Annike Krahn: „Dieses Erlebnis wird nicht zu toppen sein“

Von am 22. Mai 2009 – 0.45 Uhr 2 Kommentare

Das Training in der MSV-Arena am Donnerstagnachmittag hat die Vorfreude von Annike Krahn auf das Rückspiel im UEFA-Pokal-Finale gegen Zvezda-2005 noch einmal auf die Spitze getrieben. Mit ihren Teamkolleginnen fiebert die Innenverteidigerin des FCR 2001 Duisburg der großen Fußballparty entgegen (Freitag ab 19.30 Uhr live auf Eurosport). Mit dem 6:0-Vorsprung im Rücken soll es vor allem ein Spiel für die Fans werden, denn mehr als 23 000 Zuschauer wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen.

Vom internationalen Nobody an die Spitze  – die Duisburgerinnen haben in dieser Saison die europäische Frauenfußball-Szene im Sturm erobert. „Wir haben gerade in den UEFA-Pokal-Spielen gezeigt, was wir können und wie hoch unser Potenzial ist, was wir in der Vergangenheit nicht immer abrufen konnten“, so Krahn gegenüber Womensoccer.

Potenzial voll ausgespielt
Ein Potenzial, dem in dieser Saison zahlreiche europäische Spitzenmannschaften nichts entgegen zu setzen hatten. Ob Brøndby, der 1. FFC Frankfurt, Olympique Lyon oder Zvezda-2005 – alle bissen sich am Team von Trainerin Martina Voss die Zähne aus. Nur national leistete sich das Team zwei gravierende Patzer gegen Potsdam und München, die wohl den Meistertitel gekostet haben. „Wir haben in den entscheidenden Meisterschaftsspielen einfach nicht gut gespielt, warum auch immer“, so Krahn.

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Doch das ist vergessen, wenn zum zweiten Mal binnen sechs Tagen der russische Meister in die Schranken verwiesen werden soll. „Wir wollen vor der Riesenkulisse noch einmal 90 Minuten genießen und den Fans ein tolles Fußballspiel zeigen. Dieses Erlebnis wird nicht zu toppen sein. Wir werden nicht auf Ergebnis spielen, sondern wir wollen einfach tollen Fußball zeigen und offensiv spielen, wir können gar nicht anders“, freut sich Krahn. Mit dem gigantischen Selbstbewusstsein und dem nahezu garantierten UEFA-Pokal-Sieg will man die Fans im Stadion, die Zuschauer an den Fernsehschirmen und auch potenzielle neue Sponsoren beeindrucken.

Verwunderung
Noch heute wundert sie sich, wie es zu diesem gigantischen Vorsprung kommen konnte. „Ein 6:0 konnte keiner erwarten, von daher ist das ein Traum, den wir im Moment leben. Vielleicht konnten sie mit dem Rückstand nicht umgehen, ich denke, sie haben gemerkt, dass sie unterlegen sind, aber ich habe mich schon gefragt, warum sie sich nicht richtig gewehrt  haben, eine Antwort habe ich nicht gefunden. Ich dachte auch nach unserem zweiten Treffer, dass sie nochmal zurückkommen.“

Doch stattdessen drehten die Duisburgerinnen dermaßen auf, dass man im Lager der Russinnen noch fast eine Woche später schwer beeindruckt ist. „Duisburg ist das stärkste Team, gegen das wir je gespielt haben“, meint Zvezda-Kapitänin Nataliya Zinchenko.

Bundesliga tritt in den Hintergrund
Vor lauter Euphorie gerät erst einmal fast in Vergessenheit, dass in den nächsten acht Tagen zwei weitere Topspiele auf dem Programm stehen. Die Partie beim FC Bayern München am Dienstag und das DFB-Pokalfinale gegen den 1. FFC Turbine Potsdam am Samstag in Berlin. Krahn räumt ein: „Natürlich verliert die Bundesligapartie für uns ein bisschen an Bedeutung, aber jeder Sportler, der auf dem Platz steht, will gewinnen und dafür wird er alles tun. Das geht mir und sicherlich auch den anderen so. Wir werden uns aber bis Sonntag keine Gedanken über diese anderen Spiele machen.“

Doch Krahns Erfolgshunger ist mit dem UEFA-Pokal-Finale noch lange nicht gestillt. „Ich habe noch keine EM gespielt und auch mit Duisburg habe ich noch Ziele. Ich will mich weiterentwickeln, und damit den jeweiligen Mannschaften weiter helfen. Ich habe noch Potenzial nach oben, muss das Pass- und das Kopfballspiel verbessern. Ich bin ja keine fertige Spielerin, das wäre mit 23 vermessen.“

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Zukunftsperspektiven
Seit kurzem steht fest, dass Krahn auch ein weiteres Jahr in Duisburg spielen wird. Nur ein Jahr, sagen ihre Fans und wundern sich, warum sie nicht gleich bis 2011 verlängert hat. „Man muss immer das Gesamtpaket sehen. Ich werde in naher Zukunft mein Studium beenden, und man muss sehen, wie es dann beruflich weiter geht, deswegen macht ein Einjahresvertrag Sinn. Das Studienende wird mit Sicherheit eine Veränderung nach sich ziehen“, so Krahn über ihre Zukunftsperspektiven.  „Auf jeden Fall etwas im Sportbereich“, so ihre berufliche Zielsetzung.

Doch zuvor will sie weitere sportliche Erfolge erzielen. „Ich war beim Algarve Cup nicht dabei, deswegen kann ich pauschal schlecht beurteilen, wo die Nationalmannschaft im Moment steht. Aber das Brasilien-Spiel hat gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, aber generell muss man schon sagen, dass die Konkurrenz immer stärker wird.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • SCW sagt:

    Ich finde es super, dass Jenny Palmqvist pfeift! Eine tolle Schiedsrichterin.

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  • djane sagt:

    ich finde es auch super, daß sie pfeift- nach der 1. HZ nur nicht, WIE sie pfeift- internationale Härte schön und gut, aber da hätte man schon paar mal mehr eingreifen können

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