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Jubel in Potsdam, Trauer in München

Von am 8. Juni 2009 – 3.28 Uhr 5 Kommentare

Es ist erst ein knappes halbes Jahr her, da verließ Turbine Potsdams frustrierter Trainer Bernd Schröder nach der 1:2-Niederlage beim FC Bayern München mit hängendem Kopf den Sportpark in Aschheim. Zehn Punkte Rückstand hatte Turbine zu diesem Zeitpunkt auf die Münchenerinnen, doch nach dem 22. Spieltag lagen die Potsdamerinnen in der Endabrechnung um ein einziges Tor vor den Bayern, der überraschende dritte Meistertitel nach 2004 und 2006 verwandelte das Karl-Liebknecht-Stadion in einen Hexenkessel der überschwänglichen Freude.

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Eine Woche lang hatte Turbine über das 0:7 im DFB-Pokalfinale gegen den FCR 2001 Duisburg getrauert, umso größer und grenzenloser war die Begeisterung, sich unerwartet am letzten Spieltag noch zum Deutschen Meister zu küren.

Fassungsloser Schröder
„Ich kann es noch nicht fassen“, so Schröder. „Wir haben hervorragende Unterstützung von vielen Menschen bekommen, die uns den Rücken gestärkt haben. Wir haben gezeigt, dass wir mit Gottes Glück und eigener Hilfe die Meisterschaft geschafft haben und wir können sehr zufrieden sein, wir haben nur die zwei Spiele gegen Bayern München verloren.“

Und Schröder richtete sein Augenmerk bereits auf die kommende Saison, in der Turbine nun auch international wieder für Furore sorgen will. „Wir werden eine gute internationale Saison spielen, mit solch einer Mannschaft. Wir können uns auf die Champions League freuen, wir werden tolle Leute dazu bekommen.“

Kranker Trainer Wörle
In Crailsheim war hingegen die Trauer des FC Bayern München groß, dass am Ende ein einziges Tor zur Meisterschaft fehlte. Zwar versuchten die Münchenerinnen noch einmal alles, doch durch die hohe Niederlage gegen Duisburg war dem Team des erkrankten Trainers Günther Wörle (hohes Fieber) sichtlich die Lockerheit und auch das Selbstvertrauen abhanden gekommen.

Am Ende stand zwar beim Absteiger ein standesgemäßer 3:0-Sieg, doch meisterlich war der Auftritt im Schöneburgstadion am Sonntagnachmittag nicht, zu viele Torchancen wurden gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeberinnen leichtfertig vergeben oder von Crailsheims starker Torhüterin Kim Kaller zunichte gemacht.

Bayern gratuliert Potsdam
Bayern Münchens Frauenfußball-Koordinatorin Karin Danner meinte: „Wenn Crailsheim solche Spiele öfters abgeliefert hätte, wären sie wohl nicht abgestiegen. Wir haben heute alles versucht und sind sehr traurig. Leider hat es nicht gereicht. Gratulation an Turbine Potsdam zum Meistertitel! Dennoch haben wir eine tolle Saison gespielt. Ich freue mich schon auf die kommende Saison.“

Denn dann wird Bayern München auch erstmals ins internationale Geschehen eingreifen, da man sich als Vizemeister ebenfalls für die Champions League qualifiziert hat, Ende Juli beginnt bereits die erste Qualifikationsrunde.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Doc sagt:

    Mich erfreut vor allem, dass sich diese Saison definitiv die Mannschaften mit sehr guter Nachwuchsarbeit durchgesetzt haben. Wenn das noch 1 oder 2 Saisons so anhält, werden auch die Frankfurter Werbepartner und Sponsoren nervös und dann vielleicht nachdenklich.
    „Scheckbuchideologie von Nachhaltigkeitsstrategie besiegt!“ Das wäre eine Überschrift, die ich gerne lesen würde…irgendwann.

    Nun, wir werden sehen…

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  • maxsee sagt:

    man kann der Zuschrift -doc-nur zustimmen. Die positiven Erfahrungen der Nachwuchsentwicklung sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Nur damit sind dem Frauenfußball weitere Impulse zu geben: und das auf Dauer

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  • suplo sagt:

    Wie gut, dass die von euch gemeinten Vereine nicht auf dem Transfermarkt aktiv sind… 🙂

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  • mrx sagt:

    Armer Frauen-Fußball, wo nicht mal die vermeintlichen Fans wie Doc eine Ahnung haben…

    Wie war das gleich mit der gewünschten Entwicklung im FF? Wann erreicht sie auch das Umfeld?

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  • Ralf sagt:

    Ojeojeojeoje!
    Bei Odin und Wodan!
    Welch‘ ‚Nibelungentreue‘!

    Ine kan iu niht bescheiden – waz sider dâ geschach:

    Wan ritter un de vrouwen – weinen man dâ sach,

    dar zuo die edeln knehte, ir lieben friunde tôt.

    Da hât das maere sin ende: daz ist der Nibelunge nôt.

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