Ariane Hingst feiert überzeugendes Comeback

Von am 19. Mai 2009 – 12.02 Uhr 3 Kommentare

Bundestrainerin Silvia Neid hatte es am Sonntag nach der 1:2-Niederlage des 1. FFC Frankfurt gegen den 1. FFC Turbine Potsdam etwas eilig, das Stadion am Brentanobad zu verlassen, denn das ABS-System ihres Wagen hatte ihr auf der Fahrt nach Frankfurt einen Streich gespielt. Nun galt es, erst einmal eine KFZ-Werkstätte des Vertrauens zu finden.

Doch die gute Laune ließ sich Neid dadurch nicht verderben, denn zuvor hatte sie erleichtert zur Kenntnis genommen, dass Ariane Hingst nach ihrer schweren Knieverletzung und dem Kurzeinsatz in Crailsheim bereits wieder 90 Minuten durchhielt und dabei eine ordentliche Figur abgab. Und somit dürfte Hingst in den Planungen für die EM im August in Finnland ab sofort wieder eine Rolle spielen.
 

„Es ist schön, dass sie wieder spielt und dass sie das hohe Tempo mitgehen konnte“, lobte Neid die Nationalspielerin, die nach einem schweren Knorpelschaden im Knie mit anschließender Operation im vergangenen September lange Zeit zum Zuschauen verdammt war.

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Beschwerlicher Weg zurück
Im Januar musste sie das Lauftraining nach einigen Tagen abbrechen, ein bitterer Rückschlag auf dem Weg zurück. Noch vor wenigen Wochen sah es so, als könnte sie in dieser Saison womöglich gar nicht mehr zum Einsatz kommen, lange konnte sie im Training nur ein reduziertes Programm absolvieren.

So richtig freuen mochte sich Hingst direkt nach dem Spiel dennoch nicht, denn die Niederlage gegen ihren Ex-Verein wurmte sie extrem. „Nach einem 1:2 kann man nicht glücklich und zufrieden sein, auch wenn ich durchspielen konnte“, so Hingst, die mit ihrem Einsatz und ihrer Präsenz andeutete, dass sie in Zukunft in Frankfurt die so dringend erhoffte Verstärkung sein könnte.

90 statt 45 Minuten
Erst in der Pause fiel die Entscheidung, dass sie auch die zweiten 45 Minuten absolviert. „Wir haben in der Halbzeit Rücksprache gehalten und sie hat signalisiert, dass es geht“, so Frankfurts Trainer Günter Wegmann. „Es hat sich gezeigt, was sie auf dem Platz wert ist.“ Und Manager Siegfried Dietrich schwärmte über seine beiden Winter-Neuverpflichtungen: „Heute hat man gesehen, was die Leitwölfe Angerer und Hingst für uns bedeuten.“

Zwar versprangen Hingst noch einige Bälle, doch ihr waren die Leidenschaft und Spielfreude nach der langen Pause anzumerken. „Ich bin glücklich, dass ich wieder dabei bin, aber ich weiß, dass noch viel mehr geht.“ Dass sie in Crailsheim und gegen Potsdam auf der ungewohnten Sechserposition zum Einsatz kam, stört sie nicht. „Ich würde mich auch ins Tor stellen.“ Die wichtigste Erkenntnis dürfte gewesen sein, dass das Knie gehalten hat und auch die Kondition bereits wieder für ein komplettes Spiel reicht.

Hoffnung auf EM-Teilnahme
Und so dürfte auch die EM-Teilnahme in drei Monaten in Finnland schnell wieder ein Thema werden. „Ich konzentriere mich auf mich, alles andere kann ich nicht entscheiden. Schlecht ist mein Gefühl im Moment aber nicht“, will sie der Kaderbenennung der Bundestrainerin nicht vorweg greifen.

Auch Trainer Wegmann hält eine EM-Teilnahme von Hingst nicht für abwegig. „Ich hoffe, dass sie bei der EM ihren Wert und dann auch nächste Saison diese Dominanz und Präsenz auf dem Platz zeigen kann.“ Denn für Wegmann steht fest: „Sie ist eine Spielerin, die nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz Akzente zu setzen weiß.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • labrys696 sagt:

    War das Comeback wirklich Überzeugend? Ari hatte Glück, das sie in der 1.HZ nicht mit einer gelb-roten Karte in die Kabine geschickt wurde, eher Glück als Überzeugung…. Ich freue mich das sie wieder zurück ist, aber sie braucht noch einige Zeit, bis sie wieder in der Natio spielen kann, aber sie wird alles daran setzten.

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  • Markus Juchem sagt:

    Es ist unbestritten, dass Ariane Hingst noch einige Zeit brauchen wird, um wieder hundertprozentig in Topform zu kommen. Aber wer nach acht Monaten Pause im ersten Spiel über 90 Minuten gleich wieder eine dermaßen tragende Rolle im Spiel einnehmen kann, überzeugt mich schon. Was hättest Du erwartet? Dass sie noch dazu zwei Tore schießt?

    Das Frankfurter Spiel wirkte mit ihr deutlich stabiler als ohne sie, und sie war eine der besten, wenn nicht die beste Frankfurter Spielerin auf dem Platz. Das hat ja dann auch nichts mit Gelben oder Roten Karten zu tun. Glück hatte dann so gesehen auch Sarah Schatton, die hätte sogar eine glatte Rote Karte für ihr rüdes Einsteigen gegen Desiree Schumann sehen können bzw. vielleicht sogar müssen. Aber das ist ein anderes Thema.

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  • Lucy sagt:

    Also für mich war die Beste Frankfurterin KG. Sie scheint auch endlich wieder die „Alte“ zu sein 🙂

    Aris Einsätze in FFM und Crailsheim waren aber ganz ordentlich, wenn man bedenkt, wie lange sie nicht spielen konnte.

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