FCR 2001 Duisburg: Mit Kaltschnäuzigkeit zum Erfolg

Von am 4. Mai 2009 – 9.49 Uhr 3 Kommentare

Die Szene in der 40. Minute hatte Symbolkraft: Günter Wegmann wandte seinen Blick genervt vom Geschehen auf dem Spielfeld ab und entlud seinen aufgestauten Frust mit einem kräftigen Fußtritt gegen eine Lautsprecher-Box. Die abgeklärte Selbstverständlichkeit, mit der die Duisburgerinnen eine Halbzeit lang die Frankfurterinnen in ihrem eigenen Stadion dominierten, ließ den sonst eher besonnenen Frankfurter Trainer  für einen Augenblick die Beherrschung verlieren.

„Es passt einfach alles, was soll man da noch sagen?“, rang Linda Bresonik nach dem 2:1-Sieg um die richtigen Worte und rechnete vor, dass man bei den vier Siegen gegen Frankfurt in dieser Saison zwölf Tore geschossen und nur zwei erhalten hat – als hätte es noch eines mathematischen Belegs der eigenen Überlegenheit bedurft.

In der Vergangenheit hatte man die Reise ans Brentanobad oft mit großen Träumen und weichen Knien angetreten, um dann die Punkte artig den Gastgeberinnen zu überlassen, doch diesmal ließen Körpersprache und Präsenz von Beginn an keine Zweifel an der Zielsetzung aufkommen. Und das druckvolle Spiel zwang die Gastgeberinnen schnell zu Fehlern.

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Traumtor von Laudehr
Mitte der ersten Halbzeit misslang Petra Wimbersky ein unnötiger Rückpass auf Nadine Angerer, die beim Klärungsversuch den Ball Inka Grings maßgerecht zum 23. Saisontreffer servierte. Und keine 180 Sekunden später patzte Angerer erneut, Simone Laudehr bedankte sich mit einem sehenswerten, gefühlvollen Heber fast von der Außenlinie. Und hätte die Nationaltorhüterin bei einem Kopfball von Grings und einem Schuss von Laudehr nicht glänzend reagiert, hätte es noch vor der Pause 0:4 stehen können.

Frankfurt biss sich gegen wie schon im UEFA-Pokal-Spiel in Frankfurt in der zweiten Halbzeit nachlassende Duisburgerinnen mit Kampfgeist in die Partie zurück und wurde mit dem Anschlusstreffer durch Sarah Günther belohnt, dennoch nicht viel mehr als Ergebniskosmetik, auch wenn Karolin Thomas bei einem Distanzschuss noch einmal die Latte streifte.

Gewachsenes Selbstvertrauen
Das gewonnene UEFA-Pokal-Duell gegen Olympique Lyon im Halbfinale hat Duisburg noch einmal einen Schub gegeben. „Wir gewinnen nicht wegen unserer vielen Nationalspielerinnen, sondern weil wir unheimlich viel Selbstvertrauen haben“, so Bresonik. Sinnbildlich für das gute Zusammenspiel der Mannschaft steht die Leistung der erst 18-Jährigen Alexandra Popp. „Sie hat eine Entwicklung genommen, die man ihr so nicht zugetraut hat“, so Trainerin Martina Voss.

Und auch die belgische Nationalspielerin Femke Maes entwickelt sich immer mehr zu einem Volltreffer für das Duisburger Spiel, das sich in diesen Tagen auf einen breiten Kader stützen kann. „Wir haben im Moment 26 gesunde Spielerinnen. So können wir auch die Belastungen verteilen“, so Voss.

Bresonik: „Haben noch nichts erreicht“
Da konnte sich Voss auch den Luxus leisten, Bresonik in Frankfurt variabel auf drei verschiedenen Positionen einzusetzen, um auch anderen Spielerinnen Spielpraxis zu geben: von der rechten Abwehrseite über das defensive Mittelfeld hinüber auf die linke Abwehrseite. Doch bei den kommenden wichtigen Spielen soll sie wieder auf die rechte Außenverteidiger-Position wechseln. Eine Variante, die sich seit dem Spiel in Lyon bewährt hat, wo sie gegen das französische Offensiv-Trio die Viererkette verstärkte.

Doch bei aller Freude darüber, wie gut die Mannschaft die hohe Belastung derzeit wegsteckt, mahnt Bresonik: „Wir haben bis jetzt eine traumhafte Saison gespielt, aber noch nichts erreicht. Das ist, wie wenn man bis zum Strafraum gut spielt und keine Tore schießt. Wir müssen aber jetzt die Tore schießen.“

Bayern-Spiel erst am 3. Juni?
Und weiter ohne Wenn und Aber an die nächsten Aufgaben herangehen. „Wir wollen die restlichen sechs Spiele alle gewinnen“, sagt Voss und wischt damit auch Bedenken zur Seite, man könnte nach einem möglichen UEFA-Pokal-Sieg das Bundesligaspiel bei Bayern München ein bisschen geruhsamer angehen im Hinblick auf das bevorstehende DFB-Pokal-Endspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam. Doch ob der große Bundesliga-Showdown allerdings wirklich am 26. Mai in München steigt, steht noch nicht fest. „Es gibt eventuell noch die Option 3. Juni“, verriet Voss.

Potsdam stärker als Perm?
Doch am kommenden Sonntag gilt es nun erst einmal, gegen den VfL Wolfsburg nachzulegen, drei Tage später geht es dann schon nach Limburg, wo die Mannschaft vor dem Flug von Frankfurt nach Kazan am Donnerstagabend noch eine Nacht verbringt. Am Freitagmorgen kommt die Mannschaft in Russland an und hat dann einen Tag Zeit zur Regeneration, bevor am Samstag um 19.45 Uhr Ortszeit (17.45 Uhr MESZ, live auf Eurosport) das erste Finale ansteht. Auf der Fahrt nach Frankfurt wurde der Gegner Zvezda-2005 aus Perm schon einmal per Videostudium in Augenschein genommen. „Was ich gesehen habe, würde ich Potsdam stärker einschätzen“, so der erste Eindruck von Bresonik.

Unterdessen gehen hinter den Kulissen die Vorbereitungen auf das Finalrückspiel am 22. Mai weiter. Etwa 7 000 Tickets sind bisher verkauft. „Wir sind auf einem guten Weg. Ich gehe davon aus, dass wir die 15 000 erreichen werden“, so Duisburgs Vorstandsvorsitzender Guido Lutz. Mit breit angelegten Marketing-Aktionen, wie Werbung im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, im lokalen Anzeigenblatt Stadt-Panorama und einer Kooperation mit der Bild-Zeitung,  soll in den nächsten Wochen die derzeitige Aufbruchstimmung genutzt werden, um den Ticketverkauf weiter anzukurbeln.

Letzte Vertragsverhandlungen
Bis zum ersten UEFA-Pokal-Finale wollen die Verantwortlichen auch Klarheit über den Kader der Saison 2009/10 haben. „Wir werden die Sache jetzt abschließen und dann in einem Block bekanntgeben, mit welchen Spielerinnen die Verträge verlängert wurden und mit welchen nicht“, so Lutz. Denn bisher wurden außer mit Grings und Annemieke Kiesel noch keine weiteren Verträge unterzeichnet.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Crackfly sagt:

    Mit Annemieke Kiesel wurde bereits verlängert. Das Arbeitstier bleibt also bei uns! GsD.

    Mit welchen verlängert und mit welchen nicht? Heißt also mit bestimmten Spielerinnen wurde schon nicht verlängert, oder? Fuss und Krahn sollte man unbedingt halten! Ich bin aber gespannt. Krahn wird bestimmt mal wieder von Frankfurt umworben. Wobei sich mir die Frage stellt: was will sie da? Immerhin spielen die nicht mal international?! Und den Frankfurt-Natio-Bonus gibts auch nicht mehr. Also: man darf gespannt sein!

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, crackfly, füge Kiesel gleich noch in den Text ein. Also wenn ich Worte von Herrn Lutz richtig gedeutet habe, klang das einfach so, wie wenn weitere Abgänge nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden können, deswegen wohl diese Formulierung.

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  • suplo sagt:

    @Crackfly

    Vielleicht ist Frankfurt einfach nur besser in der Lage, den Spielerinnen auch ein Gehalt zu zahlen und daher für viele Spielerinnen interessant.
    Gerüchten zufolge wird auch einer begnadeteten Spielerin der 1. Frauenfußball-Bundesliga die Mietzahlung nur selten erlassen. Und ob Rewe die Frauennationalmannschaft in Form von Lebensmittelgutscheinen sponsort war meines Wissens auch noch nicht Bestandteil von Markus seinen Berichten.

    😉

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