Ein Remis zum Durchschnaufen

Von am 30. Juli 2009 – 8.37 Uhr 1 Kommentar

Bundestrainerin Silvia Neid wirkte nach dem 0:0 gegen Japan im vorletzten Testspiel vor der Europameisterschaft in Finnland recht aufgeräumt. Der Dämpfer gegen die Asiatinnen nach dem unerwartet klaren 6:0-Sieg gegen EM-Teilnehmer Niederlande mag ihr gar nicht so unrecht gekommen sein, ein wenig hatte sie den Durchhänger sogar wohl auch selbst ausgelöst.

Denn bereits vor dem Spiel ließ sie verkünden, dass die Partie gegen Japan keinen Einfluss mehr auf dein Entscheidung habe, welche 22 Spielerinnen die Reise nach Finnland antreten werde und welche vier aus dem 26er-Kader gestrichen werden müssen. Kein Wunder also, dass nach wochenlanger intensiver Vorbereitung und Konzentration die Spannung ein wenig in sich zusammenfiel, gepaart mit der sommerlichen Hitze die Intensität der Partie in den meisten Phasen nicht das versprach, was viele der 10 158 Zuschauer im Carl-Benz-Stadion in Mannheim sich von ihr erhofft hatten.

Unbequemer Gegner
„Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht, wir hätten klar gewinnen müssen“, meinte eine enttäuschte Inka Grings, die als alleinige Sturmspitze die Aufgabe hatte, die japanische Defensive zu beschäftigen. Den Test mochte sie dennoch nicht missen. „Es war ein toller Gegner, der ähnlich wie Frankreich spielt. Wir wissen jetzt, was auf uns zukommt.“

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Mit ihrem frühen Pressing im Mittelfeld und dem gepflegten Kurzpasspiel erwiesen sich die Japanerinnen auch ohne die drei in der US-Profiliga WPS tätigen Spielerinnen Homare Sawa, Aya Miyama und Eriko Arakawa unter der Führung ihres Assistenztrainers Satoru Mochizuki als versierter und unbequemer Gegner, der sich zudem taktisch geschickt auf das deutsche Spiel eingestellt hatte.

Mangelnde Chancenverwertung
Chancen für Tore waren für die DFB-Frauen dennoch genug vorhanden, Grings hatte alleine schon in der ersten Halbzeit zwei gute Torgelegenheiten, Birgit Prinz scheiterte am Pfosten. „Insgesamt war die Chancenauswertung nicht gut“, bemängelte Neid, „das wird hoffentlich bei der EM besser, sonst können wir auch nach der Vorrunde ausscheiden.“

In der zweiten Halbzeit sah sie eine engagiertere Leistung ihrer Mannschaft, in der erst Grings aus kurzer Distanz und später Simone Laudehr mit einem satten Fernschuss wieder nur Aluminium trafen und weitere gute Möglichkeiten ausgelassen wurden. Neid wollten auch die zweiten 45 Minuten nicht so recht gefallen. „Der entscheidende Pass kam nicht, das muss besser klappen.“ Und auch in der Abstimmung der Defensive war noch nicht alles Gold, was glänzt, auch die quirligen, zweikampfstarken Japanerinnen hätten das ein oder andere Tor erzielen können, scheiterten ebenfalls einmal an der Latte.

Letzter Feinschliff
An einer ganzen Reihe von Dingen gilt es in den kommenden Wochen inklusive des Testspiels gegen Russland am 6. August in Bochum also noch zu arbeiten, bevor am 24. August Norwegen als erster EM-Gegner wartet. Die Standardsituationen müssen optimiert, das Angriffsspiel und Abwehrverhalten verfeinert, und auch in puncto Zweikampfstärke, Duchsetzungsvermögen und Kaltschnäuzigkeit im Abschluss noch so manches verbessert werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Ralf sagt:

    Für die Psyche und für die noch anstehenden Maßnahmen mit dem letzten Länderspiel gegen Russland war dieses torlose Unentschieden wohl zu diesem Zeitpunkt das Allerbeste, was passieren konnte.

    Bei einer Niederlage wären wohl eine Menge Fragezeichen im Raum gestanden! Hätte dann auch evtl. eine Verunsicherung nach sich gezogen.

    Bei einem Sieg – Lasso rausholen und einfangen, damit die Bodenhaftung wieder hergestellt wird.

    Also, Fazit:
    Die Japanerinnen waren ein dankbarer Testgegner, auf Augenhöhe. Lässt sich daraus jetzt ein Rückschluß auf den Gruppengegner Frankreich ziehen?

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