Brasilien in Deutschland ohne Marta und Cristiane?

Von am 31. März 2009 – 11.07 Uhr 7 Kommentare

Am Mittwoch, 22. April, wird die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft in einem zum „Duell der Besten“ hoch stilisierten Spiel auf die Nationalmannschaft Brasiliens treffen. Doch die unter dem Slogan „Samba in Frankfurt – Wir sind dabei“ mit über 1 000 Plakaten und 75 000 Flyern beworbene Partie zwischen dem Weltranglistendritten und dem Weltranglistenzweiten dürfte sportlich nicht halten, was sie verspricht. Denn Spielerinnen wie Marta und Cristiane werden wohl fehlen.

Denn der Spieltermin fällt unglücklicherweise zwischen zwei Spieltage der neu gegründeten US-Profiliga WPS, die am vergangenen Sonntag erfolgreich das Licht der Welt erblickt hat. So sind Marta (Los Angeles Sol) und auch Cristiane (Chicago Red Stars) sowohl am Sonntag, 19. April, wie auch am Samstag, 25. April für ihre Vereine im Einsatz. Marta trifft mit ihrem Verein zunächst im heimischen Carson/Kalifornien auf den FC Gold Pride, bevor es sechs Tage später zum Auswärtsspiel gegen Saint Louis Athletica geht. Cristiane bestreitet mit ihrem Team zwei Heimspiele, zunächst gegen Sky Blue FC, dann gegen die Boston Breakers.

Keine Abstellungspflicht
Eine Abstellungspflicht für das Spiel gibt es nicht, da der Termin nicht durch den internationalen Frauenfußball-Kalender des Fußball-Weltverbands FIFA geschützt ist. Und die Position von Los Angeles Sol ist unzweifelhaft und dürfte repräsentativ sein. „Wir werden Marta und auch andere internationale Spielerinnen für FIFA-Daten und Großereignisse freistellen, bei denen der Verband darum bittet“, so Sol-Manager Charlie Naimo gegenüber Womensoccer. Für die Spiele der brasilianischen Nationalmannschaft in der nahen Zukunft habe es nicht einmal eine Anfrage gegeben.

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Und auch die anderen WPS-Vereine werden ihre Spielerinnen verständlicherweise wohl nur abstellen, wenn es unbedingt notwendig ist, zumal in der Aufbauphase der neuen Liga die Kräfte gebündelt werden sollen, und unnötige Verletzungen der Spielerinnen die Qualität der WPS mindern würden. Der brasilianische Verband hat zwar offiziell sechs WPS-Spielerinnen, darunter auch Marta und Cristiane, in den Kader für die Spiele gegen Deutschland (22. April) und Schweden (25. April) berufen, sie aber, genauso wie drei in Schweden tätige Spielerinnen, vorsorglich in Klammern mit einem Sternchen versehen. Und so wird der neue brasilianische Trainer Kleiton Lima woll nur mit einem qualitativ dezimierten Kader die Reise nach Europa antreten können.

Brasilien ohne Neun, aber mit Fortune
Neben Marta und Cristiane werden also wohl auch die WPS-Spielerinnen Erika (LA Sol), Francielle (Saint Louis Athletica), Daniela (Saint Louis Athletica) und Miraildes Maciel Mota (LA Sol) fehlen, auch Elaine (Umeå IK), Barbara (Sunnanå SK) und Renata Costa (LdB Malmö) dürften von ihren Vereinen keine Freigabe erhalten. Aus der brasilianischen Startformation, die Deutschland im Halbfinale der Olympischen Spiele mit 4:1 bezwang, würden also gleich sieben Spielerinnen fehlen. Denn die verletzte Fabiana von den Boston Breakers befindet sich derzeit noch in der Rehabilitation.

Auf spektakuläre Aktionen auf dem Spielfeld der Frankfurter Commerzbank-Arena dürfen sich die Zuschauer dennoch freuen: Denn die Reise nach Deutschland wird auch Leah Lynn Gabriela Fortune antreten, die mit ihren Flick-Flack-Einwürfen zuletzt bei der U20-WM in Chile das Publikum bestens unterhielt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • djane sagt:

    …das klingt ja so, als könnten wir mit der momentanen Spielweise bzw. Form der Natio direkt ne Chance haben… 🙂

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  • SCW sagt:

    😀 hab ich mir auch grad gedacht. Aber ob das so das Wahre ist… ich weiß ja nicht.

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  • Rainer sagt:

    Ich habe beim Auftakttreffen der Damallsvenskan Renata Costa gefragt, ob die US-Legionärinnen der brasilianischen Nationalmanschaft bei den Spielen gegen Deutschland und Schweden antreten werden und sie glaubte nicht daran, dass Marta, Cristiane und Co. kommen werden. Auf meine Frage nach dem Schweden-Spiel sagte sie: „Wir spielen aber auch gegen Deutschland.“ und das deute ich eher so, als ob sie dabei wäre…

    Malmö spielt am 18.04. daheim gegen Piteå und dann erst wieder am 03.05. in Kristianstad.

    Schaun mer mal…

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  • moya sagt:

    Au weia, ich amüsier mich ja immer köstlich, wenn die Herren-Nationalmannschaft dezimiert Freundschaftsspiele bestreitet, Herr Löw dann noch 6 Mal auswechselt, der Gegner defensiv hoch motiviert ist, weil es gegen Deutschland geht und dementsprechend ein grottenschlechter Kick zustande kommt und nach 40 Minuten das Pfeifkonzert losgeht.
    Nun hab ich selber Karten für ein hoch gehyptes Freundschaftsspiel und die Vorzeichen sehen nicht besser aus. 😀 Shit happens, I guess.

    Naja, mal ernsthaft betrachtet, ist nun die Frage, wie sich diese Nachrichten auf den Ticketverkauf auswirken. Das Rekordpublikum dürfte damit nochmal schwieriger zusammenzutrommeln sein.

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  • Markus Juchem sagt:

    Hej Rainer, es bleibt ja jedem Verein in diesem Fall überlassen, ob er seine Spielerinnen für die Nationalmanschaft freistellt, oder nicht, es besteht halt nur keine Verpflichtung. Bei den in Schweden tätigen Spielerinnen kann ich mir das eher vorstellen, dass die Vereine möglicherweise kulant sind. Bei den US-Vereine eher weniger.

    Der DFB geht aber davon aus, dass alle Topstars kommen:

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  • Max Diderot sagt:

    Na ja, seit dem Tremolo eines ehemaligen Sozialministers, der verkündete, dass die Rente sicher sei, weiß doch jeder, dass es erstens anders kommt und zweitens als man denkt. Und Frau Neid geht ja jetzt auch dezidiert davon ab, verdienstvollen Spielerinnen den päpstlichen Spiegel der Pflicht vorzuhalten und sie bis ins betagte (Fußball-) Alter quasi zwangszuverpflichten. Und warum sollte es nicht klappen, mit einer Mischung aus erfahrenen und jungen Spielerinnen den Brasilianerinnen den fußballerischen Garaus zu machen. Plitsch-platsch und mit einem Sieg gegen die Damen aus Südamerika wäre vermutlich auch wieder der zweite Platz in der FIFA-Rangliste zurück erobert.

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  • moya sagt:

    Die Frage war ja erstmal nur, welchen Brasilianerinnen die deutsche Mannschaft fußballerisch den Garaus machen könnte. 😉 Das Spiel wäre halt sicher bedeutend attraktiver, wenn Marta (et al.) auf dem Platz stünde.
    Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie die Flugstrapazen in der Woche auf sich nehmen. Es sei denn das Duell der Besten hätte auch bei den Brasilianerinnen so einen hohen Stellenwert, dass sie unbedingt spielen wollen.
    11 Freunde hat auch verkündet, dass das beste Aufgebot kommt: Die Formulierung ist die gleiche wie beim DFB, die besten Spielerinnen seien nominiert worden. Aber wie Markus geschrieben hat, muss das ja noch nicht heißen, dass sie tatsächlich dabei sind.

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