Bayern München riecht schon am Meistertitel

Von am 11. Mai 2009 – 9.20 Uhr

Beide Ellenbogen auf die Knie gestützt und den Kopf nach unten geneigt saß Bayern Münchens Stürmerin Nina Aigner nach dem 3:0 (1:0)-Sieg beim Hamburger SV mutterseelenallein auf dem Asphalt vor den Kabinen des Wolfgang-Meyer-Stadions und genoss still ganz für sich den Augenblick.

So richtig schien sie noch gar nicht begreifen zu können, dass man mit dem gerade erzielten Erfolg die Champions-League-Teilnahme so gut wie gesichert hat und sich nun gar in der komfortablen Ausgangsposition befindet, gegen den FCR 2001 Duisburg und beim  TSV Crailsheim gleich zwei Chancen zu haben, den Meistertitel aus eigener Kraft zu holen.

Doch zuvor hatten sich die Bayern-Frauen den Sieg in der Hansestadt trotz des klaren Ergebnisses hart erarbeiten müssen. „Wir waren heute ganz schön nervös“, gab Aigner zu und in der Tat wirkte das Bayern-Spiel an diesem Tag weniger leichtfüßig und ein wenig blockiert im Vergleich zu den Partien zuvor. Bis in die Haarspitzen war jeder Spielerin anzumerken, wie viel heute auf dem Spiel stand. Und so war es kein Wunder, dass nach vollbrachter Arbeit Bianca Rech über das ganze Gesicht strahlte, obwohl sie im Freitagstraining einen Schuss der Österreicherin aus fünf Metern mit einem blauen linken Auge bezahlen musste.

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Titel zum Greifen nah
„Mit Bayern Meister zu werden hätte für mich eine größere Bedeutung als die drei Meistertitel mit dem 1. FFC Frankfurt“, so Rech. Träumen durfte man in dieser Saison lange davon, doch nun ist der Titel zwei Spieltage vor Schluss zum ersten Mal wirklich zum Greifen nah. Und sie ist optimistisch, dass man sich die Butter in den verbleibenden beiden Saisonspielen nicht mehr vom Brot nehmen lassen wird. „Selbst wenn wir gegen Duisburg verlieren würden, hätten wir in Crailsheim ein Endspiel, in dem wir alles noch selber in der Hand haben.“

Mit einem Sieg im Heimspiel gegen Duisburg am 26. Mai will man am liebsten schon vor eigenem Publikum die allerletzten Zweifel beseitigen und zum ersten Mal seit 33 Jahren wieder eine deutsche Meisterschaft an die Isar zu holen. Abhängig vom Ergebnis des Gastspiels der Potsdamerinnen in Frankfurt am kommenden Sonntag, könnte dann möglicherweise der Titel bereits hundertprozentig unter Dach und Fach gebracht werden.  16 Tage Pause stehen nun auf dem Programm, dabei können es die Bayern-Spielerinnen kaum erwarten, wieder gegen den Ball zu treten.  „Am liebsten würde ich gleich in ein paar Tagen wieder spielen“, so Aigner.

Bürki bricht den Bann
In Hamburg waren die Münchenerinnen zwar von Beginn an die von der Spielanlage reifere Mannschaft, doch es dauerte bis zur 21. Minute, ehe die in den vergangenen Wochen bärenstarke Schweizer Nationalspielerin Vanessa Bürki nach einem Querschläger von Heike Freese die Situation am Schnellsten erfasste und cool den Ball an HSV-Torhüterin Bianca Weech vorbei zur Führung ins Tor schob. Zuvor hatte das Team von Trainer Günther Wörle in der Anfangsphase eine Schrecksekunde zu überstehen, als Torhüterin Ulrike Schmetz ihr ganzes Können aufbieten musste, um einen Schuss von Tanja Vreden zu parieren (7.).

Trotz der Führung im Rücken wirkte der Tabellenführer auch weiter etwas verkrampft, ein Drehschuss von Julia Simic nach 33 Minuten war eine der wenigen Torchancen in Halbzeit eins, die Hamburgerinnen hielten gut dagegen, konnten aber die starke Viererkette der Bayern nur selten in Gefahr bringen. Auch in den zweiten 45 Minuten war für den Gast weiter Geduld gefragt, nach einem Freistoß von Aigner sorgte Bürki dann nach einer guten Stunde mit einem Abstauber für die Vorentscheidung – ihr bereits achter Treffer in den vergangenen vier Spielen. Nicole Banecki durfte nach Ablauf ihrer Sperre 15 Minuten Spielpraxis sammeln, die für die am linken Knöchel angeschlagenen Steffi Mirlach eingewechselte Mandy Islacker traf zum 3:0-Endstand.

HSV nutzt seine Chancen nicht
Die Gastgeberinnen ließen vor allem in der Schlussphase gleich mehrfach gute Chancen aus, das Ergebnis freundlicher zu gestalten. „Wir haben uns heute nicht so durchsetzen können wie in den letzten Spielen und aus unseren vier guten Chancen in den entscheidenden Situationen kein Tor gemacht. Bayern hat insgesamt verdient gewonnen“, so HSV-Trainer Achim Feifel.

Die zweifache Torschützin Bürki freute sich über ihre beiden Treffer und die starke Form der vergangenen Wochen. „Ich bin selber überrascht, dass es so gut klappt. Zumal ich auf der ungewohnten Rechtsaußenposition spiele, von der ich am Anfang gar nicht so begeistert war.“

Vorfreude auf Champions League
Das Geheimnis des Erfolgs? „Die Ausgeglichenheit unseres Kaders ist ein wesentliches Element, wir können jede Spielerin ohne Qualitätsverlust wechseln. Hinzu kommt unser Teamgeist, und Erfolge wie in Duisburg beflügeln uns und stärken den Glauben an uns selbst.“

Die 23-Jährige warnt aber davor, sich zu früh zu freuen. „Wir haben einen großen Schritt gemacht, aber es sind immer noch zwei Spiele, die es jedes für sich ernst zu nehmen gilt. Wenn wir in Crailsheim gewinnen, ist die Champions-League-Teilnahme schon sicher. Das habe ich in fünf Jahren in der Schweiz nicht geschafft. Aber auch in Crailsheim muss man erst gewinnen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.