Achillessehnenriss: Wie vom Blitz getroffen

Von am 24. Juni 2009 – 11.00 Uhr

Wenn die Achillessehne reißt, beschreiben Betroffene das Gefühl, als hätte jemand mit einer rot glühenden Axt in die Ferse geschlagen. Und schon so mancher Profisportler musste seine Karriere wegen einer der schwersten Sportverletzungen beenden.

na_alleswas_dunkel_200x62Anatomisch ist die Achillessehne (Tendo calcaneus oder Tendo Achillis) die gemeinsame Endsehne des dreiköpfigen Wadenmuskels, der den Muskel mit der Ferse verbindet. Die Sehne ist die stärkste Sehne im menschlichen Körper. Darum reißt sie auch selten. Aber wenn es passiert, sind die Folgen umso schlimmer.

Seinen Namen verdankt die Sehne dem griechischen Kriegshelden Achilles, der der Sage nach in der Schlacht vor Troja durch einen Pfeil in die Ferse getötet worden war. Ähnlich wie bei Siegfried und dem Lindenblatt hatte auch der eigentlich unsterbliche Achill seine schwache Stelle. Denn um ihn unsterblich zu machen, tauchte Achills Mutter ihren Sohn in den Styx, den Fluss zur Unterwelt. Nur leider blieb die Stelle, an der die Mutter ihren Säugling festhielt, frei vom Wasser. So wurde die Stelle zur sprichwörtlichen Achillesferse, also zum verwundbaren Punkt, den Paris zu seinem tödlichen Pfeilschuss nutzte.

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Für einige Sportler ist die Sehne ebenfalls sie schwache Stelle. Denn obwohl die Achillessehne mit 20-25cm Länge und einem durchschnittlichen Querschnitt von 80mm² bis zu 800kg Belastung aushält und die kräftigste Sehne im Körper ist, bleibt auch sie nicht von Verletzungen verschont.

Es klingt wie ein Peitschenknall
Von sich aus reißt die Achillessehne nicht. Auch externe Einwirkungen, beispielsweise durch einen Tritt beim Fußball in die Ferse, können die Achillessehne nur selten so schwer beschädigen, dass es zu einer Ruptur kommt. Meist ist bei jedem Achillessehnenriss eine Vorschädigung vorhanden. Wird der Wadenmuskel extrem angespannt, wie bei einem Sprint, können die Vorschädigungen den kompletten Riss verursachen.

Da auf der Sehne so ein großer Zug liegt, klingt es wie ein Peitschenknall, wenn die Sehne reißt. Betroffene beschreiben das Gefühl, wie einen Schlag mit einer rot glühenden Axt in die Ferse zu bekommen. Um dieses Gefühl nicht auch einmal zu erfahren, sollte man seine Achillessehne nicht zu sehr belasten.

Keine Schmerzen im Vorfeld
Die Vorschädigungen entstehen häufig durch Fehl- und Überlastungen. Belastet man sich zu sehr, können in der Sehne kleine Mikrorisse entstehen, in denen die Durchblutung gestört ist. Dies führt zu einer nachlassenden Festigkeit. Zudem verliert die Achillessehne altersbedingt nach und nach an Festigkeit, da die Sehne weniger gut durchblutet wird. Besonders häufig entstehen diese Mikroverletzungen im Bereich 2-6cm oberhalb des Ansatzes. Dort ist die Sehne am schwächsten versorgt, eine reduzierte Stabilität wiegt darum umso schwerer.

Das große Problem ist beim Achillessehnenriss, dass die Sehne meistens ohne Vorwarnung reißt. Es gibt also keine Schmerzen im Vorfeld vor der Verletzung, die auf eine eventuelle Ruptur hindeuten können.

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Da die Achillessehne meist nur nach Vorschädigung reißt, sind junge Menschen selten betroffen. Die meisten Fälle betreffen sportlich aktive Männer zwischen 30 und 50 Jahren auftreten, am häufigsten aber bei Sportlern zwischen 40 und 45 Jahren.

Eindeutige Diagnose
Man muss übrigens kein Arzt sein, um einen Achillessehnenriss zu erkennen. Neben den großen Schmerzen, dem Peitschenknall beim Riss, kann man die Sehne oft nicht mehr ertasten. In der Ferse ist in vielen Fällen wenige Zentimeter über dem Fersenbein eine Lücke, die man mit bloßem Finger erfühlen kann. Wenn sich der Betroffene nicht mehr auf die Zehen stellen kann, ist das ein weiteres Indiz.

Klar wird die Diagnose spätestens beim Thompson-Test. Dafür legt man sich auf einen Tisch oder eine Bank auf den Bauch, die Füße hängen über. Drückt man den Wadenmuskel von beiden Seiten zusammen, kommt es im Normalfall zur Plantarflexion des Fußes, also zu einem Absinken des Fußes. Bei einem Achillessehnenriss passiert das nicht.

[amazon template=iframe image (left)&chan=default&asin=B002DPJE7K]Bei einer vollständigen Ruptur wird laut Sportmediziner Dr. Markus Klingenberg entweder operiert oder die Verletzung wird konservativ behandelt. Wobei die Resultate sich nicht sehr unterscheiden. Nach der OP muss der Fuß zunächst rund sechs Wochen geschont werden, bevor man wieder die ersten Schritte machen kann. Dann kann man mit entsprechenden Reha-Maßnahmen beginnen. Bis das Bein wieder voll belastbar ist, kann schon einmal ein dreiviertel Jahr oder noch mehr Zeit vergehen.

Nach dem Riss bekommt die Sehne nie wieder ihre volle Haltbarkeit, sondern erreicht maximal 80 bis 90 Prozent der vorherigen Festigkeit. Dennoch kann man trotz eines Achillessehnenrisses wieder Leistungssport betreiben.

Wie so viele Sportverletzungen ist auch der Achillessehnenriss nicht zu verhindern. Die Vorschädigungen sind nicht ersichtlich und somit auch nicht behandelbar. Um die Achillessehne zu schonen, sollte man sich vor einer intensiven Belastung gut aufwärmen. Die Sehne ist besser durchblutet und reißt weniger schnell. Auch regelmäßiges intensives Dehnen hilft. Zudem sollte man gerade wenn man nicht oft trainiert, die Belastung nur langsam steigern, damit sich die Sehne sich an die Belastung gewöhnen kann.

Übrigens: Doping kann Sehnen porös machen. Wer beispielsweise anabole Steroide einsetzt, um seine Leistung zu steigern, vergrößert damit nicht nur den Muskelquerschnitt, sondern auch den Querschnitt der Sehnen. Widerstandsfähiger werden die Sehnen dadurch aber nicht. Im Gegenteil, sie reißen schneller.

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