Frankfurt gegen Duisburg – leiser Kampf um die Königsklasse

Von am 30. April 2009 – 18.15 Uhr 4 Kommentare

Eigentlich sollte man meinen, der spannendste Titelkampf in der Geschichte der Frauenfußball-Bundesliga müsste im Vorfeld seiner Entscheidung für reichlich Diskussionsstoff sorgen. Doch in den Medien und den Frauenfußball-Foren herrscht derzeit eher gähnende Langeweile. Dabei treffen am Sonntag, 3. Mai, 11.00 Uhr, am Frankfurter Brentanobad zwei der Titelkandidaten, der 1. FFC Frankfurt und der FCR 2001 Duisburg, sogar im direkten Duell aufeinander.

Mit einem Sieg könnten die beiden derzeit nur auf Platz vier und drei liegenden Teams weiter von der Teilnahme an der im kommenden Saison erstmals ausgetragenen Champions League träumen, bei Patzern der Konkurrenz aus München und Potsdam vielleicht sogar noch einmal um den Titel mitspielen.

Für den 1. FFC Frankfurt ist es die letzte Chance, eine verkorkste Saison doch noch zu einem versöhnlichen Ende zu bringen, die Duisburgerinnen haben hingegen in den beiden UEFA-Pokal-Endspielen am 16. und 22. Mai gegen Zvezda-2005 eine zusätzliche Gelegenheit, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren, denn der Titelverteidiger erhält einen automatischen Champions-League-Startplatz. Doch wie mir scheint, hat man in Frankfurt spätestens nach dem vorzeitigen Saison-Aus von Birgit Prinz trotz aller Kampf- und Durchhalteparolen selbst ein wenig den Glauben verloren, in dieser Saison noch einmal den letzten Strohhalm ergreifen zu können.

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Frankfurt will Blick nach vorne richten
„Unsere sportlichen und wirtschaftlichen Planungen sind nicht von Tageserfolgen oder auch deutlichen Saison-Niederlagen abhängig“, baut  FFC-Manager Siegfried Dietrich vielsagend vor, dass man möglicherweise alle gesteckten Saisonziele verfehlt. Es gelte, das durchlebte Tal mit strategischer Souveränität abzuhaken, daraus zu lernen und mit positiver Energie nach vorne zu schauen. Wenngleich man natürlich „mit vereinten Kräften weiterhin die Qualifikation für die Champions League im Visier behalten“ will. Das klingt mehr nach Zweckoptimismus als nach Überzeugung.

„Wenn alle bereits unter Vertrag stehenden Spielerinnen gesund und dann noch die gezielten Neuverpflichtungen an Bord sind, haben wir beste Chancen, in der kommenden Saison mit voller Kraft auf die Erfolgsspur zurück zu rudern“, ist sich Dietrich sicher. Die Planungen sind in vollem Gang. Neben der bereits vollzogenen Verpflichtung von Nachwuchstalent Dzsenifer Marozsan von Zweitligist 1. FC Saarbrücken sollen weitere Hochkaräter folgen, Mittelfeld und Abwehr weiter gezielt verstärkt werden. Dabei spielen auch junge Talente in den Planungen eine „immer wichtigere Rolle“.

Kim Kulig vor Wechsel nach Frankfurt?
Und das neueste Objekt der Begierde heißt Kim Kulig. Der Shootingstar vom Hamburger SV, der zuletzt in der Nationalmannschaft beim Algarve Cup für Furore sorgte, soll aus seinem bis 2011 laufenden Vertrag in der Hansestadt vorzeitig ausgelöst werden. Dabei hatte Kulig vor wenigen Wochen rund um den Länderpokal in Duisburg noch erklärt, sie fühle sich wohl im hohen Norden und habe sich gut akklimatisiert. Doch die finanziellen und sportlichen Verlockungen eines Wechsels an den Main scheinen für einen raschen Meinungsumschwung gesorgt zu haben. Dagegen fehlt bisher ein klares Bekenntnis, ob man auch mit Trainer Günter Wegmann, dessen Einjahresvertrag ausläuft,  in die Saison 2009/10 gehen will. Ein Wechsel der sportlichen Führung scheint nicht gänzlich ausgeschlossen.

Auch in Duisburg spielt sich das Geschehen derzeit eher hinter den Kulissen ab. Die Planungen für das UEFA-Pokal-Finale in der MSV-Arena laufen auf Hochtouren, auch in Sachen Personalplanung hat man alle Hände voll zu tun. Neben den Abgängen von Fatmire Bajramaj, Corina Schröder (beide 1. FFC Turbine Potsdam) und Vanessa Martini (SG Essen-Schönebeck) werden derzeit weitere Duisburger Spielerinnen heiß umworben. So soll etwa der 1. FC Köln, der ab dem 1. Juli die Lizenz von Zweitliga-Aufsteiger FFC Brauweiler-Pulheim 2000 übernimmt, gleich drei Duisburger Spielerinnen attraktive Angebote unterbreitet haben. Sowohl Charline Hartmann, Sonja Fuss und Kathrin Längert sollen neben weiteren Topspielerinnen von anderen Bundesligavereinen auf der Kölner Wunschliste stehen.

Hoffnung auf Grings-Einsatz
Doch zurück zum Spiel am Sonntag. Frankfurts Trainer Wegmann erklärt: „Die Länderspielpause war einerseits gut zum Regenerieren, andererseits ist die Verletzung von Birgit Prinz der nächste Nackenschlag, den unsere Mannschaft verkraften muss. Doch wir werden jetzt noch enger zusammenrücken, um den Ausfall zu kompensieren.“

Auf Duisburger Seite hofft man, dass Topstürmerin Inka Grings nach ihrer Wadenverletzung bereits wieder ins Geschehen eingreifen kann. Die Entscheidung über einen Kurzeinsatz wird allerdings erst im Abschlusstraining am Samstag fallen. Doch ungeachtet dessen glaubt Duisburgs Trainerin Martina Voss, dass ihre Elf in Frankfurt bestehen wird. „Meine Mannschaft hat in dieser Saison eine Art Crashkurs durchgemacht, um auch mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Als es darauf ankam, haben wir unseren besten Fußball gespielt.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Marcel sagt:

    Sonja Fuss in der 2.Liga kann ich mir überhaupt nicht vorstellen aber anscheinend hat man wohl „gute Argumente“ in Köln.

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  • sisyphos sagt:

    @Marcel: Ich kann und will mir Sonni dort auch nicht vorstellen. Die Argumente liegen aber auf der Hand und haben wohl eher nachrangig mit Geld zu tun. Zum einen ist der FFC Brauweiler ihr Heimatverein; schau auch mal, wer dort im Vorstand ist, und sie ist eh FC-Fan – was ich nicht nachvollziehen kann 🙁 . Die ständige Gurkerei von dort nach DU … und sie hat so ziemlich alles erreicht … verstehen würde ich es – leider.

    Aber NOCH ist Brauweiler kein Zweitligist – Zweitligaaufsteiger würde ich wohl grad gelten lassen …

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  • Marcel sagt:

    Das sie aus Köln kommt wusste ich nicht, also wenn sie so an den Verein hängt kann ich das nachvollziehen nur von der sportlichen Seite gehört sie einfach nicht in die 2.Liga.

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  • SCW sagt:

    Kim Kulig zum FFC? Das wäre ja ein Hammer! Aber an sowas glaub ich erst, wenns in trockenen Tüchern ist!

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