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Provinzposse an der Ahr

Von am 8. April 2009 – 11.37 Uhr

„Professionell ist anders“ überschrieb Christoph Lüttgen vorgestern im Bonner General-Anzeiger einen Kommentar über die Vorfälle bei Frauenfußball-Bundesligist SC 07 Bad Neuenahr in den vergangenen Tagen. „Mit der Entlassung seines Trainers Deniz Bakir hat die derzeitige Krise beim SC 07 Bad Neuenahr ihren zumindest vorläufigen Höhepunkt erreicht. Das bleibt zumindest zu hoffen“. Doch anders als erhofft, schreibt die Provinzposse nur zwei Tage später das nächste Kapitel.

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Während Trainer Deniz Bakir noch vergangene Woche für den Verein um die halbe Welt reiste, um die Verpflichtung der beiden südkoreanischen Spielerin Hee-Young Park und Yunhee Cha perfekt zu machen, und wenige Stunden nach seiner Rückkehr entlassen wurde, ist auch Interimstrainerin Sandra Minnert bereits wieder von ihrem Amt enthoben.

Engel statt Minnert
Noch gestern hatte Minnert erklärt: „Ich konzentriere mich zunächst voll und ganz auf die kommenden zwei Monate. Aber es wird zu gegebener Zeit sicher Gespräche mit dem DFB als meinem Arbeitgeber geben, inwieweit ich dem Club auch in der nächsten Saison zur Verfügung stehen kann.“

Doch: „Die Trainertätigkeit ist für die 147fache Nationalspielerin aufgrund ihrer vertraglichen Bindung beim Deutschen Fußball Bund (DFB) als Botschafterin für die FIFA-Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 nicht machbar“, heißt es inzwischen auf der Website des Vereins. Und so wurde heute Georg Engel, ehemalige Rheinland-Auswahlspieler und Inhaber einer A-Lizenz als Nachfolger von Minnert präsentiert.

Ohne Holl und Bachor in die neue Saison
„Was also die öffentliche Darstellung angeht, präsentiert sich der SC 07 nicht bundesligatauglich, sondern allenfalls amateurhaft. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft zumindest sportlich den Klassenerhalt schafft“, führt Lüttgen in seinem Kommentar weiter aus.

Zudem haben gleich zwei Nationalspielerinnen, Torhüterin Ursula Holl und Isabell Bachor, in den vergangenen Tagen ihren Weggang verkündet, und sollten Célia Okoyino da Mbabi und Lena Goeßling folgen, würde es wohl kaum jemanden noch überraschen.

Erstes Abstiegs-Endspiel
Wie sich in einem solchen Umfeld die Bundesliga-Elf konzentriert auf das vorentscheidende Abstiegsduell gegen Aufsteiger FF USV Jena am kommenden Ostermontag vorbereiten soll, erscheint mehr als fraglich. Noch hat es der Verein aber in der Hand, sportlich den Verbleib in der 1. Bundesliga aus eigener Kraft zu schaffen.

Der neue Trainer sagt, was er zu sagen hat: „Die Mannschaft zieht hervorragend mit und ist absolut motiviert. Das hat mir schon die erste Begegnung mit dem Team gezeigt. Ich bin mir sicher, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden“, so Engel.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.