Herzlichen Glückwunsch, FCR 2001 Duisburg!

Von am 16. Mai 2009 – 20.59 Uhr 17 Kommentare

Ich weiß: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Aber nach dem furiosen 6:0 (1:0)-Auswärtssieg bei Zvezda-2005 im Final-Hinspiel des UEFA-Pokals ist dem FCR 2001 Duisburg der Titel und somit auch der Startplatz für die in der kommenden Saison erstmals ausgetragenen Champions League nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu nehmen. Bei diesem tollen sportlichen Erfolg nimmt man dann sicherlich auch gerne in Kauf, dass sich die Last-Minute-Ticketkäufe in der kommenden Woche in Grenzen halten werden. Nur ein einziger Wermutstropfen trübt die Freude.

Dabei musste man sich fast eine Halbzeit lang Sorgen um die Löwinnen machen. Nicht, weil sie schlecht gespielt hätten, sondern weil sie trotz drückender Überlegenheit eine Vielzahl hochkarätiger Torchancen nicht in Tore ummünzten. Der verschossene Elfmeter von Linda Bresonik, der Pfosten beim Freistoß von Inka Grings und eine gut aufgelegte russische Torhüterin Nadezhda Baranova verhinderten zunächst die überfällige Duisburger Führung.

Drückende Überlegenheit
Denn mit dem Pressing und dem Tempo des Duisburger Spiels war der Finalgegner, der im Halbfinale noch den Vorjahresfinalisten Umeå IK eliminiert hatte, sichtlich überfordert. Und auch wenn die Russinnen anfangs der zweiten Halbzeit etwas besser in die Partie fanden, echte Sorgen musste man sich nach der Führung durch den schönen Heber der immer wertvoller werdenden Femke Maes nicht mehr machen.

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Dass dann sogar noch das halbe Dutzend vollgemacht werden konnte, lag wohl in erster Linie daran, dass nach dem verwandelten Handelfmeter von Grings nach einer guten Stunde bei den Russinnen die Laufbereitschaft abnahm und die Duisburgerinnen die sich nun bietenden Räume perfekt nutzten. Allen voran Grings, die im Rückspiel in Duisburg alles daran setzen wird, ihren nun 12 Treffern im Wettbewerb weitere folgen zu lassen. Denn mit drei weiteren Treffern würde sie zur alleinigen Torschützenkönigin werden, derzeit hat noch Margrét Lára Vidarsdóttir mit 14 Treffern die Nase vorn. Jene Isländerin, die 2006 für ein paar Monate in Duisburg spielte.

Spektakel in der MSV-Arena
Einige befürchten nun vielleicht, dass Trainerin Martina Voss nach dem klaren Sieg im Finalhinspiel in der MSV-Arena ein paar ihrer Schlüsselspielerinnen für das bevorstehende Saisonfinale in der Bundesliga und das DFB-Pokalendspiel schonen könnte. Doch wahrscheinlich ist das nicht, denn erstens will man kein Restrisiko eingehen, so gering es auch sein mag, zweitens will man den fast 20 000 Zuschauern noch einmal ein Frauenfußball-Spektakel der Extraklasse bieten und vor allem den Rhythmus behalten. Dann wird allerdings eine fehlen, die großen Anteil am Erfolg in dieser Saison hat. Linda Bresonik wird wegen ihrer zweiten Gelben Karte im Final-Rückspiel fehlen, vor einem Freistoß für die Russinnen schlug sie den Ball wohl ein wenig zu kräftig weg. Mehr als ärgerlich.

Und durch den klaren Erfolg und den zu 99,99 Prozent wahrscheinlichen UEFA-Pokal-Sieg ist auch dem vier Tage später folgenden Bundesligaspiel beim FC Bayern München ein wenig die Brisanz genommen. Die Konzentration dürfte sich bei der nahezu sicheren Teilnahme an der Champions League bereits auf das DFB-Pokalfinale am 30. Mai in Berlin gegen den 1. FFC Turbine Potsdam richten.

Perfekte Debütsaison im UEFA-Pokal
Mit dem Erfolg in Kasan haben Voss und ihr Team das i-Tüpfelchen unter eine herausragende UEFA-Pokal-Saison gesetzt. Die Ergebnisse auf europäischem Parkett können sich wahrlich sehen lassen: 4:1 gegen Brøndby, 5:0 gegen Levante, 5:0 gegen Naftokhimik, 3:1 und 2:0 gegen den 1. FFC Frankfurt, 1:1 und 3:1 gegen Olympique Lyon und nun das 6:0 bei Zvezda-2005 – keiner der Gegner konnte den Duisburgerinnen ernsthaft Paroli bieten. Und der internationale Höhenflug dürfte sich für die Duisburgerinnen mehrfach bezahlt machen.

Zum einen streift man sportlich endlich den Nimbus des ewigen Zweiten ab, den man sich in den vergangenen Jahren durch vier Vizemeisterschaften in der Bundesliga und ein verlorenes DFB-Pokalendspiel erworben hatte. Darüber hinaus ist die Mannschaft, allen voran junge Spielerinnen wie Alexandra Popp oder Marina Hegering, gereift und sportlich auf einem ganz neuen Niveau angelangt.

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Schaulaufen für die Sponsoren
Und durch den europäischen Titel dürfte auch die Aufmerksamkeit der Medien und Sponsoren wachsen. Am kommenden Freitag, 22. Mai, 19.30 Uhr, hat man nun die Chance, vom Druck befreit vor großer Kulisse in der MSV-Arena potenzielle neue Geldgeber auf sich aufmerksam zu machen – um dann auch finanziell für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, wenn immer mehr Großklubs in den Frauenfußball stoßen werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

17 Kommentare »

  • labrys sagt:

    Nach dem Spiel sollten mehr als 20’000 zum Rückspiel kommen. Einfach genial gespielt. Mit Inkas letztem Tor fast schon gedemütigt… Klasse gemacht, wünsche dem Mädels eine hammer Kulisse am Freitag und das sie das Ding in den Pott holen 🙂

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  • Marcel sagt:

    Herzlichen Glückwunsch auch von mir aus spielerisch und auch vom Tempo her ein super Spiel wo der Gegner wohl letztendlich völlig überfordert war.
    Beim Schaulaufen bin ich live dabei und ich denke werde es nicht bereuen trotz des klaren Hinspielerfolgs.

    @Markus

    Margrét Lára Vidarsdóttir ist die nicht Isländerin ?

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  • djane sagt:

    …in Anlehnung an das Zitat von „Unglücksrabe“ Bresonik in „Die besten Frauen der Welt“ (die KG- da isse mal richtig aus sich raus gegangen), mensch Markus, da bist Du ja richtig aus Dir rausgegangen 🙂 Zurecht, auch von mir herzlichen Glückwunsch nach Kazan, auch wenn ich gestehen muß, daß mich das Spiel bis zur 2. Hälfte der 2. HZ nicht gerade vom Hocker gehauen hat. Ich frage mich immer noch, ob die Permer Mitwikenden wirklich Bestandteil der Mannschaft sind, die Umea und Brondby aus dem Turnier gekegelt haben. Aber letztendlich ist es egal, ich wünsche allen, die nächsten Freitag in die MSV-Arena pilgern, ein tolles Spiel !

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  • FFC Fan sagt:

    Auch aus Frankfurt ganz herzliche Glückwünsche nach Duisburg.

    Eine wunderbare Leistung, die hoffentlich wiederum viel Werbung für den Frauenfussball macht.

    Auch wenn die Gefahr nun nicht mehr so groß ist, so drücke ich dem FCR doch feste die Daumen, daß das Spiel in der MSV-Arena die tolle Saison hochverdient krönt!

    Alles Gute

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  • Max Diderot sagt:

    … und ich sollte Abbitte leisten für meine noch am Vormittag geäußerte Skepsis. 6:0 das ist ja ein Giga-Hammer-Resultat und übertrifft die Mega-Hammer-Zahlen der Wirtschaftsvergleichzahlen der letzten beiden Quartale noch um einiges.
    Wie kommt so ein Resultat zu Stande? Spielten die Russinnen in Weiß, riefen permanent Druschba (Freundschaft) und eskotierten die Damen aus Duisburg zum eigenen Tor? Wenn ich es richtig überblicke, verlor Perm bis dato keine Partie in der aktuellen UEFA-Cup-Saison, und nun fangen sie sich eine solche Klatsche ein. Zumindest scheint sich aus russischer Sicht aktuell nicht das Bonmot Marcello Mastroiannis bewahrheitet zu haben, „Eine Frau, die ihren Widerstand aufgibt, geht zum Angriff über.“.

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  • Markus Juchem sagt:

    Klar, Marcel, hab’s schon korrigiert. 😉

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  • Steffen sagt:

    Mit dieser Leistung ist es ein Wunder, dass die Russinnen im Finale spielen dürfen. Aber das liegt ja auch immer am Gegner. Und Duisburg ist in diesem Jahr wirklich die stärkste Mannschaft im Europapokal und wird verdient europäischer Meister. Nur schade, dass sie wahrscheinlich nicht deutscher Meister werden, denn sie sind auch die beste Mannschaft in Deutschland in diesem Jahr. Selbst wenn München zu Hause gegen Duisburg verliert, werden sie gegen Absteiger Crailsheim ihre Tordifferenz so weit aufpolieren, dass Potsdam da nicht mehr rankommen kann.

    @Marcel: ISL

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  • djane sagt:

    @Max Diderot, bei aller Liebe, aber wofür Abbitte ? DAMIT konnte ja nun wirklich niemand rechnen, und Mastroianni wird wohl in Perm auch noch nicht so bekannt sein… 🙂 Anstatt der schönen Künste wurde dort eher Physik und Chemie aus dem Grundstudium zelebriert, man denke nur an die pulverisierte Abwehr oder den Übergang eines Feststoffes (Mannschaft) in einen gasförmigen Zustand (Abwehrverhalten, das sich in Luft auflöste)…

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  • Max Diderot sagt:

    Marcel, Du hast vollkommen Recht mit Deinem Hinweis, das Margrét Lára Viðarsdóttir Isländerin ist. Vermutlich dachte Markus schon an die kommende EM und im Besonderen an den 30. August …

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  • Max Diderot sagt:

    djane, interessant dürfte ja auch der Hinweis sein, dass Perm lange als sogenannte verbotene Stadt galt, deren Zutritt Ausländern zu Sowjetzeiten nicht gestattet war. Außerdem, um an Deine naturwissenschaftlichen Ausführungen indirekt anzuschliessen, hatte sie über Jahre den Namen des ehemaligen sowjetisch-stalinistischen Außenministers Molotow. Und da gibt es doch ob des Namens auch ein gewisses Idiom mit Pyrotechnik und Beschleunigung.

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  • djane sagt:

    Max, so hatte ich auch das Spiel im Vorfeld eingeordnet: weniger Kunst und mehr Kraft, aber irgendwie ließ Perm beides vermissen…

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  • laasee sagt:

    Inka ist der nummer 1 fussballer in der welt. Dass das DFB Exil Inka fur 40 Monate ein Verbrechen gegen Fussball ist !

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  • Pinguin sagt:

    Ich schließe mich dem Glückwunsch an, es war auch hochverdient, weil Duisburg von Beginn an trotz der Bedeutung des Spiels an sehr konzentriert gespielt hat und Druck gemacht hat. Aber damit dass Perm dermaßen einbrechen würde, hat wohl keiner gerechnet, konnte man bis zur 62. min auch nicht …

    Einerseits find ichs zwar schön, dass der FCR den Uefa-Cup damit quasi schon im Sack hat, andererseits wäre eine gewisse Rest-Spannung fürs Finale und den Kartenverkauf auch nicht schlecht gewesen …

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  • Jarmusch sagt:

    Pinguin schrieb: „Einerseits find ichs zwar schön, dass der FCR den Uefa-Cup damit quasi schon im Sack hat, andererseits wäre eine gewisse Rest-Spannung fürs Finale und den Kartenverkauf auch nicht schlecht gewesen …“

    Unglaublich, aber wahr: Nun kann Duisburg im Rückspiel sogar Kräfteschonung betreiben und vielleicht der einen oder anderen Spielerin ein kleines Geschenk in Form eines unverhofften Einsatzes machen. Ich denke da in erster Linie an Corina Schröder, die ja nach Potsdam wechselt, Vanessa Martini (wechselt nach Essen) oder Charline Hartmann (die zuletzt aufsteigende Form zeigte). Ganz besonders freuen würde ich mich aber über einen (Kurz-)Einsatz von Yvonne Zielinski, die sich als Spielführerin der 2.Mannschaft, Woche für Woche den Allerwertesten aufreißt und dennoch keine Einsatzchance für die 1.Mannschaft erhält – warum auch immer.

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  • schmiddi sagt:

    Jarmusch, niedliche Idee! Aber schlußendlich doch etwas weltfremd!

    Aber schon mal daran gedacht, dass die Spielerinnen, die die ganze Saison die Strapazen der Dreifachbelastung geschultert haben jetzt auch in der Arena den verdienten Lohn einfahren wollen?

    Und die vllt. 20.000 Zuschauer wollen auch das „Erfolgsteam“ sehen und kein „B-Team“!

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  • Jarmusch sagt:

    @schmiddi

    Sie müssen ja nicht in der Startformation stehen oder 90 Minuten durchspielen. Aber so ne Viertelstunde könnte doch drin sein.
    Außerdem ist durch Linda Bresoniks Sperre schon mal ein Platz freigeworden.

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  • Spocky sagt:

    Auch von meiner Seite = HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH nach Duisburg zu diesem tollen Spiel …! Auch wenn der Gegner keinen guten Tag hatte = es gehören immer zwei Mannschaften dazu …!

    Ich freue mich riesig auf das Spiel in Duisburg und ich hoffe, dass es ein tolles Fest wird …! Aber ich glaube schon, dass Martina Voss ihre Mädels wieder super einstellt (trotzdem weiter Konzentration und auch Respekt vor dem Gegner…)!

    Die einzige, die wahrscheinlich nicht so happy an diesem Abend sein wird = das ist LINDA BRESONIK …! Sie tut mir doch ein bißchen leid, dass sie für das Rückspiel gesperrt ist …! Aber Kopf hoch Linda = Du hast eine super Saison gespielt und auch großen Anteil an den Erfolgen = Vielen Dank schon mal dafür …!

    Lg Spocky

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