Potsdam zittert sich Richtung Champions League

Von am 18. Mai 2009 – 10.03 Uhr 12 Kommentare

Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder strahlte nach dem glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1-Auswärtssieg beim 1. FFC Frankfurt in einer Mischung aus Freude und Genugtuung über das ganze Gesicht. Denn obwohl seine Mannschaft zuvor 90 Minuten lang eine ihrer schwächeren Saisonleistungen abgeliefert hatte, durfte man die Heimreise vom Brentanobad mit drei wertvollen Punkten im Gepäck antreten.

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Und so wird ein Szenario immer realistischer, dass dem jungen Team vor zwei Jahren und auch im Dezember nach der 1:2-Niederlage bei Bayern München kaum einer zugetraut hat. „Wir sind noch nicht ganz da, aber eventuell spielen wir in der nächsten Saison Champions League.“

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Dass es in Frankfurt vor 2 460 Zuschauern in einer intensiven geführten, aber keineswegs hochklassigen Partie, nicht so rund lief, hatte mehrere Gründe. „Wir waren heute leider ein bisschen verkrampft, jeder weiß, dass wir junge Spielerinnen haben.“

20. Saisontreffer für Mittag
Und Stürmerin Anja Mittag, die nach einem Fehler von Frankfurts Verteidigerin Gina Lewandowski das wichtige 1:0 und ihren bereits 20. Saisontreffer erzielte, räumte ein: „Der Druck war natürlich groß, denn wenn wir dieses Spiel nicht gewonnen hätten, hätten wir fast keine Chance mehr auf die Champions League gehabt.“ Auch Schröder gab zu: „Wir haben glücklich gewonnen, dafür aber beim Hinspiel in Potsdam unglücklich Punkte abgegeben.“

Bei den Gastgeberinnen haderte Trainer Günter Wegmann zum wiederholten Mal in dieser Saison mit dem Schicksal. „Mir standen heute nur zwölf gesunde Spielerinnen zur Verfügung. Wenn man diese Umstände betrachten, haben wir heute eine bemerkenswerte Leistung gezeigt. Und das von einer Mannschaft, von der man seit Monaten liest, dass sie nichts drauf hat. Heute haben wir Moral, Leidenschaft und Stärke gezeigt und den Zuschauern 90 Minuten alles geboten.“

Mangelnde Chancenverwertung
Dass die Frankfurterinnen am Ende ohne Punkte da standen, lag auch zum wiederholten Mal an der fahrlässigen Chancenverwertung.  Kerstin Garefrekes, Lewandowski und die in der Schlussphase eingewechselte Pia Wunderlich ließen beste Chancen aus. „Wir haben auch zwei ganz klare Elfmeter nicht bekommen“, kritisierte Wegmann zudem Schiedsrichterin Anja Kunick.

Die lag aber in der ersten strittigen Szene vollkommen richtig, da Garefrekes schon aus freien Stücken abhob, bevor sie von Turbine-Torhüterin Desiree Schumann berührt wurde. Bei der zweiten diskussionswürdigen Aktion hingegen kam Schumann nach einer Garefrekes-Flanke zu spät aus ihrem Tor, prallte beim Versuch den Ball zu erobern mit Sandra Smisek zusammen und brachte diese zu Fall – hier hätte sich Turbine über einen Elfmeterpfiff nicht beschweren dürfen. „Ich hoffe, dass wir eine neue, bessere und attraktivere Saison erleben werden“, will Wegmann schnell einen Haken unter die verkorksten Saison machen.

Gegen  Wolfsburg ums Champions-League-Ticket
Für den 1. FFC Turbine Potsdam stehen hingegen zwei echte Endspiele vor der Haustür. Erst geht es am 30. Mai im DFB-Pokalfinale in Berlin gegen den FCR 2001 Duisburg, acht Tage später soll dann mit einem Sieg im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg Platz 2 in der Bundesliga und die Champions-League-Teilnahme perfekt gemacht werden.

„Wir sind noch nicht durch, aber wir haben jetzt erst mal 14 Tage Pause, dann das DFB-Pokalfinale und danach Heimvorteil.“ Die Pause wird den Turbinen gut tun, denn „bei uns ist ein bisschen die Luft raus.“ Gegen Wolfsburg erwartet Schröder ein äußert unangenehmes Spiel. „Einige der Wolfsburger Spielerinnen wohnen ja noch in Potsdam, die werden alles versuchen. Das wird ein besonderes Spiel“, warnt er vor der Schwere der Aufgabe.

Saisonziele erreicht
Dass rein rechnerisch sogar noch der Titel möglich ist, beschäftigt Schröder nicht. „Über die Meisterschaft haben wir nie gesprochen. Wir haben den DFB-Hallenpokal gewonnen, haben das DFB-Pokalfinale erreicht und stehen unter den Top 3 in der Liga. Wir haben alle unsere Ziele erreicht, ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.“

Und wenn es in der Meisterschaft nicht für Platz 1 reichen sollte, ist das zumindest dafür geeignet, dass seine Spielerinnen die Bodenhaftung nicht verlieren. „Junge Leute tun sich heute oft schwer, das rechte Maß zu finden. Im Nachhinein sind wir gar nicht so böse, wenn wir nicht Meister werden.“ Dafür verspricht Schröder eine schlagkräftige Mannschaft für die kommende Saison. „Wir werden eine Super-Mannschaft haben, die auch in der Champions League wunderbar bestehen kann.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • Lucy sagt:

    Bei der Situation Schumann/Smisek sah es von weitem noch dazu aus, als hätte Schumann noch nachgetreten…(?!?).

    Will da aber nix behaupten oder unterstellen :-/

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  • Markus Juchem sagt:

    Leider fehlen ein paar interessante Szenen im Zusammenschnitt von DFB-TV.

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  • ViolA sagt:

    das nachtreten war später als schumann und bartusiak auf dem boden liegen mit den beinen nach dem ball stocherten.

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  • Lucy sagt:

    Ah, das war Sassi… Ich konnte nicht genau erkennen, wer da von Frankfurt jetzt genau lag.

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  • Andrea sagt:

    Sassi hat da wohl eher nachgetreten und deswegen war Schumann so erbost.

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  • Zaunreiter sagt:

    Von der Ferne aus – ich saß auf dem linken Teil der Haupttribüne – sah es aus, als ob Frau Bartusiak nachgetreten hatte.

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  • hathaway sagt:

    Bartusiak hat mehrfach nachgetreten, als Schumann aufstehen wollte. Aus diesem Grund ist die Potsdamerin dann ungehalten geworden.

    Leider gar nicht erwähnt wird hier und anderswo die klare rote Karte für Schatton, die mit gestrecktem Bein in Potsdams Torfrau reinsprang und damit wissentlich deren Verletzung in Kauf nahm. Das war klar rot. Da war Frankfurt gut bedient. Im Nachhinein und inzwischen auch nach vorliegenden bewegten Bildern einen Elfmeter für die Schwalbe von Garefrekes zu fordern ist ebenfalls ganz schön dreist.

    Alles in allem waren da mehrere Spielerinnen wohl etwas übermotiviert, ein emotionales Spiel wie immer zwischen Frankfurt und Potsdam.

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  • Manu sagt:

    Sie ist beim Zusammenprall mit der Nr. 25 zwei Mal getreten, davon ein Mal schmwerzhaft in die Rippen getreten worden. Da sei sie ausgeflippt, was ich an ihrer Stelle auch wäre.

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  • suplo sagt:

    Bei dem ein oder anderen Kommentar hier bin ich froh, dass ich direkt auf Torhöhe saß und genau sehen konnte wer wen wann getreten oder mit ihr um den Ball gehakelt hat.
    Da wir alle sowieso dem jeweils anderen Team gesonnen sind, bringt Streiterei eh nix, so dass ich es auch nicht weiter ausführen will.
    Wir freuen uns also einfach auf das nächste Spiel mit der Leipziger Schiedsrichterin und geniessen notfalls auch Spielerin Nr. 12, 13 und 14 vom der Turbine auf dem Feld… 🙂 Die gelben Leibchen sahen ja auch schick aus.

    Trotzdem grautuliere ich um der Fainess Willen den Turbinen zu diesem Sieg. Ob verdient oder nicht, es gewinnt schließlich das Team mit dem Mehr an Toren am Ende des Spiels. Und dieses Mal war es halt mal der 1.FFC Turbine.

    PS: Mein Kompliment an die mitgereisten Fans. Die Ausstattung (Banner etc.) kann sich sehen lassen.

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  • Mini sagt:

    na ja…also desiree berichtete uns nach dem spiel über diese strittige szene…und hat eindeutig gesagt,dass sie den ball schon längst hatte und saskia aber trotzdem voll rein ist…und dann eben als desi aufstehen wollte,hat saskia nochmals ihre Desis Beine behakelt und das hat sie aufgeregt…

    und noch hinzukommt,dass die schiedsrichterin auch einige Szenen gegen Frankfurt nicht gepfiffen hat…wie z.B diverse Handspiele und Abseitspositionen…

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  • Lucy sagt:

    @all

    Ich wollte nur mal nachgefragt haben, weil ich das nicht so genau gesehen hatte oder dann wohl anscheinend nur den Schluß.

    Wollte damit aber keineswegs Streitereien oder Schuldzuweisungen untereinander anzetteln 😉

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  • Mini sagt:

    das ganze Spiel hindurch waren viele szene sehr strittig…dementsprechend sind natürlich die meinungen dazu ein wenig unterschiedlich…aber jeder so wie er es meint..

    es ist sowieso vergangenheit

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