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DFB-Pokalfinale: Eigenständigkeit auf Raten

Von am 13. Juni 2009 – 15.53 Uhr 6 Kommentare

Unter dem Eindruck der tollen Zuschauerzahlen beim Länderspiel Deutschlands gegen Brasilien in Frankfurt (45 000) und des UEFA-Pokal-Finales in Duisburg (28 000) hat sich das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitag für das mehr als 50 000 Zuschauer fassende RheinEnergieStadion in Köln als Austragungsort des DFB-Pokalfinales der Frauen im Jahr 2010 ausgesprochen. Eine gute Wahl und ein Schritt in die richtige Richtung mit entsprechender Signalwirkung, auch wenn das Frauenfinale von einer echten Eigenständigkeit nach wie vor weit entfernt ist.

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An der Ausschreibung des DFB durften sich vor einigen Monaten Stadien mit einer Kapazität von mindestens 20 000 Zuschauern beteiligen, doch die aktuellen Entwicklungen haben die Vorstellungskraft der DFB-Oberen offenbar beflügelt. Plötzlich hatten nicht mehr die kleineren Stadien mit einer Kapazität um die 25 000 bis 30 000 Zuschauer die besten Karten, sondern die größeren Arenen.

Köln überzeugt mit Gesamtkonzept
Und so setzte sich am Ende Köln gegen vier andere Bewerber wie Leverkusen, Frankfurt, Gelsenkirchen und Wolfsburg durch, ursprünglich hatten gar 15 Kandidaten ihre Bewerbungsunterlagen eingereicht. Für Köln sprach laut DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg vor allem „das exzellente Gesamtkonzept“.

Und auch die touristische Komponente dürfte am Ende den Ausschlag zugunsten Kölns gegeben haben. Denn neben dem sportlichen Event will der Besucher auch rundherum eine unterhaltsame Zeit verbringen. Von allen fünf Städten, die in der Endausscheidung waren, hat die Stadt am Rhein sicherlich die größte Erlebnisqualität.

Nachhaltige Förderung geplant
„Köln bietet nicht nur gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sondern hat auch ein ambitioniertes Konzept entwickelt, um das Interesse der Fans für das Finale zu wecken“, erklärt Ratzeburg die Entscheidung. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma freut sich: „Die Fußball-Damen werden eine begeisternde Stimmung erleben. Köln ist stolz darauf, Gastgeber des DFB-Pokal-Endspiels der Damen zu sein und so die Popularität des Frauenfußballs nachhaltig fördern zu können.“

Dabei fristete der Frauenfußball in Köln jahrelang ein Mauerblümchendasein, so dass vor einem Jahr Zweitligist TuS Köln rrh. gar vom 20 Kilometer entfernten Bayer 04 Leverkusen geschluckt wurde. Erst ein Jahr später ist nun auch der 1. FC Köln im Frauenfußball aktiv, ab dem 1. Juli übernehmen die Kölner die Lizenz des Zweitliga-Aufsteigers FFC Brauweiler Pulheim 2000.

Ambitioniertes Ziel
Mit einigen spektakulären Transfers, wie Sonja Fuss und Patricia Hanebeck, hat man unterstrichen, dass der Weg schon in der WM-Saison 2010/11 in die oberste deutsche Spielklasse führen soll. Und so will 1. FC Köln nicht nur den direkten Aufstieg in die 1. Bundesliga schaffen, sondern wird auch den Appetit der Kölner Zuschauer auf Frauenfußball steigern, so die DFB-Gedankenspiele.

Zumal das Frauenfinale 2010 aufgrund des Drucks der Fernsehsender nun doch wieder am selben Tag stattfinden wird, wie das Männerfinale, am Samstag, 15. Mai 2010. Ursprünglich war geplant, das Spiel zwei Tage vorher auszutragen, da der 13. Mai ein Feiertag (Christi Himmelfahrt) ist. Doch da befürchteten die TV-Sender offenbar Einbußen bei den Einschaltquoten, da der Feiertag traditionell für Familienausflüge genutzt wird, die nicht unbedingt den Besuch eines Fußballspiels vorsehen.

Spannungsfaktor Verlängerung im Würgegriff der TV-Anstalten
Von den Medien dürfte das Endspiel der Frauen somit weiterhin als Vorspiel um Finale der Männer verkauft werden, so dass eine echte Eigenständigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung kaum zu erreichen sein wird. Somit haben sich auch die Hoffnungen zerschlagen, dass das Spiel zur Prime-Time im Fernsehen übertragen wird, die Partie dürfte somit wieder am Samstagnachmittag angepfiffen werden. Ob es dann eine Verlängerung geben wird, ist noch fraglich.

Allerdings hat der DFB mit Wirkung zum 1. Juli 2009 §46 Nr. 2.3.1 der DFB-Spielordnung geändert und somit die Grundlage dafür geschaffen, von Jahr zu Jahr neu zu entscheiden, ob das Pokalfinale mit oder ohne Verlängerung ausgetragen wird. Dort heißt es nun: „Vor der Austragung des Endspiels der Frauen kann das DFB-Präsidium beschließen, dass bei unentschiedenem Ausgang am Ende der regulären Spielzeit die Verlängerung um 2 x 15 Minuten entfällt. Der Sieger wird in diesem Fall durch ein Elfmeterschießen direkt im Anschluss an die reguläre Spielzeit ermittelt.”

Erste Phase des Abnabelungsprozesses
Schön ist das sicherlich nicht, aber diesem Diktat der TV-Anstalten muss man sich offenbar derzeit noch beugen. Doch eines hat man mit dem Umzug von Berlin nach Köln jetzt schon erreicht. Im Stadion werden zukünftig Fans sein, die wegen des Frauenfußballs kommen und das Finale nicht als lästiges Anhängsel des Männerfinales empfinden werden. Und den Finalisten werden statt bisher 1 300 Tickets pro Verein zukünftig deutlich mehr Eintrittskartenkontingente zur Verfügung stehen.

Alleine dieser Faktor ist im Zuge des Abnabelungsprozesses ein Gewinn für den Frauenfußball. Und sollten zum ersten Finale 20 000 oder mehr Zuschauer ins Stadion strömen, wäre das der nächste wichtige Schritt auf dem endgültigen Weg zu einer eigenständigen Pokaltradition. Doch vielleicht begeistern sich die Kölner ja dermaßen, dass das Stadion schon beim Debüt noch besser gefüllt ist.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Jarmusch sagt:

    @Markus Juchem
    Ein schöner Bericht, der das Für und Wider eines eigenständigen DFB-Pokalfinales der Frauen in Köln detailliert ausleuchtet.

    Vielen Dank!

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  • Ralf sagt:

    „Un wenn dat Trömmelche jeht, …!“

    Die Mainzelmännchen waren gestern aber ’seeehr luschtich‘ im Sportstudio! 😉

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  • uwe sagt:

    So richtig schlau werd ich nicht draus. Beim Pokalfinale gab Herr Zwanziger als Grund noch an, das aus rein terminlichen Gründen in den nächsten zwei Jahren kein gemeinsames Finale möglich ist. Darum wird die Chance gesehen das Frauenendspiel als eigenständiges Event zuvermarkten.

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  • spoonman sagt:

    Mal ganz blöd gefragt: Waren wirklich die TV-Sender der Hauptgrund dafür, dass es keine Verlängerung gab, oder lag das (auch) an der Planung der Abläufe im Stadion?

    Ich gucke mir selten die komplette Vor- und Nachberichterstattung an und weiß deshalb nicht genau, was ARD+ZDF immer so alles zwischen den beiden Spielen bequatschen. Aber wenn das Frauen-Finale um 16:30 Uhr beginnt (reguläres Ende 18:20) und das Männer-Finale um 20:00 Uhr angepfiffen wird, wäre ja eigentlich genug Platz für Verlängerung und Elfmeterschießen. Inklusive Siegerehrung wäre man spätestens um 19:30 Uhr durch.

    Und wenn man ganz auf der sicheren Seite sein will, könnte man die Übertragungen auch aufteilen: Frauen-Finale in der ARD, Männer-Finale im ZDF, und im nächsten Jahr umgekehrt. Dann würden sich die Übertragungen im Notfall leicht überschneiden.

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  • Ralf sagt:

    @spoonman

    Dieses Jahr war die ARD dran – nächstes Jahr das ZDF?

    Was für ’ne Watsch’n für den WDR (sprich ARD und nebenbei für seinen ‚frauenfussballliebenden Sportchef), dass im nächsten Jahr evtl. die Mainzelmännchen aus dem Sendegebiet des WDR das erste (halbwegs) eigenständige DFB-Pokalfinale der Frauen senden.

    Wenn das kein Fingerzeig‘ ist, was dann?

    „De‘ Räuber“, sag‘ i do!!!

    PS: ‚Gewittertief Odin‘ über Süd- und mittleres Deutschland. HA HA!!!

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  • Ralf sagt:

    Die ‚Wetterau‘ wird ihrem Namen hoffentlich alle Ehre machen.

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