Dzsenifer Marozsan, Supertalent auf dem Weg nach oben

Von am 9. April 2009 – 15.58 Uhr 1 Kommentar

„In einer Himmelskonstellation strahlt häufig ein Stern heller als die anderen“, schrieb die Website des Fußball-Weltverbands FIFA während der U17-Weltmeisterschaft vor einigen Monaten anerkennend und mit einer Portion Pathos über Dzsenifer Marozsan, deren Markenzeichen die „Verbindung von Eleganz und Effizienz“ sei.

Und in der Tat bringt die 16-Jährige alle Voraussetzungen mit, um sich in den kommenden Jahren zu einer Spielerin von Weltformat zu entwickeln. Helfen soll dabei der Wechsel zum 1. FFC Frankfurt, der mit der Verpflichtung der Saarbrückerin in eine neue Phase der Umstrukturierung tritt.

FFC-Manager Siegfried Dietrich freut sich über die Verpflichtung und traut der gebürtigen Ungarin, deren Vater Janos Mitte der 90-er Jahre vier Spiele für die ungarische Nationalmannschaft bestritt, eine Menge zu. „Ich bin mir sicher, sie wird einer der ersten Jungprofis im deutschen Frauenfußball werden“, so Dietrich gegenüber Womensoccer. Und er gerät sogar ein wenig ins Schwärmen.

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„Wir haben ein hervorragendes Gesamtpaket geschnürt, so dass sie sich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren kann. Für mich ist es eine ganz besondere Verpflichtung, weil ich davon überzeugt bin, dass sie eine Spielerin ist, die in Zukunft eine große Rolle spielen wird. Sie ist darüber hinaus eine unglaublich sympathische Persönlichkeit. Ein zurückhaltender, eher ruhiger Typ, aber umso intensiver engagiert, wenn es um ihre Zukunft geht. Ich habe selten ein Mädchen in ihrem Alter gesehen, dass so fest mit beiden Füßen auf dem Boden steht.“

Unter Dietrichs Fittichen
Viel Vorschusslorbeeren für ein Talent, das bei der U17-Weltmeisterschaft in Neuseeland im November den Silbernen Ball als zweitbeste Spielerin und den Golden Schuh als beste Torschützin erhielt und mühelos den Sprung in die U19-Nationalmannschaft vollzogen hat. Der Sprössling einer fußballverrückten Familie weiß, dass ihr Weg nach oben nur über einen Spitzenverein führen kann. „Der Weggang von Saarbrücken ist mir sehr schwer gefallen, aber letztlich habe ich die sportliche Seite gesehen, da wird mir Frankfurt viel bieten können“, erklärt sie ihren Wechsel.

Die Eltern haben ihr bei der Karriereplanung freie Hand gelassen und sich ganz nach den Wünschen der Tochter gerichtet. In Frankfurt wird sie sich im täglichen Training mit Topspielerinnen messen und schnell weiterentwickeln können. „Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass sie sich in der neuen Dimension schnell freischwimmt“, ist Dietrich überzeugt, der Marozsan in Zukunft auch persönlich betreuen wird. Sie ist die erste Spielerin, die in das bereits vor längerer Zeit ins Leben gerufene SIDI-Junior-Team aufgenommen wird.

Da Mbabi als Nächste?
Für Marozsan bedeutet der Wechsel einen großen Karrieresprung, doch auch für den 1. FFC Frankfurt ist er bemerkenswert, denn er unterstreicht, dass sich der Verein in einer Umbruchphase befindet. Wurden zunächst in Nadine Angerer und Ariane Hingst noch gestandene Spielerinnen nach Frankfurt geholt, soll Marozsan nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Verpflichtungen hoffnungsvoller junger Spielerinnen gewesen sein.

„Jetzt kommen ein paar junge Talente“, bestätigt Dietrich. „Wir müssen ja auch über die WM 2011 hinaus planen.“ Eine weitere Kandidatin soll bereits kurz vor dem Vertragsabschluss stehen: Nationalspielerin Célia Okoyino da Mbabi. „Da gibt es momentan nichts zu vermelden“, wiegelt Dietrich noch ab, doch er räumt ein: „Sie hat das eine oder andere Angebot, bei uns steht sicherlich ein Gespräch aus.“

Frankfurter Verjüngungskur
Die Entdeckung der Jugend ist in Frankfurt der Tatsache geschuldet, dass einige der arrivierten Spielerinnen in die Jahre gekommen sind. Zuletzt betrug beim 8:0-Heimsieg gegen den Herforder SV das Durchschnittsalter des Teams stolze 27,5 Jahre. Zum Vergleich: Der 1. FFC Turbine Potsdam stellte im bisherigen Saisonverlauf mit 21,2 Jahren das jüngste Team der Liga.

In Frankfurt wird vor allem der Spagat zu bewältigen sein, die jungen Spielerinnen nicht zu verheizen. Sorgen macht sich Dietrich deswegen keine. „Natürlich ist Sensibilität gefragt. Aber wir müssen nichts überziehen. Wir haben einen guten Stamm und unsere Zukunft wird darin bestehen, dass wir eine Mischung aus Top-Leistungsträgerinnen und Top-Nachwuchstalenten haben.“

Auch für den Frauenfußball-Profi eine neue Herausforderung. „Jetzt ist der Umbruch da, und ich bin als Manager gefragt“, so Dietrich, der jetzt die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft legen will.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Marcel sagt:

    Ich weiss ja nicht ob das so ne gute Idee ist die kleine so zu hypen,aber auf jedenfall ein interessanter Artikel.

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