienne), Sonia Bompastor (Washington Freedom), Ludivine Diguelman (Montpellier Hérault SC), Laura Georges (Olympique Lyonnais), Laure Lepailleur (Paris Saint-Germain FC), Ophélie Meilleroux (Nord Allier Yzeure), Sabrina Viguier (Montpellier Hérault SC).

Mittelfeld: Camille Abily (Los Angeles Sol), Élise Bussaglia (Montpellier Hérault SC), Corine Franco (Olympique Lyonnais), Amandine Henry (Olympique Lyonnais), Louisa Nécib (Olympique Lyonnais), Sandrine Soubeyrand (FCF Juvisy), Gaétane Thiney (FCF Juvisy).

Sturm: Sandrine Brétigny (Olympique Lyonnais), Candie Herbert (FC Hénin-Beaumont), Eugénie Le Sommer (Stade Briochin FF), Élodie Thomis (Olympique Lyonnais), Laëtitia Tonazzi (FCF Juvisy).

Womensoccer-Tipp: Das Halbfinale ist für Frankreich auf jeden Fall drin, mit etwas Glück sogar mehr.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.