Amsterdam bittet zum Vier-Nationen-Turnier

Von am 10. Juli 2009 – 8.45 Uhr

Mit einem Vier-Nationen-Turnier im altehrwürdigen Olympiastadion von Amsterdam bereitet sich Gastgeber Niederlande vom 11. bis 15. Juli auf die Ende August beginnende Europameisterschaft in Finnland vorbei. Dabei muss sich das Team von Trainerin Vera Pauw mit China, der Schweiz und Südafrika auseinandersetzen, ein echter Härtetest für den EM-Debütanten.

„Nach dem Turnier in Amsterdam werden wir wissen, welche Fortschritte wir gemacht haben“, so Pauw, deren Mannschaft noch nie an der Endrunde eines großen internationalen Turniers teilgenommen hat.

EM-Ausrichter 2013?
„Wir sind auf Kurs, aber das ist unsere erste Endrunde, deshalb müssen wir erst einmal abwarten, wie die Mädchen damit umgehen“, erklärt die sympathische 46-Jährige. Beim Vier-Nationen-Turnier will man zudem Werbung in eigener Sache betreiben, denn 2013 möchte man in den Niederlanden gerne die Europameisterschaft ausrichten. „Wir hoffen, dass wir diesmal die Chance bekommen.“

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In den Spielen gegen den 12. (China), 26. (Schweiz) und 55. (Südafrika) der Weltrangliste will man die Automatismen weiter verbessern und vor allem einen Vorgeschmack auf die besonderen Anforderungen eines Turniers bekommen. Zuletzt reduzierte Pauw ihren Kader in einem ersten Schritt von 29 auf 26 Spielerinnen, Jessica Torny (Willem II), Tessa Oudejans (FC Utrecht) und Leonne Stentler (ADO Den Haag) mussten ihre EM-Träume abschreiben.

Pauw will ins EM-Finale
Das Turnier dürfte einen ersten Fingerzeig über die Leistungsfähigkeit des Oranje-Teams liefern, denn neben WM-Teilnehmer China und der Schweiz hat auch Südafrika zuletzt mit einigen ansprechenden Ergebnissen seinen Aufwärtstrend angedeutet. Pauw traut ihrem Team bei der EM einiges zu, bleibt aber realistisch: „Wir haben keine Erfahrung bei einer Endrunde und alle unsere Gegnerinnen sind Profifußballerinnen. Wir können in der Vorrunde ausscheiden, aber auch ins Finale kommen.“

Die Schweiz, die sich zuletzt zwei respektable Niederlagen gegen Frankreich einfing (0:2 und 0:1), kann wegen einiger verletzter Spielerinnen und der parallel in Weißrussland stattfindenden U19-Europameisterschaft nicht in Bestbesetzung antreten. Neben der zur EM abgestellten Topstürmerin Ramona Bachmann fehlen Torhüterin Marisa Brunner (Daumenverletzung) und Lucienne Brunner (Meniskus), Franziska Schärer ist aus beruflichen Gründen verhindert.

Schweiz testet für WM-Quali
Für das Team von Trainerin Béatrice von Siebenthal kommt das Turnier zu einem günstigen Zeitpunkt, denn im September startet das Team bereits mit einem Spiel gegen Irland in die WM-Qualifikation.

„Mit Holland, China und Südafrika treffen wir außerdem auf drei Gegner aus völlig verschiedenen Fußballkulturen, was uns die Möglichkeit gibt, Diverses auszuprobieren“, so von Siebenthal. Vor allem in puncto Belastbarkeit der Spielerinnen erhofft man sich von dem Turnier zahlreiche Aufschlüsse.

Gelungene Tests gegen Russland
Chinas Trainer Shang Ruihua hat in den erfolgreichen Testspielen gegen Russland (0:0 und 1:0) das Experiment versucht, seinem Team eine neue 4-2-3-1-Taktik zu verpassen. Shang freut sich vor allem auf die gelungene Rückkehr von Ma Xiaoxu, die zuletzt in der Nationalmannschaft fast ein Jahr lang pausierte.

„In den Niederlanden werden wir eine deutlich bessere Leistung zeigen“, verspricht der Trainer eine weitere Leistungssteigerung. Und auch das Mammutprogramm von insgesamt sieben Spielen in 15 Tagen, darunter auch eine Partie gegen Schweden am 19. Juli, bereitet ihm keine Sorgen: „Wir sind physisch voll auf der Höhe und können dadurch das Leistungsvermögen unserer Spielerinnen gut testen.“

Südafrika auf der Suche nach Konstanz
Gespannt sein darf man ebenfalls auf den Auftritt von Südafrika. Beim Zypern-Pokal im März gewann das Team von Trainer August Makalakalane gegen Schottland mit 2:0 und verlor gegen EM-Teilnehmer Frankreich nur knapp mit 2:3, gegen England (0:6) und die Niederlande (0:5) gab es jedoch deutliche Niederlagen, es haperte also noch an der Konstanz.

Doch Makalakalane freut sich darauf zu zeigen, dass sein Team in den vergangenen Monaten weitere Fortschritte gemacht hat. „Unser Zusammenspiel und unsere Organisation im Team klappen immer besser, und wir erarbeiten uns auch inzwischen mehr Torchancen.”

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.