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Duisburg zu stark für ratlose Französinnen

Von am 5. April 2009 – 19.15 Uhr 5 Kommentare

Über dem prominent wie nie zuvor besetzten Presseraum des FCR 2001 Duisburg lag nach dem souveränen 3:1-Sieg gegen Olympique Lyon und dem Einzug ins UEFA-Pokal-Finale ein Hauch von Genugtuung. Duisburgs Trainerin Martina Voss nahm mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen die zahlreichen Glückwünsche entgegen, unter anderem von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, OK-Präsidentin Steffi Jones, Bundestrainerin Silvia Neid und Frankfurts Manager Siegfried Dietrich. So einfach hatte sich Voss die Aufgabe gegen den Favoriten aus Frankreich nicht vorgestellt, doch in beiden Partien war Duisburg die stärkere Mannschaft, wie auch Lyons auf den Boden der Realität geholter Trainer Farid Benstiti unumwunden zugab.

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„Wir sind sehr dominant aufgetreten und haben das Finale sicherlich verdient erreicht“, freute sich Voss. „Jetzt wollen wir es natürlich auch gewinnen“, schob sie sogleich mit Nachdruck hinterher, um sofort jeden Anflug von Selbstzufriedenheit zu unterbinden. „Ich bin sehr stolz, denn wir haben heute unser wahres Gesicht und eine komplett gute Mannschaftsleistung gezeigt.“

Geschlossene Mannschaftsleistung
Ob Torhüterin Kathrin Längert, die nach einer halben Stunde mit einer Fußabwehr gegen Elodie Thomis ihre Mannschaft vor einem Rückstand bewahrte, die bärenstarke und konzentrierte Abwehr, das fleißige Mittelfeld um Femke Maes, Annemieke Kiesel und Marina Hegering sowie die treffsichere Stürmerin Inka Grings – heute gab es, anders als noch bei der 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München vier Tage zuvor,  an der Leistung der Duisburgerinnen nur wenig zu mäkeln.

Dabei hatte der Gast aus Lyon in den ersten 15 Minuten sein Potenzial angedeutet, als die starke Louisa Nécib zusammen mit Ingvild Stensland im Mittelfeld für mächtig Dampf sorgte. Doch die Duisburgerinnen fingen die Angriffsbemühungen der Französinnen zumeist bereits an der Strafraumgrenze ab, echte Torgefahr entwickelte der Spitzenreiter der französischen Liga nur selten. Soviel Gegenwehr ist er aus der heimischen Liga nicht gewohnt.

Doppelschlag von Grings
Zwei Treffer von Inka Grings binnen fünf Minuten (38. und 43.) brachten die Duisburgerinnen auf die Siegerstraße und die Französinnen vollends aus dem Konzept. „Bei den beiden Toren hatte ich auch das notwendige Quäntchen Glück. Wir haben heute das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, das Kompliment geht an die gesamte Mannschaft“, so Grings. Dabei brachten sich die Gastgeberinnen selbst noch einmal  in Gefahr.

Denn noch vor dem Pausenpfiff gelang Lyon durch die pfeilschnelle Thomis der Anschlusstreffer (45.). „Ich dachte, die kommen aus der Pause und fackeln ein Feuerwerk ab“, so die Befürchtung von Linda Bresonik. Doch verwundert musste sie feststellen: „Bis auf ein, zwei Torchancen waren sie völlig ungefährlich.“

Comeback von Laudehr
Und als Bresonik mit einem verwandelten Foulelfmeter nach Foul von Laura Georges an Grings schnell den Zwei-Tore-Vorsprung wieder herstellte (54.), war Duisburg auf dem Weg ins Finale nicht mehr zu stoppen. „Nach dem 3:1 ist Lyon nicht mehr viel eingefallen. Sie sind es einfach nicht gewohnt, mit einem Rückstand umzugehen“, analysierte Voss.

Da konnte es sich Voss sogar leisten, nach mehrmonatiger Verletzungspause erstmals wieder Simone Laudehr für eine knappe halbe Stunde aufs Feld zu schicken. Die sorgte sogleich auf der linken Außenbahn anders als die kämpferisch starke, aber oft unglücklich agierende Fatmire Bajramaj für neuen Schwung und bestach durch eine Spritzigkeit, als wäre sie nie verletzt gewesen.

Zuerst auswärts
Schnell nach Spielende richtete sich der Blick in Duisburg auf die beiden bevorstehenden Finalspiele gegen Zvezda, das sich im Halbfinale überraschend gegen Umeå IK durchsetzte (2:0 und 2:2) und somit das Finalduell zweier UEFA-Pokal-Neulinge perfekt macht. Zunächst muss Duisburg am 16. Mai auswärts in Kazan antreten, bevor man am 23. Mai die Russinnen in Duisburg begrüßen wird. Dann aller Voraussicht nach erneut im PCC-Stadion von Homberg, und nicht wie erhofft in der größeren MSV-Arena.

Zwar sind die Überlegungen noch nicht definitiv abgeschlossen, doch bereits am Mittwoch weilen UEFA-Vertreter zur Stadionbegehung in Duisburg. Bis dann muss feststehen, wo gespielt wird. Die momentanen Planungen sehen vor, dass im PCC-Stadion gespielt, doch noch hat man die Hoffnung auf einen Umzug nicht ganz aufgegeben.

Unbekanntes Zvezda
Rein sportlich werden die beiden Duelle eine Reise ins Ungewisse. „Ich weiß noch nicht mal, wo das liegt“, gestand Bresonik, die selbst mit der Nationalmannschaft eine ganze Weile nicht mehr gegen Russland gespielt hat. Für Voss gilt es, nun den Gegner zu studieren, der beim Miniturnier im vergangenen Herbst in Norwegen auch gegen den 1. FFC Frankfurt gespielt hat und 1:0 gewann.

„Ich werde natürlich mit Günter Wegmann über seine Eindrücke sprechen. Wir werden aber auch unsere guten Kontakte nach Umeå spielen lassen. Wir hoffen, dass wir von beiden Spielen Videos bekommen. Aber auch der Gegner hat es nicht einfach und muss sich auf uns einstellen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Conny68 sagt:

    Glückwunsch an Duisburg. Das Weiterkommen gegen Lyon ist hochverdient, denn ich finde, in beiden Spielen war Duisburg das bessere Team.
    Inka Grings Tore waren Extraklasse. Insgesamt war es eine hervorragende Mannschaftsleistung.
    Danke – FCR Duisburg – für zwei tolle Spiele und viel Glück dann im Finale.

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  • Marcel sagt:

    Auch von mir Glückwunsch an den FCR , das war absolut verdient.

    Jetzt holt euch den Pott 😀

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  • laasee sagt:

    Super FCR. Und Inka ist der beste Fussballer in der Welt.

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  • suplo sagt:

    Auch von der Ligakonkurrenz herzliche Glückwünsche an die Duisburgerinnen. Gut gemacht.

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  • Pinguin sagt:

    Super, Gratulation! Taktisch, technisch, physisch, mental eine Riesenleistung! Fast gar kein Durchkommen für Schelin und Co, wer schafft das schon. Der FCR hat gezeigt, dass sie doch Bigpoints machen können – in der Form können sie das Image des ewigen ‚Siegers der Herzen‘ in dieser Saison vielleicht doch noch abstreifen.

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