Home » Bundesliga Frauen

Wegweisende Partien für Bayern und Frankfurt

Von am 17. April 2009 – 15.58 Uhr

Auf den ersten Blick bietet der 18. Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga, der wegen des Länderspiels Deutschland gegen Brasilien von Sonntag auf Samstag vorverlegt wurde, keine besonderen Leckerbissen.

Anzeige

Zum Bundesliga-Tippspiel

Doch die Entscheidungen über Meisterschaft, Champions-League-Teilnahme und Abstieg rücken näher und so gilt es, sich in dieser Saisonphase keine Schwächen mehr zu erlauben.

Während der FCR 2001 Duisburg und der 1. FFC Turbine Potsdam in ihren Heimspielen gegen den SC 07 Bad Neuenahr und den FF USV Jena vor lösbaren Aufgaben stehen und drei Punkte jeweils fest eingeplant haben, gestaltet sich die Aufgabe für den FC Bayern München und den 1. FFC Frankfurt bei den Auswärtsspielen gegen den SC Freiburg und den Hamburger SV ungleich schwerer.

Die Münchenerinnen leisteten sich in der Hinrunde beim 5:5 gegen das Team aus dem Breisgau einen ihrer wenigen Ausrutscher. „Die fünf Gegentreffer begreife ich bis heute nicht“, ärgert sich Bayern Münchens Trainer Günther Wörle noch heute über die verschenkten Punkte. Im Möslestadion kann Wörle wieder auf Julia Simic, die gerade ihren Vertrag bis Juni 2011 verlängert hat, zurückgreifen und möglicherweise auch wieder auf Torhüterin Ulrike Schmetz und Mittelfeldregisseurin Tanja Wörle, die in den vergangenen Wochen und Monaten schmerzlich vermisst wurden.

Bayern weiter ohne Mirlach und Banecki
Nach wie vor fehlen werden allerdings Stefanie Mirlach (Bänderriss) und Nicole Banecki (gesperrt). Mit einem Erfolg in Freiburg würden die Bayern der erhofften Champions-League-Teilnahme einen deutlichen Schritt näher kommen, stehen doch danach zwei machbare Heimspiele gegen den SC 07 Bad Neuenahr und den Herforder SV auf dem Programm. In der Vergangenheit war Freiburg für die Bayern oft ein gutes Pflaster: 6:0, 3:0, 3:2 und 5:1 gewannen sie die vergangenen vier Gastspiele.

Doch Wörle warnt: „Freiburg spielt eine überragende Saison.“ Nach den Siegen gegen Frankfurt und in Wolfsburg will man bei den Gastgeberinnen den guten Lauf fortsetzen. Martina Moser erklärt: „Ich hoffe, dass wir nach der dreiwöchigen Pause schnell in unser Spiel finden. Wir sind auf jeden Fall motiviert und wollen das Beste geben.“ DFB-TV zeigt am Samstagabend eine Zusammenfassung der Partie.

Für Frankfurt zählt nur ein Sieg
Nach dem bisher durchwachsenen Saisonverlauf will der 1. FFC Frankfurt bei seinem Auftritt in Hamburg die letzte Chance nutzen, mit einem Sieg doch noch einmal zumindest in den Kampf um die Champions-League-Plätze einzugreifen. Mit ungewohnter Schärfe wurden die Frankfurter Spielerinnen unter der Woche in die Pflicht genommen. „Ich verlange, dass alle nochmal alles geben und die letzten fünf Spiele angegangen werden als seien es die ersten“, so Trainer Günter Wegmann süffisant. Und Manager Siegfried Dietrich ergänzte: „Ich appelliere eindringlich an die Mannschaft, dass sie den Kampf um die Champions-League-Plätze endlich mit anhaltender Konzentration und Siegeswillen annimmt.“

Personell wird sich im Vergleich zum enttäuschenden 2:2 gegen die SG Essen-Schönebeck am Ostermontag nicht viel verändern, Sarah Günther kehrt allerdings nach ihrer Gelb-Rot-Sperre aus dem Potsdam-Spiel in den Kader zurück. Die Gastgeberinnen um Trainer Achim Feifel wollen unter den Augen von WM-OK-Präsidentin Steffi Jones den dritten Sieg in Folge feiern. Im Hinspiel verloren die Hanseatinnen in Frankfurt zwar klar mit 0:5, hielten damals aber lange gut mit.

Turbine will nachlegen, statt nachlassen
Der 1. FFC Turbine Potsdam schwimmt derzeit auf einer Welle des Erfolgs. In der Bundesliga eilt das Team von Sieg zu Sieg, am Ostermontag zog die Elf von Trainer Bernd Schröder durch den Sieg gegen Zweitligist SG Wattenscheid 09 zudem ins lukrative DFB-Pokalfinale ein. Die Gastgeberinnen sind im Jahr 2009 noch ohne Niederlage, eine Serie, die im Ost-Derby gegen den FF USV Jena fortgesetzt werden soll. Im Hinspiel feierte Turbine einen ungefährdeten 5:0-Sieg, doch diesmal dürfte die Aufgabe gegen die personell verstärkten Thüringerinnen ungleich schwerer werden.

„Die guten Leistungen der Spiele gegen Duisburg und Frankfurt sind nichts wert, wenn wir jetzt nachlassen statt nachzulegen“, weiß Kapitänin Jennifer Zietz, dass gerade die vermeintlich leichteren Spiele sich manchmal als Stolperstein erweisen können. Jenas Trainerin Heidi Vater meint: „Potsdam hat einen guten Lauf und will sicherlich im Kampf um die Meisterschaft keine Punkte einbüßen. Wir wollen natürlich möglichst wenig Tore kassieren.“

Duisburg ohne Längert, aber mit Laudehr
Nach dem souveränen 6:0-Sieg beim Herforder SV unter der Woche will UEFA- und DFB-Pokalfinalist FCR 2001 Duisburg auch die zweite Pflichtaufgabe binnen weniger Tage fehlerfrei lösen. Nicht mit dabei sein kann bei diesem Unterfangen Torhüterin Kathrin Längert, deren Knieverletzung schwerer ist als zunächst angenommen, es besteht der Verdacht auf einen Schaden am Innenmeniskus. Dafür dürfte Simone Laudehr erstmals seit ihrer Wiedergenesung in der Anfangsformation stehen.

Alles andere als ein klarer Erfolg gegen den SC 07 Bad Neuenahr wäre eine Überraschung. Bei den Gästen bangt man weiter um den Einsatz, der am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankten Célia Okoyino da Mbabi, auch die Spielberechtigungen für die beiden südkoreanischen Neuerwerbungen Yunhee Cha und Hee-Young Park lagen zwei Tage vor der Partie noch nicht vor.

Bad Neuenahrs Trainer Georg Engel hofft dennoch, in Duisburg mithalten zu können. „Wir sind guten Mutes, die Moral im Team stimmt. In Duisburg werden wir versuchen, aus einer sicheren Deckung heraus auf unsere Konterchancen zu lauern, die unsere schnellen Offensivkräfte dann nutzen müssen.“

Herfords Abstiegsnöte wachsen
18 Gegentore hat Aufsteiger Herforder SV in den vergangenen drei Partien einstecken müssen und dabei selbst nur einmal ins Schwarze getroffen. Dennoch hofft das Team von Trainer Björn Kenter gegen den VfL Wolfsburg punkten zu können. Ein schwieriges Unterfangen, auch wenn die wieder genesene Weltmeisterin Kerstin Stegemann der Abwehr neue Stabilität verleiht. Erneut wird das Team auf die Unterstützung des Publikums hoffen können, gegen den HSV und Duisburg kamen jeweils fast 1 000 Zuschauer.

Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann verspricht: „Nach dem Ausscheiden im Pokal werden wir nun alles daran setzten, noch so viele Punkte wie möglich in der Meisterschaft zu erzielen. Ich erwarte von meiner Mannschaft, dass sie engagiert in die Zweikämpfe geht, mutig nach vorne spielt und an die zuletzt guten Leistungen anknüpft.“

Crailsheim hofft auf ersten Heimsieg
Noch ist der Klassenerhalt für die Bundesligafrauen des TSV Crailsheim rein rechnerisch möglich, doch beim schwierigen Restprogramm der „Horaffen“ sind die Aussichten wohl nur theoretischer Art. So können die Crailsheimerinnen im Heimspiel gegen die SG Essen-Schönebeck befreit aufspielen und hoffen, vielleicht doch noch den einen oder anderen Zähler auf die Habenseite zu bringen. Allerdings kein leichtes Unterfangen gegen die SG Essen-Schönebeck, die beim 2:2 in Frankfurt neues Selbstvertrauen getankt hat.

Die personelle Situation ist bei den Gastgeberinnen angespannt, Romina Kuffner muss nach ihrem doppelten Nasenbeinbruch aus dem Potsdam-Spiel weiterhin pausieren und auch Heike Gaugler konnte nach einer Knöchelverletzung nur Lauftraining absolvieren. Crailsheims Trainer Hubert Müller hat dennoch die Hoffnung auf den ersten Heimsieg noch nicht aufgegeben: „Irgendwann sind wir eigentlich doch mal dran!“

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.