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Duisburg will internationalen Höhenflug fortsetzen

Von am 5. April 2009 – 0.08 Uhr 9 Kommentare

Das Fieber beim FCR 2001 Duisburg vor dem vorläufigen Saison-Höhepunkt auf europäischer Ebene steigt. Am heutigen Sonntag erwartet das Team von Trainerin Martina Voss im Halbfinalrückspiel des UEFA-Pokals im heimischen PCC-Stadion Olympique Lyon (ab 13.45 Uhr live in der ARD). Vor acht Tagen haben sich die Duisburgerinnen mit dem 1:1 eine gute Ausgangsposition verschafft.

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Doch nach zwei Niederlagen in der Bundesliga steht ein Fragezeichen hinter der aktuellen Form des Teams. „Ich glaube, Lyon hat uns im Hinspiel unterschätzt und wird das kein zweites Mal tun“, weiß Voss, dass noch einmal zumindest 90 Minuten harter Arbeit auf ihr Team warten.

Mit welcher Ernsthaftigkeit die Französinnen die Sache angehen, war bereits die ganze Woche zu spüren. Am Montag kündigte man an, anders als ursprünglich geplant, bereits am Freitag statt am Samstag Richtung Deutschland aufzubrechen. Am Mittwoch verfolgte dann eine sechsköpfige Lyoner Delegation, darunter Trainer Farid Benstiti und auch zwei Spielerinnen, die 1:2-Niederlage Duisburgs gegen Bayern München, für Sonntag hat auch der mächtige Vereinspräsident Jean-Michel Aulas sein Kommen angekündigt.

Längert fit, Popp-Einsatz wahrscheinlich
Duisburg sollte also gewarnt sein, denn in Lyon will man alles daran setzen, dass nicht zum zweiten Mal in Folge Endstation im UEFA-Pokal-Halbfinale ist, im Vorjahr reichte nach einem 1:1 im Hinspiel gegen Umeå IK das torlose Remis im Rückspiel nicht zum Finaleinzug. Während Voss am Sonntag auf die wieder genesene Torhüterin Kathrin Längert setzen kann, ist ein Einsatz von Alexandra Popp nach ihrer Fußverletzung noch nicht hundertprozentig sicher, doch Popp dürfte auf die Zähne beißen.

Bleibt zu hoffen, dass Längert sich voll auf ihre Aufgabe konzentrieren kann. Am Freitag hatte der Verein zum ungewöhnlichen Zeitpunkt nur zwei Tage vor dem wichtigen Spiel bekannt gegeben, dass Nationaltorhüterin Ursula Holl ab der kommenden Saison zum Team stoßen wird. „Auf Null zu Null spielen können wir auf keinen Fall“, so Voss, die mit ihrem Team den erwarteten 4 000 Zuschauern im Stadion und dem Publikum an den Fernsehschirmen ein echtes Spektakel bieten will. „Wir werden alles geben, um dem Favoriten erneut Paroli zu bieten.“

Olympique zuversichtlich
Im Stadion wird auch eine große DFB-Delegation, angeführt von Präsident Dr. Theo Zwanziger sein. Ob OK-Präsidentin Steffi Jones, Bundestrainerin Silvia Neid oder Ex-Bundestrainerin Tina Theune – diesen Frauenfußball-Leckerbissen will sich niemand entgehen lassen. In der Halbzeit soll ein Torschuss-Wettbewerb die Fans bei Laune halten, eine Liveband soll die Stimmung musikalisch weiter anheizen.

Im Lager der Französinnen ist die Laune vor dem Rückspiel bestens. Im Privatjet ging es Freitagmorgen von Bron nach Düsseldorf, wo Torhüterin Véronique Pons zur Stärkung ihrer Mitspielerinnen Croissants verteilte. „Wir reisen zu einem großen Spiel, da ist es wichtig, Energie zu tanken“, so Pons lachend. Freitagabend schaute sich die Spielerinnen das Zweitligaspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem FSV Mainz 05 an, am Samstag standen neben dem Abschlusstraining noch ein Fahrradausflug und ein Golfplatzbesuch auf dem Programm.

Hoffen auf Nécib
Weniger zu lachen hat derzeit Mittelfeldregisseurin Louisa Nécib, deren Einsatz nach wie vor fraglich ist. Sie laboriert noch an den Folgen einer Verletzung an der rechten Wade, wo sich unter dem vernarbten Gewebe ein kleiner neuer Einriss gebildet hat. Trainer Benstiti, der Duisburg am Mittwoch trotz der 1:2-Niederlage ein „großartiges Spiel“ bescheinigte, hofft, dass der Gegner ob der Belastung unter der Woche ein wenig müde ist. „Sie haben großen Anstrengungen unternommen, das Spiel gegen Bayern war sehr intensiv, das wird Auswirkungen haben“, ist er sich sicher.

Benstiti konnte dem enttäuschenden Remis im Hinspiel, in dem sein Team nicht die gewohnte Leistung abrufen konnte, sogar noch Positives abgewinnen. „Ich war von der Spielfreude Duisburgs überrascht. Meine Spielerinnen haben einige Grundprinzipien des Spiels vergessen, mit dem 1:1 sind wir gut weggekommen, denn Duisburg hat uns wirklich Sorgen bereitet.“ Im Hinspiel wollte er bei seinen Spielerinnen sogar „einige panische Momente“ gesehen haben.

Revanchegelüste
 „Seit drei Jahren spielen wir einen Offensivfußball mit schnellem Spiel am Boden. Vorigen Samstag haben wir es aber mit langen Bällen versucht, das sind wir gar nicht gewohnt.“ Für Sonntag kündigt er eine bessere Leistung seiner Elf an. „Wir wollen Revanche und wir werden zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind.“

Dann hoffentlich mit Necib und auch Lara Dickenmann, die beim 1:1 nach ihrer Einwechslung zeigten, wie wichtig sie für das Aufbauspiel ihres Teams nach dem Weggang von Sonia Bompastor und Camille Abily sind. Benstitis Erfolgsrezept: „Wir müssen athletisch und technisch gleichermaßen die Herausforderung annehmen. Wenn wir kein Risiko eingehen, werden wir das Spiel nicht gewinnen können.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • Brandy74 sagt:

    Das Fragezeichen hinter der Duisburger Form kann zumindest für heute weggewischt und durch ein Ausrufezeichen ersetzt werden. Eine tolle Abwehrreihe,eine Super 6, eine Superstürmerin mit Oster und Knaack2 arg kritisierte vom Mittwoch, die Lyon keinerlei Chance ließen:
    Danke Duisburg !!!

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  • spoonman sagt:

    Wer hat im Finale zuerst Heimrecht?

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  • kaerf sagt:

    Im Stadion haben sie gesagt, dass am 16.05.09 das Hinspiel in Perm (Kasan?) ist und am 23.05.09 das Rückspiel in Duisburg. Hoffentlich in der MSV-Arena vor mindestens 20.000 Zuschauern.

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  • Pinguin sagt:

    Man wird doch wohl eher im PCC-Stadion spielen, weil die Stadionmiete zu hoch sei, und man eine Geisterkulisse fürchtet.
    Anscheinend traut man es sich in Duisburg nicht zu, mehr als 5000 Leute ins Stadion zu locken, dabei denke ich, das (linksrheinisch) schlecht erreichbare PCC-Stadion ist einer der Gründe, warum viele zu Hause bleiben.
    Und wenn man wollte, könnte man Hellmich, OB und Co sowie die fußballverrückte Region schon enthusiasmieren. In so einer Situation fehlt durchaus ein Typ wie Siggi Dietrich …

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  • Brandy74 sagt:

    Ich fände das PCC-Stadion auch besser.Gestern waren es mit Länderpokalmannschaften etwas über 3200 Zuschauer. Zum Finale würden bestimmt einige mehr kommen,aber dann lieber 6000 Zuschauer in der „Hölle von Homberg“ als vielleicht 8000-9000 in der MSV Arena. Da kommt deutlich mehr Stimmung und Atmosphäre auf. Im nächsten Jahr in nächsten Endspiel wäre der FCR dann reif für die Arena

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  • Pinguin sagt:

    Ich finde es eher einen Rückzug in die Provinzialität, und es sieht bei einer Live-Übertragung von vorneherein unterklassig aus, wenn sie nur von einer Art Bezirkssportanlage gesendet wird, auch wenn es das Spiel ja gar nicht ist. Auch den Spielerinnen gäbe es sicher einen ‚Kick‘, aber klar, man müsste sie selbst fragen.
    Beim MSV sind es auch meist ’nur‘ um die 10.000 Zuschauer, und die Atmosphäre ist doch da – und warum sollen denn nur‘ 8-9.000 Zuschauer in die Arena kommen?
    Aber naja, ich denke ohnehin, der FCR traut sich das nicht, auch wenn die Geldgeber sich schon besprochen haben …

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  • Pinguin sagt:

    Allerdings, nach den neueren Meldungen ist die Tendenz doch Richtung Arena – wenn die Finanzen reichen …:

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  • djane sagt:

    Pinguin, ich denke schon, daß der FCR da unbedingt hin will und keinen Rückzieher mehr macht- dafür ist im Vorfeld schon viel zu viel drüber geredet worden, ein Rückzug wäre da äußerst peinlich. Ich verstehe beide Seiten, am PCC gefällt mir die Tatsache, daß es nun mal DAS Heimstadion der Mädels ist- außerdem kam da am Sonntag im TV auch dank der unermüdlichen Trommel-combo ne klasse Atmosphäre rüber. Sollte das Spiel in der MSV-Arena stattfinden, hoffe ich a) das die Stimmung ebenso gut ist und b) daß das halbe Ruhrgebiet vereinsübergreifend mobilisiert werden kann- der Gewinn des UEFA-Cups vor vielen Zuschauern wäre ein toller Erfolg auf dem Weg zur WM 2011

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  • Pinguin sagt:

    djane, ja sicher hoff‘ ich auch drauf, dass das kein Rohrkrepierer, sondern ein Riesen-Fußballfest vor einer tollen Kulisse und mit Signalwirkung wird!!!

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