Verheißungsvoller Start der neuen US-Profiliga WPS

Von am 30. März 2009 – 10.12 Uhr 13 Kommentare

Mit einem 2:0 (1:0)-Sieg von Los Angeles Sol gegen Washington Freedom ist im kalifornischen Carson, der Stätte des deutschen WM-Triumphs von 2003, die neue US-Profiliga WPS gestartet. Und die 14 832 Zuschauer im Home Depot Center sahen bereits im Eröffnungsspiel eine mitreißende und phasenweise hochklassige Partie, in der Allison Falk das erste Tor der WPS-Geschichte köpfte, während Weltfußballerin Marta erst in der Schlussphase aufdrehte.

Falk schreibt WPS-Geschichte – starke Bompastor
Nach nur sechs Minuten nutzte Falk einen Fehler von Washingtons Torhüterin Briana Scurry und köpfte den Ball nach einer Freistoß-Flanke der starken Japanerin Aya Miyama ins Netz. Doch in der Folge war es mehr und mehr der Gast, der aufs Tempo drückte und mächtig Druck entwickelte. Angetrieben von der überragenden Mittelfeldregisseurin Sonia Bompastor kam das Team von Trainer Jim Gabarra immer besser ins Spiel und zu einigen hochkarätigen Torchancen.

Nach einer halben Stunde setzte etwa die Französin mit einem weiten Schlag maßgerecht die von einem Beinbruch wieder genesene Abby Wambach ein, doch Sol-Torhüterin Karina LeBlanc reagierte beim Schuss der Spielführerin aus sechs Metern glänzend. Zwei Minuten später scheiterte Cat Whitehill nur knapp mit einem Freistoß, doch die Druckphase führte zu keinem zählbaren Erfolg.

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Offener Schlagabtausch – Lindsey trifft Pfosten
In der zweiten Halbzeit nahm die Partie weiter Fahrt auf und es entwickelte sich zusehends ein attraktiver Schlagabtausch mit Offensivaktionen auf beiden Seiten fast im Minutentakt. Erst jagte die kurz vor der Pause eingewechselte Lisa deVanna den Ball aus 20 Metern über das Tor (48.), doch auch Los Angeles kam nun wieder zu Chancen, so etwa nach schöner Kombination zwischen Han Duan und Miyama, die allerdings aus aussichtsreicher Position Teamkollegin Shannon Boxx anschoss (50.).

Ein Schuss von Homare Sawa hätte kurz darauf fast zum Ausgleich geführt, der Ball ging jedoch wenige Zentimeter am Pfosten vorbei (53.). DeVanna versuchte sich nach Vorlage von Bompastor erneut vergeblich mit einem 20-Meter-Schuss (55.). Die beste Chance ließ dann nach einer guten Stunde Lori Lindsey aus, die nach einer Ecke mit ihrem Drehschuss aus zwölf Metern nur den Pfosten traf (64.).

Abily sorgt für Entscheidung
Nun ließ auch die bis dahin eher unauffällige Weltfußballerin Marta ihr Können aufblitzen, als sie Miyama auflegte, die mit ihrem schönen Heber allerdings an Scurry scheiterte (73.). Die Gastgeberinnen erhöhten ihre Offensivbemühungen. Nach Querpass von Han scheiterte die Französin Camille Abily zunächst noch (77.). 

Auf der Gegenseite fand eine Bompastor-Flanke den Kopf von Wambach, doch der Ball ging knapp vorbei (79.). In der 87. Minute sorgte Los Angeles Sol dann nach einem Konter für die Entscheidung. Marta legte vom linken Flügel auf die freistehende Abily, die Scurry mit einem gefühlvollen Heber aus 17 Metern zum 2:0 überwand (87.).

Zufriedene Trainer
Noch lief zwar auf und neben dem Feld nicht alles rund – nicht alle Spielerinnen wirkten austrainiert, die Tafeln für Ein- und Auswechslungen versprühten 70-er-Jahre-Charme und bei der TV-Übertragung schaffte man es nicht, die Nachspielzeit einzublenden -, doch insgesamt machte das WPS-Auftaktspiel Appetit auf mehr.

Abner Rogers, Trainer der siegreichen Los Angeles Sol, meinte: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Sieg. So die Debütsaison zu eröffnen, gefällt mir natürlich sehr. Und phasenweise haben wir auch sehr gut gespielt.“ Gäste-Trainer Jim Gabarra erklärte: „Ich war sehr zufrieden mit dem, was ich auf dem Feld gesehen habe. In der Offensive fehlt uns noch die Abstimmung. Das Spiel hätte mehr Tore verdient, wir hätten alleine ein oder zwei Tore machen müssen. Ich würde sagen, das Spielniveau war besser als beim WUSA-Eröffnungsspiel.“

Los Angeles Sol – Washington Freedom 2:0 (1:0)

LA: LeBlanc, Fletcher (46. Larkin), Falk, Boxx, Cox, Miyama, Bock, Abily, Makoski, Han (84. Welsh), Marta
Washington: Scurry, Whitehill, Janss, Singer, Sauerbrunn, Lindsey (72. Gilbeau), Bompastor, Long, Sawa, Wambach, Zimmeck (43. DeVanna)

Tore:  1:0 Falk (6.), 2:0 Abily (87.)

Schiedsrichterin: Kari Seitz (USA)

Zuschauer: 14 832

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

13 Kommentare »

  • djane sagt:

    fast 15.000 Zuschauer, puh- da kann man hier nur von träumen. Ich bin dennoch gespannt, ob dieses Zuschauer-Level gehalten werden kann oder ob es sich nur um die typische Eröffnungs-Neugierde handelt, wenn ein „Produkt“ neu auf dem Markt ist.

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  • Markus Juchem sagt:

    Das Level wird man sicherlich nicht halten können, Kalkulation liegt ja wohl bei rund 5 000. Aber die, die gestern im Stadion waren, werden es nicht bereut haben.

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  • Conny68 sagt:

    Alleine der Spielbericht hört sich schon super gut an. In Amerika besitzt der Frauenfußball doch einen ganz anderen Stellenwert und da sind diese Zuschauerzahlen vielleicht auch dauerhaft eher möglich. Warten wir es ab…

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  • djane sagt:

    @Conny68, naja, dafür fragt man sich in den USA aber auch immer, was Schein, und was Sein ist. Schon der Liveticker sah im Gegensatz zum hiesigen, eher drögen DFB-Ticker richtig gut aus- aber ne gute Präsentation ist halt auch nicht alles. Und dafür, das Fussball dort einen anderen Stellenwert haben soll, haben sie aber ziemlich viel quer durch die Welt eingekauft- ich weiß jetzt nicht aus dem Kopf, wie es in den USA mit Nachwuchsförderung der Spielerinnen aus lokalen Fussballteams aussieht, aber der Ansatz scheint im Gegensatz zum FF in Europa eher pekuniärer Natur zu sein…

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  • moya sagt:

    Hier sind die Highlights aus dem Match, ca. 5min:
    Ich kann mich dem Bericht nur anschließen, das war ein sehr ansehnlicher Auftakt in die Liga. Es gab zwar auch die im Frauenfußball üblichen Fehler und Unstimmigkeiten zu sehen, aber insgesamt war es ein Spiel mit hohem Tempo und schönen Kombinationen. Wenn da die Abstimmung noch besser wird, gibt es ganz großes Kino.
    Meinem Empfinden nach hat L.A. Sol die erste Hälfte klar dominiert. Bis auf die fantastische Bompastor – Wambach-Kombination lief bei Washington wenig zusammen, auf der anderen Seite hat Marta schon in den ersten Minuten die Abwehr ein paar Mal schwindelig gespielt. Bei allen Vorbehalten, die ich gegen diese Spielerin hab, sie ist wahnsinnig schnell und ballsicher. Ich finde es immer wieder von Neuem unfassbar, wie viele Meter sie den Verteidigerinnen im Sprint um einen Ball auf kürzester Strecke abnimmt. Ansonsten haben mir Han Duan und Aya Miyama bei Sol noch sehr gut gefallen, eine starke Offensive ist das auf jeden Fall.
    In der zweiten Hälfte war Washington am Drücker, da kam aber viel zu oft der letzte Pass nicht, oder es fehlte das Glück beim Abschluss. Und so war es ein super gespielter Konter, der schließlich das Spiel entschied. Ein wunderschönes Tor.

    Im Vorfeld hat Tonya Antonucci nochmal betont, dass sie sich bemühen, bezahlbaren Sport anzubieten und sie zuversichtlich sind, weil das ganze ein Graswurzel-Projekt sei. Bleibt zu hoffen, dass die Graswurzeln das genau so sehen. 😀

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  • Conny68 sagt:

    @djane – ja, da hast Du mit Deiner Meinung sicherlich nicht unrecht.

    Es wäre schon interessant, wie es mit der Nachwuchsförderung in den USA aussieht. Soviel ich weiß, läuft doch da vieles über die High-schools/College. Vielleicht deswegen auch die Meinung, dass der Frauenfußball dort einen anderen Stellenwert genießt.

    Die Sponsoren der WPS wollten für ihre Liga wahrscheinlich auch Größen des Frauenfußballs in der Liga präsentieren und deswegen wohl die Einkaufstour quer durch die Welt. Das ganze soll ja auch ein Geschäft für die Sponsoren werden. Da ist eine attraktive Liga mit einem „Zugpferd“ wie Marta sicherlich wichtig.

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  • moya sagt:

    @djane: Die Einkaufstour durch die Welt gehörte laut WPS-Commissioner zum Konzept. Sie meinte vor dem Spiel auf die Frage, was man aus dem Scheitern der WUSA gelernt habe, dass man sich dieses Mal nicht mehr so sehr auf die US-Spielerinnen konzentrieren wollte, sondern tatsächlich die besten Spielerinnen der Welt präsentieren will. Mal abgesehen von der Frage, ob es ihnen gelungen ist, die tatsächlich zu rekrutieren (wohl eher nicht so sehr wie gewünscht), sieht also zumindest das Konzept internationale Klasse vor.
    Ich weiß auch nicht genau, wie das mit der Nachwuchsförderung aussieht, aber ich nehme mal an, dass da viel über die Colleges läuft?

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke für den Link, moya. Ich habe ihn in den Bericht eingebaut. 🙂

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  • moya sagt:

    @Conny68: Ups, da war ich wohl zu langsam. Aber ich hab nicht gespickt, ich schwör! 😉

    @Markus: Gern geschehen! Das zweite Tor könnt ich mir noch ein paarmal anschaun. 😀

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  • Conny68 sagt:

    @moya – Auf dem Fußballfeld war Schnelligkeit leider nie meine Stärke. Freut mich ja, dass es hier wenigstens klappt 🙂 🙂 🙂

    Aber Danke auch für den Link. Ich wollte nämlich schon fragen, ob es irgendwo Bilder von dem Spiel gibt.

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  • Steffen sagt:

    Ich habe mir das Spiel auch angeschaut. Ich war neugierig auf das Eröffnungsspiel. Am Anfang Mia Hamm wieder zu sehen war nicht schlecht. Die Zuschauerzahl war auch klasse, aber ich denke diesen Schnitt werden sie nicht halten können. Da waren viele dabei, die schon seit vielen Jahren darauf gewartet haben, wieder ein Ligaspiel zu sehen. Die Eintrittspreise finde ich auch zu hoch.

    Das reine Fussballspiel fand ich nur durchschnittlich, gelegentlich ein paar geniale Zuspiele, z.B. Bombastor (zum Glück hat die nicht gegen Duisburg gespielt), aber die meiste Zeit auch viel Lehrlauf. Man merkte auch, dass einige Spielerinnen nicht richtig fit waren, so nach 60 Minuten. Und was mir noch aufgefallen ist, es gab so gut wie kein Pressing, weder bei Washington noch bei LA. Die konnten in Ruhe bis zur Mittellinie gehen und dann z.B. einen hohen Ball auf Wambach spielen. Die hat mir übrigens gut gefallen, sie hatte zwei 100%ige, wenn sie die rein macht gewinnt Washington. Marta war auch nicht schlecht, von Han Duan habe ich mir mehr erwartet, Abily war auch nicht schlecht, aber im Vergleich der Französinnen war Bombastor besser. Lisa DeVanna kann auch besser spielen.

    Es wurde ja vorher angepriesen, dass die WPS die beste Liga der Welt ist. Ich denke Duisburg oder Lyon hätten gegen die gewonnen. Aber vielleicht wird’s ja noch besser in ein paar Spielen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Steffen, Du fandest es nur durchschnittlich? Es stimmt natürlich, dass die Teams noch Abstimmungsprobleme hatten und es in puncto Fitness noch Luft nach oben gibt. Aber von Grundtempo, Qualität und Unterhaltungswert sehe ich in der Bundesliga leider nicht oft Vergleichbares. Wenn man dann noch bedenkt, dass es das erste Ligaspiel war und die Teams noch in der Aufbauphase stecken, fand ich die Partie wirklich gutklassig.

    Wambachs Leistung war dafür, dass sie keine Spielpraxis hat, auch sehr ordentlich. Marta hat viel gearbeitet, das stimmt, aber dem Spiel noch nicht in dem Maße ihren Stempel aufdrücken können, wie man das von ihr erhofft und erwartet. DeVanna war wie häufig etwas zu selbstverliebt in den Ball, Boxx kann ebenfalls mehr. Am Besten haben mir insgesamt Miyama und Bompastor gefallen.

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  • Steffen sagt:

    Markus, ich meine damit, dass unsere Bundesligatopteams nicht schlechter sind, aber erheben wir den Anspruch die besten Mannschaften zu haben? Die USA erheben aber den Anspruch, dann sollten sie auch dementsprechend spielen. Aber ich denke, dass sie auf jeden Fall noch besser werden, je mehr Spiele gemacht werden.

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