Duisburg schon hungrig auf den nächsten Titel

Von am 23. Mai 2009 – 12.24 Uhr 15 Kommentare

Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Spielerinnen des FCR 2001 Duisburg im Club privé am Duisburger Innenhafen den größten Erfolg in der Duisburger Vereinsgeschichte, den sie nach dem furiosen 6:0 im Hinspiel des UEFA-Pokal-Finales mit einem 1:1 im Rückspiel perfekt gemacht haben. Dass vor der Rekordkulisse von 28 112 Zuschauern am Ende gegen Zvezda-2005 kein weiterer Sieg heraussprang, tat der guten Laune aber keinen Abbruch.

Der europäische Erfolg hat nun erst recht die Begehrlichkeit geweckt, am kommenden Samstag im DFB-Pokalfinale von Berlin gegen den 1. FFC Turbine Potsdam den zweiten Titel binnen einer Woche einzufahren, dem Bundesligaspiel bei Tabellenführer FC Bayern München am Dienstag ist die Brisanz genommen.

„Wir werden uns jetzt natürlich mehr auf Berlin konzentrieren. In der Meisterschaft ist für uns nicht mehr viel drin, die theoretische Chance auf den Titel liegt vielleicht bei 0,1 Prozent“, räumt Marina Hegering ein, dass der Schwerpunkt nicht mehr auf der Frauenfußball-Bundesliga liegt. Und das bevorstehende Bundesligaspiel beim FC Bayern München am Dienstag schien auch in den Köpfen der anderen Spielerinnen eine nur noch untergeordnete Rolle einzunehmen.

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DFB-Pokalfinale im Visier
„Dieses Highlight werden wir jetzt ein, zwei Tage genießen, und dann werden wir mit der Vorbereitung auf das DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag beginnen“, so Topstürmerin Inka Grings, der vor der heimischen Kulisse am Freitagabend kein Torerfolg vergönnt war, so dass sie die Chance verpasste, bei der letzten Ausgabe des UEFA-Pokals Rekordtorschützin zu werden, zwei Tore fehlten dazu in der Endabrechnung.

Annemieke Kiesel meinte: „Wir sind jetzt die beste Mannschaft Europas, da wollen wir natürlich auch das nationale Pokalfinale gewinnen. Jetzt heißt es, sich so gut wie möglich zu erholen.“ Gerne hätten die Spielerinnen das Publikum in der fast ausverkauften MSV-Arena mit einem Sieg beglückt, doch mit dem klaren Vorsprung im Rücken fehlte es an der letzten Entschlossenheit, obwohl Trainerin Martina Voss ihren Spielerinnen mit auf den Weg gegeben hatte, so zu spielen, als stehe es 0:0.

Befreit zum nächsten Titel?
„20 bis 30 Prozent an Aggressivität und Konsequenz“ fehlten laut Sonja Fuss, um den sichtlich um Wiedergutmachung bemühten Gegner aus Perm ein zweites Mal in die Schranken zu verweisen. „Es war mit der Führung im Hinterkopf schwer, wir konnten über weite Strecken nicht zeigen, was wir können. Ein Ziel ist jetzt erreicht, jetzt sind wir vielleicht befreiter“, blickte auch Annike Krahn bereits auf das nächste Finale in einer Woche voraus.

Zu den großen Gewinnerinnen durfte sich auch die belgische Nationalspielerin Femke Maes zählen, die erst im Winter zu den Löwinnen stieß. „Das ist einfach ein Traum, ich kann es noch gar nicht glauben. Schade, dass wir heute nicht besser gespielt haben.“ Einen besonderen Dank richtete sie an Voss: „Sie hat mir eine Menge Vertrauen geschenkt und mir die Zeit gegeben, mich an das Team zu gewöhnen. Ich bin wirklich stolz, nicht nur auf die elf Spielerinnen, sondern auch auf alle anderen.“

Erfolgreicher Nachwuchs
Und auch für zwei Nachwuchstalente im Team war der UEFA-Pokal-Sieg das Sahnehäubchen unter eine herausragende Saison. Alexandra Popp und Marina Hegering konnten ihr Glück kaum fassen. „Das hätte ich mir in meiner ersten Bundesligasaison nicht träumen lassen“, strahlte Popp über das ganze Gesicht. Und Hegering ergänzte: „Die ganze Mannschaft hat sich den Titel verdient, wir haben eine riesige UEFA-Cup-Saison gespielt, da ist diese Belohnung gerechtfertigt.“

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Voss selbst waren Freude und Stolz auf ihr Team sichtlich anzusehen. „Das Schöne war heute die Kulisse und das tolle Gefühl, dass uns die Duisburger heute gezeigt haben, dass sie zusammenstehen und uns ernst nehmen. Ich freue mich jetzt einfach nur und genieße den ersten gemeinsamen Titel mit meiner Mannschaft.“ Und schickte gleich eine Botschaft nach Potsdam. „Dieser Erfolg macht das Pokalfinale leichter für uns, wir werden diesen Titel nicht verschenken, und meine Mannschaft hat keine Motivationsprobleme.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • laasee sagt:

    Ja und Gluckwunsche Duisburg. Obgleich der Champagnerfussball fehlte, wurde die Uefa Cup zuschauer rekord erzielt. Und deses bleibt fur Geschicte. Es gibt andere Gelegenheiten fur Champagnerfussball.

    FCR ist Europameister !!! JA JA JA !!!

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  • Jarmusch sagt:

    Alles tanzt und feiert…

    …und Eurosport verabschiedet sich hastigst aus der Übertragung um mit einem Armwrestling-Magazin!!!?!!! im Programm fortzufahren.
    Ich kann mich auch heute noch nicht über so viel Respektlosigkeit beruhigen… unfassbar!

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  • Lucy sagt:

    Jarmusch, ganz meine Meinung – einfach ohne Worte, dieser Sch…sender ! 🙁

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  • mrx sagt:

    Dieser Sender hat es immerhin übertragen… und nicht so eine Farce wie damals mit dem WDR! Da blieb komischerweise die öffentliche Erregung aus.

    Aber warum regen sich gerade die auf (@Eurosport-Seite), die eh im Stadion waren?

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  • Lucy sagt:

    Wieso haben sich dieses Jahr eigentlich nicht ARD/ZDF für die Übertragung interessiert und angeboten ? Die kommen wenigstens nicht erst eine Minute vorher auf Sendung und verschwinden dann gleich ein, zwei Minuten nach Spielschluß wieder…

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  • Mini sagt:

    da muss ich euch echt rechtgeben…das schönste an der ganzen sache wären doch die emotionen nach dem spiel gewesen..vor allem weil ja allen klar war dass duisburg das ding holt..da hat das spiel eg gar nicht so recht interessiert…

    grade die momente nach dem spiel wären interessant gewesen..

    abgesehen davon..müssen wir uns ja schon fast glücklichen schätzen dass die das spiel überhaupt gezeigt haben…schließlich ist das FRAUEN-fußball…

    ist zwar peinlich..für ein land das in 2j wm-ausrichter ist..aber was soll man noch dazusagen..

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  • djane sagt:

    @mrx, das ist zwar richtig, aber wenn wir uns immer nur mit den kleinen Häppchen zufriedengeben, die einem als FF-Fan so vorgeworfen werden, braucht es noch 500 Jahre, bis der FF wirklich akzeptiert ist. Ich finde, daß hier der DFB auch in einer gewissen Verantwortung steht: wenn Theo seinen Urlaub beendet hat, darf er da gerne mal tätig werden und sich mit den Öffentlich-Rechtlichen an einen Tisch setzen: Der FCR hat die Hütte fast voll bekommen und einen Vereinsrekord geknackt, da hätte ich schon mal gerne gewußt, warum im Vorfeld kein Sender der ÖR das Spiel übertragen wollte. Sicherlich war nicht mit so einem großen Andrang zu rechnen, aber das Finale letztes Jahr hat der HR ja auch hinbekommen, von daher muß der WDR da auch mal in die Pflicht genommen werden.

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  • Ralf sagt:

    @djane
    Mit einem gewissen Herrn Sven V. als Gesprächspartner auf Seite des öffentlich-rechtlichen WDR sehe ich aber keinen großen Bewegungsspielraum.
    Der Theo ist prominent, bekannt und beliebt – aber letztlich wenn’s um die Sache des FF geht, nur ein Bittsteller.
    Harte Wahrheit, aber es ist halt so!

    Vor Olympia war doch das letzte Spiel in Norwegen.
    Der seinerzeit übertragende Sender war doch der WDR?
    Die halten es nicht mal für nötig, rechtzeitig zu den Hymnen umzuschalten.
    Aber wir durften uns für unsere Gebühren wirklich bis zur allerletzten Sekunde die Tour de Doping anschauen, das war dem Herrn V. SEHR wichtig, da seinen öffentlich-rechtlichen Informations- und Bildungsauftrag zu erfüllen!

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  • helena sagt:

    Dass solche Spiele auch ins öffentliche Fernsehen gehören steht ausser Frage.
    An eurosport zu kritisieren, dass sie die Siegesfeier nicht gezeigt haben: eurosport hat überaus selten solche Dinge im Angebot, wer etwa im Winter Biathlon und Co dort schaut, sieht Siegerehrungen etc. auch selten bis gar nicht (und man kommt auch erst recht spät ins Geschehen und wechselt sehr schnell nach Beendigung des Wettkampfes). Man versteht sich halt als Sport- und nicht als Feiersender. Das ist auch ok; natürlich hätte ein solches Ereignis etwas mehr Aufmerksamkeit verdient, aber da stand dann das spannende BuLi-Finale im Weg.

    Auf jeden Fall: Herzlichen Glückwunsch an Duisburg :-).

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  • Pinguin sagt:

    Dass eurosport direkt nach Spielende abgeschaltet hat, war umso gravierender, als das Rückspiel diesmal nur die Ouvertüre war für den eigentlichen Höhepunkt des Abends, der Siegerehrung und Feier.

    PS: Zum mangelnden Engagement des WDR: In einem anderen Kommentar-Blog hier hat Sonja, die offenbar Insider ist, gesagt, der WDR-Sportchef habe was gegen FF – eigentlich würde ich da gerne mehr zu wissen, aber das ist vermutlich zu intern.

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  • Ralf sagt:

    @djane
    Das Finale 2008 1. FFC Frankfurt – Umea IK wurde vom ZDF übertragen.
    Kann sich die ARD (sprich HR) also keine Feder an den Hut stecken!

    @Pinguin
    Wir sollten Sonja hier nicht dazu verleiten, sich um Kopf und Kragen zu reden.
    Bei Herrn V. vom WDR kommen mir immer wieder Assoziationen zu ‚Guten-Abend-Allerseits-Grüßonkel-Heribert‘.
    Dieser hatte seinerzeit schon garnix für den FF übrig – warum sollte es bei seinem Ziehsohn und langjährigen Adlatus Sven V. anderst sein?

    Schade, dass die Landesrundfunkanstalt der ARD, die unbestritten in Sachen Fußballübertragung europäische Spitzenklasse ist, sich beim Thema FF so schwer tut. Peinlich ist hier noch geschmeichelt!

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  • djane sagt:

    ups, dann hatte ich das falsch in Erinnerung, mea culpa. Beim FFC denke ich halt immer sofort an Werner Damm und den HR

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  • Jarmusch sagt:

    Dem Frauenfußball und seinen Terminplanern droht im Saisonendspurt Ungemach.

    Wenn man da mal nicht die Potsdamerinnen für das DFB-Pokalfinale zusätzlich motiviert (sollte sich bei einem klaren Bayern-Sieg das Thema Meisterschaft für Potsdam erledigen).
    Zwei, drei Spielerinnen schonen ist ja o.k., aber ohne eine einzige Stammkraft und sogar ohne die Cheftrainerin zu einem entscheidenden Meisterschaftsspiel zu reisen ist schon ein Affront.

    Aber letztlich hat der DFB und/oder der FC Bayern einen Teil Verantwortung dafür zu tragen, indem man auf diesem Termin bestand. Man hätte ja auch am Mittwoch, dem 03.06.2009 spielen können.

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  • Jarmusch sagt:

    Einen Filmbeitrag rund um das UEFA-Pokal-Rückspiel in der MSV-Arena gibt es hier zu sehen:

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  • Ralf sagt:

    Ja, 🙂 auch wenn jetzt einige wieder mächtig was zum ablachen haben:
    Ausgerechnet jetzt diesen ‚fake‘ produziert zu haben.
    STEFFEN SIMON (=WDR) und Sven Voss (natürlich zdf).
    Ich bitte um Entschuldigung.

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