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Auf der Suche nach der Kaltschnäuzigkeit

Von am 7. August 2009 – 9.33 Uhr 5 Kommentare

Der durchwachsene 3:1 (0:0)-Sieg der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Russland im letzten Testspiel vor der EM in Finnland offenbarte weiterhin Mängel in der Chancenverwertung.

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„Ich freue mich darüber, dass wir uns in der zweiten Halbzeit so viele Chancen erarbeitet haben“, gewann Bundestrainerin Silvia Neid dem hart erkämpften Erfolg gegen taktisch disziplinierte Russinnen Positives ab. Doch wie schon gegen Japan ließ ihr Team in der zweiten Halbzeit gleich reihenweise beste Gelegenheiten aus oder scheiterte an Russlands Ersatztorhüterin Elena Kochneva, die in ihrem erst sechsten Länderspiel gleich mehrfach starke Paraden zeigte.

Fade erste Halbzeit
Obwohl sich die DFB-Elf von Beginn an eine spielerische Überlegenheit erarbeitete, kam der deutsche Motor in den ersten 45 Minuten nicht so recht in Fahrt. „Wir mussten uns erst in die Partie reinbeißen“, räumte Neid ein, deren Team nach einer guten Viertelstunde sogar fast in Rückstand geraten wäre, hätte Elena Fomina bei ihrem Schrägschuss gegen eine gelegentlich unsicher wirkende deutsche Hintermannschaft noch etwas genauer Maß genommen.

Kerstin Garefrekes mit einem Drehschuss und Kim Kulig mit einem Kopfball kurz vor der Pause sorgten für im deutschen Team für die wenigen Aufreger in einer ansonsten langweiligen ersten Spielhälfte. Die zweite Halbzeit wurde deutlich unterhaltsamer, das 1:0 durch Garefrekes nach Flanke von Birgit Prinz und Kopfballvorlage von Inka Grings wurde allerdings möglicherweise teuer bezahlt durch die Verletzung von Simone Laudehr, die sich zuvor bei der Balleroberung am Innenband des rechten Knies verletzte. „Ich muss jetzt erst die Untersuchungen abwarten, aber die Ärzte werden das schon wieder hinbekommen“, bleibt Laudehr jedoch optimistisch, beim EM-Auftakt in zwei Wochen wieder fit zu sein.

Dank Eigentor auf Siegerstraße
Die russische Antwort erfolgte postwendend, im direkten Gegenzug nahm Stürmerin Olessia Kurochkina einen langen Ball aus dem Mittelfeld auf, deckte dabei schonungslos die noch fehlende Spritzigkeit von Kerstin Stegemann auf und verwertete mit einem trockenen Schuss von der Strafraumgrenze an der machtlosen Nadine Angerer vorbei zum Ausgleich (53.).

Und hätte nicht zehn Minuten später Xenia Tsybutovich per Eigentor nach Freistoß von Linda Bresonik den Ball ins eigene Netz geköpft, wer weiß, ob die DFB-Elf an diesem Tag als Sieger vom Platz gegangen wäre. Denn trotz zunehmender optischer Überlegenheit fehlte es erneut an Kaltschnäuzigkeit und auch einer gewissen Portion Esprit, die dicht gestaffelte russische Abwehr mit spielerischen und kreativen Mitteln aus den Angeln zu heben.

Jokertor
Ähnlich wie Célia Okoyino da Mbabi gegen die Niederlande gelang diesmal der eingewechselten Martina Müller in der Nachspielzeit nach einem schönen Angriff der Schlusspunkt, zuvor hatte Ariane Hingst einen gefährlichen Schuss der eingewechselten Elena Danilova abgeblockt und somit einen möglichen Ausgleich der Russinnen verhindert, der in dieser Phase allerdings mehr als glücklich gewesen wäre.

Die DFB-Elf hat nun noch eine gute Woche Zeit, um im sechsten und abschließenden Lehrgang ab 10. August in Frankfurt an den letzten Feinheiten zu arbeiten. Denn um in Finnland die Titelambition zu untermauern, wird man sich in allen Mannschaftsteilen noch steigern müssen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Die Verletzung von Simon scheint ja nicht so schlimm zu sein!!!
    Denn sie kam gestern eigentlich ohne humpeln, und ohne dicke Eispakete am Knie, locker und lässig aus dem Stadion geschlendert!!!
    Aber warten wir mal ab, ob auch der Mannschaftsarzt Entwarnung gibt!!!

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  • Spocky sagt:

    Das Spiel hat deutlich gezeigt, dass es noch viel zu tun gibt …! Aber man sollte es auch nicht überbewerten = dass die Mädels nach den ganzen Lehrgängen und auch bei diesen extrem hohen Temperaturen nicht immer auf „Ballhöhe“ waren, das ist doch „normal“ …! Das einzige, was mir doch ein wenig „Kopfschmerzen“ macht, ist die Aufstellung im Mittelfeld = da ist noch keine 100 %ige Sicherheit zu erkennen … Wer mir gestern ganz gut gefallen hat = das war Kim Kulig (hat viel in der Defensive gearbeitet und auch ab und zu in der Offensive ihre Torgefährlichkeit gezeigt …! Auch Annika Krahn hat in einer doch manchmal sehr ungeordneten Abwehr noch einen ganz guten Eindruck hinterlassen …! Ob in dem allerletzten Lehrgang die Defizite noch behoben werden können – na ja hier heißt es = immer „positiv“ denken.
    Wünsche den Mädels dann einen guten Flug nach „Suomi“ und freue mich, dass ich sie dann live vor Ort sehen kann.
    Lg Spocky

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  • begge sagt:

    kann Spocky leider nicht so Recht geben, fand die Aussenpositionen, waren gestern im Spiel schwach, auf der Seite wo Laudehr gespielt hat ging ja mal gar nichts die 1. Halbzeit. Fand Linda Bresonik hat gezeigt, dass Sie die neue und berechtigte 10. ist, hat viel gearbeitet und auch gute Pässe gespielt. Aber klar ist noch viel Luft nach oben.

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  • Jarmusch sagt:

    Meine erste Elf sieht so aus:

    Tor: Angerer
    RV: Bresonik
    IV: Krahn, Peter
    LV: Fuss
    Doppel-Sechs: Kulig, Laudehr
    Außen offensiv: Garefrekes, Behringer
    Sturm: Grings, Prinz (als hängende Spitze)

    Bresonik konnte ich mir lange nicht in der Verteidigung vorstellen, als linke Verteidigerin hat sie mir nie gefallen. Aber ihre zuletzt gezeigten Leistungen als rechte Verteidigerin haben mir außerordentlich gut gefallen.
    Babett Peter sehe ich eher in der Innenverteidigung. Ihre Offensivfähigkeiten sind doch etwas limitiert, zudem ist Ariane Hingst über ihren Zenit hinaus.
    Dafür könnte Sonja Fuss dann als linke Verteidigerin spielen. Das hat sie in Duisburg auch schon gemacht. Sie ist für ihr Alter noch verdammt schnell. In den 10 Minuten nach ihrer Einwechslung gegen Russland hat sie das eindrucksvoll unter Beweis gestellt, war maßgeblich am Treffer zum 3:1 durch Müller beteiligt.
    Der Platz im defensiven Mittelfeld neben Kulig sollte an Laudehr gehen. Sie muss aus der Tiefe kommen, das Spiel vor sich haben. Nur dann kann sie ihre Qualitäten (Schnelligkeit, Kampfkraft) optimal einsetzen.

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  • mrx sagt:

    Oder aber auch: Auf der Suche nach den Zuschauern…?

    13.303 Zuschauer trotzen dem Freibadwetter und zeigen – immerhin – dass der Frauenfußball im Ruhrpott noch gewaltiges Steigerungspotenzial besitzt. Die regionale Fan-Szene („Der Pott muss in den Pott“, „Heimat des Frauenfußballs“, etc.) hat es verpasst, gegen das Wetter und einen weniger erstklassigen Gegner anzukämpfen, zu mobilisieren und ein deutliches Signal (für die WM in der Zukunft und rückwirkend für das Pokalfinale) nach Frankfurt zu senden. Schade Ruhrpott, vielleicht wann anders. Vielleicht.

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