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Bayern Münchens neue Leichtigkeit des Seins

Von am 26. April 2009 – 17.25 Uhr

Zugegeben: Ich war nur mäßig überrascht, dass der FC Bayern München der Schießbude der Frauenfußball-Bundesliga heute Mittag acht Tore eingeschenkt und die Tabellenführung zurückerobert hat. Die in allen Belangen drückend überlegenen Münchenerinnen waren immerhin so gastfreundlich und gnädig, es in der Schlussviertelstunde nicht zweistellig zu machen und der ab nächste Saison in München spielenden Isabell Bachor in Form des Ehrentreffers ein vorgezogenes Willkommensgeschenk mit auf die Heimreise nach Bad Neuenahr zu geben.

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Tabelle Frauenfußball-Bundesliga

Doch was mich schon sehr beeindruckt hat, war die Leidenschaft, Spielfreude und der Spaß, mit denen der überforderte und bemitleidenswerte Gegner nach allen Regeln der Kunst mit gepflegtem Kurzpassspiel ausmanövriert wurde.

Die 420 Zuschauer im Sportpark Aschheim – für Bayern-Verhältnisse und gemessen am Gegner eine ordentliche Kulisse – waren neben der geschlossenen Mannschaftsleistung vor allem von zwei Spielerinnen beeindruckt.

Bürki überragend
Von der wieder genesenen Julia Simic, die vor Spielfreude nur so sprühte, beim 5:0 kurz nach der Pause per Außenrist und mithilfe der Unterkante der Latte den schönsten Treffer des Tages erzielte und Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld war. Und allen voran von der Schweizer Nationalspielerin Vanessa Bürki, die zwei Treffer selbst erzielte und mit präzisen Flanken, Eckbällen und schnellen, zentimetergenauen Pässen fünf! weitere Tore vorbereitete.

Dabei hatte Bürki zuletzt nach ihrem 90-minütigen Länderspieleinsatz gegen Frankreich in Dijon (0:2) am vergangenen Mittwoch wegen Knieproblemen gar nicht mit der Mannschaft trainieren können. Doch seit dem Spiel in Duisburg, wo sie bereits ein Tor vorbereitete, kommt sie immer besser in Schwung. Und auch Simic konnte es trotz Kniebeschwerden kaum erwarten, wieder ins Geschehen einzugreifen. Trainer Günther Wörle musste sie zuletzt gar ein wenig bremsen und versprach frühzeitig einen Spieleinsatz gegen Bad Neuenahr ob des übersteigerten Tatendrangs.

Toller Kombinationsfußball
 „Wir haben jetzt wieder die Leichtigkeit, die uns in der Vorrunde ausgezeichnet hat. Die Tore waren wunderbar herausgespielt, es gab keine Zufallstreffer, man hätte heute fast einen Lehrfilm drehen können. Das hat richtig Spaß gemacht, auch gegen so einen Gegner muss man erst mal acht Tore erzielen“, freute sich Wörle über seine Schützlinge, der sich sogar den Luxus leisten konnte, eine Stunde lang Melanie Behringer zu schonen, die eine Entzündung am Fuß plagt.

In der kommenden Woche steht das Heimspiel gegen Aufsteiger Herforder SV auf dem Programm und der auf der Tribüne beobachtenden Herforder Assistenztrainerin Tanja Schulte dürfte es vor dem Gastspiel am kommenden Sonntag ob der Bayern-Gala ein wenig mulmig geworden sein.

Gegen Herford ohne de Pol
Dann werden die Bayern allerdings ohne Innenverteidigerin Sandra de Pol auskommen müssen, die ihre fünfte Gelbe Karte erhielt. Für sie wird wohl Carmen Roth in die Viererkette rutschen. Auch gegen Herford will man das Torverhältnis weiter aufpolieren, denn das könnte am Ende gut und gerne über den Meistertitel entscheiden.

„Man muss davon ausgehen, dass Potsdam seine restlichen vier Spiele gewinnt. Wenn wir eines verlieren, wir die Meisterschaft über das Torverhältnis entschieden. „Es sollte so sein, dass wir noch etwas in petto haben“, so Wörle.

Und auch Frauenfußball-Koordinatorin Karin Danner meint: „Es gilt jetzt, gegen die Schwächeren noch einmal nachzulegen, da müssen wir noch etwas für das Torverhältnis tun.“ Denn eines ist klar: „Die Champions-League-Teilnahme ist greifbar nah und wir wollen jetzt auch Deutscher Meister werden.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.