WPS-Playoffs ohne europäische Stars

Von am 3. Juli 2009 – 12.20 Uhr 1 Kommentar

Zugegeben: Es ist keine wirklich neue Nachricht, dass die US-Profiliga WPS ihre Playoffs so terminiert hat, dass die europäischen Topspielerinnen wegen ihrer Teilnahme an der Europameisterschaft in Finnland in der entscheidenden Meisterschaftsphase fehlen werden. Doch erst ein Blick auf den bisherigen Saisonverlauf offenbart, wie stark der sportliche Wert der Liga in ihrer Debütsaison ausgerechnet in den wichtigsten Spielen unter der Abwesenheit zahlreicher Stammkräfte leiden wird.

Die EM in Finnland beginnt am 23. August und bereits 14 Tage vorher müssen die WPS-Vereine aufgrund der FIFA-Regularien ihre für das Turnier nominierten Spielerinnen freistellen, was bedeutet, dass die komplette Playoff-Serie inklusive des WPS-Finales am 22. August ohne die Stars aus Europa stattfinden wird.

Auch wenn noch nicht alle EM-Teilnehmer ihre Kader bekannt gegeben haben, steht bereits jetzt so gut wie fest, dass eine ganze Reihe von Spielerinnen fehlen werden. So dürfte der derzeitige Tabellendritte St. Louis Athletica schmerzhaft seinen englischen Topstar Eniola Aluko vermissen, genauso wie Alukos schwedische Teamkollegin Sara Larsson (St. Louis). Aluko ist nicht gerade begeistert, dass sie die Playoffs verpassen wird.

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Wichtige Schlüsselspielerinnen
„Das ärgert mich sehr, aber so ist das Leben. Hart ist es aber schon für mich, auch wenn es eine Art Luxusproblem ist.“ Elf Tore hat St. Louis im bisherigen Saisonverlauf in 12 Spielen erzielt, vier davon hat Aluko geschossen, zwei weitere vorbereitet. Um ihren Verlust in den Playoffs zu kompensieren, sah sich St. Louis sogar zu dem Schritt genötigt, Toptalent Kerri Hanks an Sky Blue FC abgegeben, um im Gegenzug die  Australierin Sarah Walsh als Sturmersatz zu erhalten. Trainer Jorge Barcellos meint: „Wir machen uns wirklich Sorgen, wenn Eniola zur EM fährt.“

Betroffen sind neben Aluko und Larsson wohl auch Anita Asante (Sky Blue FC), Karen Carney (Chicago Red Stars), Alex Scott und Kelly Smith (Boston Breakers), die Französinnen Camille Abily (Los Angeles Sol) und Sonia Bompastor (Washington Freedom). Im bisherigen Saisonverlauf haben die europäischen Spielerinnen nicht weniger als 22 Tore erzielt. Aluko ist die torgefährlichste Stürmerin von St. Louis, Smith, Bompastor und Abily gelten sogar als aussichtsreiche Kandidatinnen auf die Auszeichnung zur wertvollsten Spielerin der Saison.

Termin-Dilemma
Die Terminansetzung der EM war den WPS-Verantwortlichen lange bekannt, dennoch sah man sich gezwungen, die Liga in 20 Spieltagen auszutragen. Das Dilemma: Bei einer geringeren Anzahl an Spieltagen wäre die WPS vom amerikanischen Fußballverband nicht als Profiliga anerkannt worden. Einer Unterbrechung der Liga mit Fortsetzung im Herbst hätte wohl TV-Partner Fox nicht zugestimmt, da das sportliche Interesse sich dann auf andere Sportarten fixiert, wie etwa die NFL oder auch College Football.

Für eine Liga, die den Anspruch hat, die weltbeste Liga mit den weltbesten Spielerinnen zu sein, ist die terminliche Überschneidung dennoch mehr als ein Schönheitsfehler. Zumindest für die Zukunft wird die WPS ihre Spielplan-Terminierung überdenken müssen, denn spätestens im Jahr 2011 wird zur Weltmeisterschaft in Deutschland das Problem mit noch größerer Wucht auf die Liga zukommen.

„Jetzt müssen halt andere Spielerinnen in die Bresche springen“, so Boston-Trainer Tony DiCicco, der aber über das Fehlen von Scott und Smith genauso wenig begeistert sein wird. Smith ist Bostons Top- Torschützin, Scott gehört zu den besten Verteidigerinnen der Liga und hat bisher keine Spielminute verpasst.

Auch All-Star-Game ohne EURO-Stars
Charlie Naimo, Generaldirektor des Tabellenführers Los Angeles Sol, der sich als erster Verein für die Playoffs qualifiziert hat, meint: „Ich wäre hoch erfreut, wenn unsere Liga eines Tages einen traditionellen Spielplan hat mit zwei Saisonhälften und der Möglichkeit, das ganze Jahr zu spielen. Aber davon sind wir wohl noch meilenweit entfernt.“

Da ist es nur ein kleiner Trost, dass die derzeit vier wahrscheinlichsten Playoff-Teilnehmer (Los Angeles, Boston, St. Louis, Washington) allesamt gleichermaßen von EURO-Abstellungen betroffen sein werden. Und auch das All-Star-Game am 30. August wird nicht in Bestbesetzung stattfinden können und wird somit seinem Namen leider nur in Ansätzen gerecht werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Matthias Behlert sagt:

    Nun ja, da alle Spitzenteams auf ein bis zwei Spielerinnen verzichten müssen, gleicht sich das ja einigermaßen aus, so dass sich die Wettbewerbsverzerrung in Grenzen hält.

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