Home » International

Deutschlands EM-Gegner mit Hochs und Tiefs

Von am 28. April 2009 – 10.54 Uhr 1 Kommentar

Bevor die Frauenfußball-Bundesliga am kommenden Wochenende unter anderem mit dem Topspiel Frankfurt gegen Duisburg auf die Zielgerade biegt, können wir uns noch einmal eine kurze Verschnaufpause gönnen und einen Blick werfen auf die aktuelle Verfassung der deutschen Gruppengegner vor der am 23. August beginnenden Europameisterschaft in Finnland.

Anzeige

Frankreich kam in der vergangenen Woche zu zwei knappen, aber dennoch recht überzeugenden Siegen gegen die Schweiz, Island zeigte beim Remis gegen die Niederlande gute Ansätze und Norwegen setzte seinen Abwärtstrend fort und kassierte im sechsten Länderspiel 2009 bereits die fünfte Niederlage.

In Dijon und Colmar kam die französische Nationalmannschaft von Trainer Bruno Bini zu zwei Erfolgen gegen die Schweiz (2:0 und 1:0). Auf der Papierform keine überragenden Ergebnisse, vor allem der zweite Erfolg kam glücklich zustande, denn Sonia Bompastor, in der neuen US-Profiliga WPS für Washington Freedom im Einsatz, verwandelte erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit nach einem Foul an Candie Herbert einen Foulelfmeter gegen Turbine-Potsdam-Torhüterin Gaëlle Thalmann.

Mangelnde Chancenverwertung
Der Sieg war dennoch aufgrund der größeren Spielanteile verdient, zumal die Französinnen in der ersten Halbzeit zweimal die Latte trafen. Frankreich ist nun seit sieben Spielen im Jahr 2009 ungeschlagen, seit Sommer 2007 lautet die Bilanz gar in 18 Spielen 15 Siege, zwei Remis und nur eine Niederlage. Drei Tage zuvor hatten Camille Abily und Élodie Thomis mit ihren Treffern für einen 2:0-Sieg gegen die Eidgenössinnen gesorgt. Abily, die ebenfalls in der WPS zusammen mit Weltfußballerin Marta für Los Angeles Sol spielt, brachte ihre Team sieben Minuten vor der Pause in Führung, Olympique Lyons Thomis umkurvte in der 65. Minute SC-Freiburg-Torhüterin Marisa Brunner und stellte den Endstand her. Nur mal zum Vergleich: Deutschland gewann sein letztes Länderspiel gegen die Schweiz im Oktober 2008 mit 3:0.

Bini war nach den beiden Spielen vor allem zufrieden mit der Tatsache, dass man keinen Gegentreffer zuließ und die eingesetzten jungen Spielerinnen wie Eugénie Le Sommer, Amandine Henry und Mélissa Plaza einen positiven Eindruck hinterließen. Bis zum Turnier in Finnland will Bini mit seinem Team noch „vor allem am Spiel vor dem Tor und dem Torabschluss“ arbeiten. Zeit dafür gibt es bei drei Vorbereitungslehrgängen mit zwei abschließenden Testspielen Anfang August gegen Japan und Schottland. 18 Spielerinnen des 22-er Kaders stehen laut Bini bereits fest, um die vier letzten Plätze zu vergeben, begibt sich Bini zum wiederholten Male auf Reisen. Bis zum Saisonende wird er insgesamt 45 Liga- und Pokalspiele besucht haben. „Das verschafft mir einen guten Eindruck, welche Spielerinnen in Frage kommen.“ Vorbildlich.

Island trotz Remis zufrieden
Islands Trainer Siggi Eyjólfson war trotz des 1:1-Unentschiedens gegen die Niederlande in Kopavogur nicht unzufrieden und zog viel Positives aus der Leistung seiner Spielerinnen. Denn die Isländerinnen bestimmten von Beginn an das Spielgeschehen, Ólína Vidarsdóttir erzielte bereits in der 18. Minute per Kopf nach Ecke von Edda Gardarsdóttir die Führung. Sechs Minuten nach der Pause scheiterte Sara Björk Gunnarsdóttir mit ihrem Schussversuch nur knapp gegen allerdings nun entschlossener zu Werke gehende Gäste. Das wurde bestraft, Sylvia Smit bezwang nach Vorlage von Kirsten van de Ven Islands Torhüterin Thóra Helgadóttir.

„Ich habe eine Menge positiver Dinge gesehen, das Unentschieden war aber am Ende leistungsgerecht“, so Eyjólfson. „Es war ein gutes Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit haben wir eine gute Leistung gezeigt, aber nicht mehr aus unseren Chancen gemacht.“ Bis zur EM in Finnland wird das isländische Team noch Länderspiele gegen Dänemark und England bestreiten. Niederlandes Trainerin Vera Pauw freute sich über „ein gutes Ergebnis“ ihres Teams, das vom 11. bis 15. Juli in Amsterdam ein Vier-Nationen-Turnier gegen China, Südafrika und die Schweiz bestreiten wird.

Norwegen kommt in England unter die Räder
Vor fast 5 000 Zuschauern in Shrewsbury kam England auch ohne seine verletzte Kapitänin Faye White zu einem überzeugenden 3:0-Sieg gegen Norwegen und mausert sich immer mehr zu einem Geheimfavoriten für die Europameisterschaft in Finnland. Zwei Treffer von Fara Williams, das erste ein Abstauber, das zweite ein Distanzschuss (18. und 81.), und das erste Länderspieltor von Lindsay Johnson (39.) sorgten nach dem Gewinn des Zypern-Pokals im Februar für eine Fortsetzung des englischen Höhenflugs. Für Norwegen war es hingegen im sechsten Länderspiel 2009 die fünfte Niederlage.

„Drei Tore gegen ein so hoch eingestuftes Team zu erzielen, ist gut für unser Selbstvertrauen. Es war ein sehr athletisches Spiel, am Ende waren wir etwas müde“, so Englands zufriedene Trainerin Hope Powell. „Norwegen hat uns in der Vergangenheit immer Probleme bereitet. So gegen sie zu gewinnen, zeigt, welch große Fortschritte wir gemacht haben. Wir müssen jetzt unseren Lauf fortsetzen und Richtung EM weiter an uns glauben.“

Schlüsselspielerinnen schmerzlich vermisst
Norwegens Trainer Bjarne Berntsen meinte: „Wir müssen uns verbessern, wenn wir bei der EM etwas erreichen wollen. England gehört sicherlich zu den Favoriten, aber heute waren wir klar unterlegen. Wir waren ungenau und haben zu viele Bälle verloren. Aber immerhin sind wir sehr entschlossen zu Werke gegangen.“

Auf das norwegische Team, das den Nationalmannschaftsboykott von fünf wichtigen Spielerinnen bisher nicht kompensieren konnte, wartet noch viel Arbeit, das Spiel in England war bereits das vorletzte offizielle Länderspiel vor der EM, am 19. August steht noch ein Testspiel in Schweden auf dem Programm.

Tags: , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • laasee sagt:

    Sweden are in good shape and at this moment deserve to be rated favourite.

    Norway are in a mess. Against England they were second rate. They worked hard and showed determination but not much else. They will struggle in Finland.

    England are well behind Germany in all aspects – except for the coach. Hope Powell has achieved a good momentum with an average team. They have confidence and could do really well at EM. Powell herself is a very impressive coach. The big problem might be the WPS players being tired because of playing during the summer.

    (0)