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Wird Weltfußballerin Marta wieder gnadenlos ausgepfiffen?

Von am 20. April 2009 – 10.34 Uhr 14 Kommentare

Mehr als 40 000 Zuschauer, so viel wie nie zuvor in Europa, werden am Mittwoch, 22. April, 18.15 Uhr (live im ZDF und Womensoccer-Liveblogging), in die Frankfurter Commerzbank-Arena pilgern, um das zum „Duell der Besten“ deklarierte Testspiel zwischen Deutschland und Brasilien zu verfolgen. Für Weltfußballerin Marta könnte die Rückkehr in die Main-Metropole aber zum erneuten Spießrutenlauf werden. 

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„Ich freue mich sehr auf das Spiel gegen Deutschland und die tolle Kulisse. Uns wird ganz sicher eine fantastische Stimmung im Stadion erwarten. Ich habe vor einem Jahr mit Umeå das UEFA-Cup-Endspiel in der Frankfurter Arena bestritten und war schon damals von der Stimmung stark beeindruckt“, sagt Marta artig.

Pfeifkonzert
Denn besonders positiv können die Erinnerungen nicht sein, denn abgesehen von der  Niederlage wird sie kaum vergessen haben, wie sie damals von den knapp 30 000 Zuschauern im Stadion während des Spiels und sogar der anschließenden Siegerehrung gnadenlos ausgepfiffen wurde.

Das Verhalten der Fans hatte gar im Nachklang für einen handfesten Streit zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Umeå IK gesorgt. Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks giftete damals: „Das Provozieren, das Fallenlassen und das Theatralische, das alles hat sie nicht nötig und bringt auch den Frauenfußball nicht weiter. Es rechtfertigt vielleicht nicht die Pfiffe, aber man muss dann damit rechnen.“ Umeås Manager Roland Arnquist (“Es gibt nur eine Sache, die schlimmer ist, als ein schlechter Verlierer, nämlich ein schlechter Gewinner“)  drohte gar mit dem Verlassen der Pressekonferenz.

Vorfreude auf Frauenfußball-WM 2011 wecken
Das Spiel in Frankfurt soll ein erster Testlauf für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land sein, im Oktober soll in der Münchener Allianz Arena ein zweiter gegen die USA folgen. „Das wird ein richtiges Highlight. Für uns als Organisationskomitee ist das aber auch ein Test“, so OK-Präsidentin Steffi Jones. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach freut sich: „Wir sind dabei, die Vorfreude auf 2011 zu wecken und zu schüren und haben jetzt den Beweis, dass so große Kulissen auch im Frauenfußball möglich sind.“

„Ich wünsche mir, dass dieses Spiel ein WM-Appetizer wird, denn ich möchte auch 2011 beim WM-Endspiel in Frankfurt dabei sein“, so Marta. Bleibt zu hoffen, dass die Fans ihr am Mittwoch beim Kurztrip über den Atlantik einen Vorgeschmack auf das „Wiedersehen bei Freunden“ bereiten und auf Pfiffe verzichten werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

14 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Ich hoffe sehr, dass Frankfurt zeigt, dass man auch 2011 „Die Welt zu Gast bei Freunden“ sein lassen will.

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  • Lucy sagt:

    Ich hoffe auch, dass Marta eine neue Chance erhält und fair begrüßt wird.

    Neues Spiel – neue Situation 🙂

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  • Carina sagt:

    Ich bin auf jeden Fall dabei. und wenn ich Zeit hab, dann auch im Oktober.

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  • kolibri sagt:

    „My Game is fair Play“, bitte nicht wieder gnadenlos auspfeifen.
    Habe mich damals tierisch aufgeregt, denn sowas habe ich beim FF noch nie erlebt. Ebenfalls im Hinblick auf die WM, wollen wir uns doch von unserer positiven Seite zeigen.

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  • Steffen sagt:

    Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

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  • Ralf sagt:

    Wenn ich mich noch recht entsinne, wurde Marta beim UEFA-Cup-Finale erst nach wiederholtem überharten Einsteigen und Diskutieren mit der Unparteiischen vom Publikum ausgepfiffen.

    Und wenn sie dann bei der Siegerehrung mit Brasilienflagge behängt die Treppen hochsteigt, sollte sie sich über entsprechende Reaktionen nicht wundern.

    Sie ist zweifelsohne die aktuell beste Fußballerin; NUR sie sollte ihre Mätzchen bleiben lassen!!!
    Dann zollt JEDER den ihr gebührenden Respekt!!!

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  • Max Diderot sagt:

    Versteh ich nicht! Weshalb wird denn nun ein Szenario entworfen, das die Zuschauer schon vorab mit quasi diplomatischen Etiketten versieht, damit den Damen aus Brasilien kein luftiger Windzug aus circa 30.000 Kehlen entgegen schlägt. Ein Stadion ist doch nunmal eher ein Ort der Emotionen als des kuschelwarmen Verständnis‘. Eine gewisse Rivalität gehört einfach dazu – auch und gerade für die eigene Anhängerschaft. Und die Weichspüler-Attitüde wird doch schon von den Herrn Nationalspielern übernommen, spätestens dann, wenn einige von ihnen sich als Akteure für einen debil-seichten Nutella-Sport verdingen.

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  • Ralf sagt:

    @Max
    Klar ist ein Stadion ein Ort der Emotionen.
    Hoffentlich habe ich Markus‘ Ansinnen richtig interpretiert:
    Es gibt positive und negative Emotionen auf das Spielgeschehen – und ob Marta negative Emotionen entgegenschlagen, das liegt ja ganz bei ihr!

    Bleibt Marta fair, bleiben auch die Zuschauer fair.
    Das ist diplomatische Etikette!

    Die Brasilianerinnen sind als Diplomaten für IHR Land bei uns, und die mehrheitlich deutschen Fans im Stadion sind Diplomaten für UNSER Land.
    Bedenke bitte, welche Bilder am Mittwoch um die ganze Welt gehen werden. Diese Spiel wird auf allen Kontinenten registriert werden.

    Deutschland genießt seit der WM 2006 ein hervorragendes Image in Sachen Gastfreundschaft und Herzlichkeit – das sollte, das wünsche ich mir persönlich, auch so bleiben!

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  • Sloan sagt:

    Es steht zu befürchten, dass für Marta wieder Kleinigkeiten genügen werden, um erneut den Zorn des Publikums auf sich zu ziehen. Das Ganze wirkt auf mich leider äußerst peinlich. Auf der einen Seite hört man immer den Wunsch nach einer Professionalisierung des Frauenfußballs, nur um dann bei einem größeren Ereignis einen solchen Kindergeburtstag zu veranstalten. Im UEFA-Pokal-Finale war Martas Protest bei einer Linienrichterin der Auslöser des Pfeifkonzerts – ein „Fehlverhalten“, dass bei einem Herren-Spiel kaum der Rede wert wäre.

    Martas öffentliche Wahrnehmung in Deutschland ist mir ohnehin etwas unverständlich, besonders wenn man es mit den Reaktionen in Schweden und den USA vergleicht. Denkt man an das WM Halbfinale 2007, dann hätten besonders die Amerikaner Grund sauer auf sie zu sein, immerhin hat sie die USA in der zweiten Halbzeit damals regelrecht vorgeführt. Dennoch wird sie dort als der Star der neunen Profiliga gefeiert. In Deutschland konzentriert man sich aber scheinbar lieber darauf, die eigenen kleinkarierte Borniertheit zur Schau zu tragen.

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  • suplo sagt:

    Jeder im Stadion kann grundsätzlich seine Meinung vertreten. Auch gegenüber den Pfeifenden neben sich.
    Ich meine jedenfalls, dass man seine Gäste freundlich behandelt, selbst wenn es schwer fällt weil diese die erwiesene Gastfreundschaft nicht zu schätzen wissen. Sehen wir Martas gelegentlichen Ausrutscher als eine solche Geste und lassen wir den FF die angenehmere Art des Stadionbesuchs bleiben.

    @Sloan
    Wir sind nicht sauer auf Marta gewesen weil wir gegen sie verloren haben oder weil sie den schöneren Fußball spielen kann, sondern weil sie sich manchmal sehr unfair und selbstherrlich dabei benimmt.

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  • CArina sagt:

    @suplo
    ja, so sehe ich das auch. Für eine Weltfußballerin verhält sie sich einfach total bescheuert. Sie lässt sich auch provokativ fallen, fordert dann ne Karte.
    Klar, kicken kann sie fast wie keine andere.

    Ich war beim UEFA-Cup Spiel auch dort, und es war auch wirklich nervend. Man kann ja mal kurz auspfeifen (aus welchen Gründen auch immer), aber das ganze Spiel durch ist echt bescheuert..

    Naja, ich hoffe einfach heut wird es richtig geil zum Zuschauen. Ich bin dort und hoffe auf ein Festival.

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  • suplo sagt:

    …und sie hat es wieder getan.

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  • Steffen sagt:

    Man sollte endlich mal einen Schlußstrich ziehen und das nicht mehr kommentieren, zumindest hängt mir das Ganze um Marta zum Halse raus. Und wenn schon, soll sie halt machen. Komisch, bei einer schlechten Leistung ist das mir irgendwie total egal geworden.

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  • Brandy sagt:

    …Wie steht es doch weiter oben “ Wie man in den Wald ruft…“Am Anfang des Spieles waren die meisten Zuschauer Marta ja wirklich freundlich gesonnen,nachdem sie aber wieder mit Lamentieren und Flugeinlagen anfing und auch ansonsten ungehalten wurde,weil sie von der Abwehr gut aus dem Spiel genommen wurde,muß man halt mit Pfiffen rechnen. Das Fass zum Überlaufen,zumindest auf der Gegentribüne hat vor einem Einwurf oder Freistoß,da guckte sie sie bitterböse ins Publikum und machte noch ein paar nette Handbewegungen. Tut mir leid,wenn sie das in Schweden oder den USA machen kann….

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