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UEFA-Pokal: Kann Duisburg beim “besten Team in Europa“ bestehen?

Von am 27. März 2009 – 9.13 Uhr 1 Kommentar

Am morgigen Samstag, 28. März, 17.00 Uhr (live auf Eurosport und im Womensoccer-Liveblogging) geht das Abenteuer UEFA-Pokal für Bundesliga-Tabellenführer FCR 2001 Duisburg in die nächste Runde. Im Halbfinalhinspiel bei Olympique Lyon will sich das Team von Trainerin Martina Voss eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in acht Tagen verschaffen. Kein leichtes Unterfangen gegen das mit Weltklassespielerinnen nur so gespickte Team, das als Favorit in das Duell geht.

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Voss hat vor dem „momentan besten Team in Europa“  gewaltigen Respekt: „Die Offensive ist überragend, sehr schnell, sehr torgefährlich; und im Mittelfeld agieren einige sehr ballsichere, technisch gute Spielerinnen. Wir haben zwar eine ausgezeichnete Mannschaft, aber ich denke, dass Lyon Favorit ist.“ Die Buchmacher sehen die Ausgangssituation interessanterweise aber anders. Hier werden die Duisburgerinnen mit 14,5:10 gegenüber 25:10 bei Lyon als klarer Favorit für den Einzug ins Finale gehandelt.

Duisburgs Abwehr muss Topstürmerinnen stoppen
Auf die Duisburger Abwehrkette dürfte Schwerstarbeit warten. Lotta Schelin, die seit ihrem Wechsel von Göteborg nach Lyon einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht hat und inzwischen deutlich weniger Chancen braucht, um Tore zu erzielen, deutete beim 3:2-Sieg Schwedens gegen Deutschland beim Algarve Cup ihre Topform an. Mit sieben Treffern in fünf Spielen ist Schelin Lyons treffsicherste Schützin der bisherigen UEFA-Pokal-Saison, genauso viele hat aber auch Duisburgs Topstürmerin Inka Grings erzielt.

Darüber hinaus sorgen im Lager der Französinnen die 32-jährige Brasilianerin Katia, die in der Liga in 16 Spielen 22 Tore und vier weitere im UEFA-Pokal erzielte, und die schnelle Elodie Thomis für weitere offensive Durchschlagskraft, genauso wie Edeljoker Sandrine Brétigny, die in der Liga (14 Tore) und im UEFA-Pokal (3 Tore) ebenfalls ihren guten Torriecher unter Beweis gestellt hat. Im Mittelfeld ziehen die  Norwegerin Ingvild Stensland, die wendige Shirley Cruz Trana und die technisch versierte Schweizer Ausnahmespielerin Lara Dickenmann, deren Einsatz allerdings noch fraglich ist, die Fäden.

Personelle Sorgen bei Lyon
Sie sollen die ungeplanten Abgänge von Camille Abily und Sonia Bompastor kompensieren, die während der laufenden Saison gegen den Willen ihres Vereins in die neue US-Profiliga WPS abgewandert sind. Auch im Tor haben die Französinnen durch die Bank Weltklasseformat zu bieten, etwa Norwegens Bente Nordby oder auch Frankreichs Nationaltorhüterin Véronique Pons.

Doch neben Abily und Bompastor muss das Team auch auf die langzeitverletzte Spielführerin Sandrine Dusang (Kreuzbandriss) und Louisa Nécib (Wadenverletzung) verzichten, die wohl erst zum Rückspiel wieder fit sein wird. Wendie Renard kann möglicherweise morgen bereits wieder zum Einsatz kommen, nachdem sie beim 4:1-Sieg in Juvisy am vergangenen Sonntag einen Schlag aufs Knie bekommen hatte.

Duisburg ohne Angst vor großen Namen
Die Duisburgerinnen wollen sich allerdings von den großen Namen nicht blenden lassen, auch wenn die Generalprobe in der Bundesliga beim 0:3 gegen den 1. FFC Turbine Potsdam am vergangenen Sonntag mächtig in die Hose ging. „Das Spiel ist schlechter gemacht worden, als es war. Ich habe mich besonders über die Moral und die Kampfkraft meiner Mannschaft gefreut“, glaubt Voss, dass ihr Team dennoch der Herausforderung gewachsen ist, auch wenn der Wechsel von Fatmire Bajramaj zum 1. FFC Turbine Potsdam die Konzentration auf das Spiel nicht gerade verbessert haben dürfte.

„Wir wollen einen Titel gewinnen; daran hat sich nichts geändert; wir werden alles dafür geben, dieses Ziel zu erreichen.“ Bis auf Simone Laudehr sind derzeit alle Spielerinnen fit. Voss glaubt zu wissen, wie die Französinnen zu packen sind. „Wir wissen um die Stärken der Lyonerinnen in Offensive und Positionsspiel; wir kennen aber auch unsere Stärken. Daraus werden wir die notwendigen Schlüsse ziehen.“

Konzentration über 90 Minuten gefragt
Der in der Liga noch ungeschlagene souveräne Tabellenführer aus Lyon, der bis auf ein 0:0 im Heimspiel gegen Juvisy alle Ligaspiele gewann, stand bereits im Vorjahr im Halbfinale, schied aber damals unglücklich nur aufgrund der Auswärtstorregel nach zwei Unentschieden (1:1 und 0:0) gegen Umeå IK aus. Diesmal will es das Team von Trainer Farid Benstiti besser machen. „Wir müssen diesmal unser Heimspiel 1:0 oder 2:0 gewinnen und dürfen vor allem keinen Gegentreffer kassieren“, gibt die Brasilianerin Simone die Marschroute vor.

Doch Corine Franco warnt vor der Stärke der Deutschen: „Sie sind physisch stark, geben nie auf und sie haben in Inka Grings eine starke Stürmerin, die bereits 21 Treffer in der Meisterschaft erzielt hat.“ Deswegen gelte es, „von der ersten Minute an“ wachsam zu sein und „über 90 Minuten“ die Konzentration zu behalten. Die Partie wird von einem englischen Schiedsrichtergespann geleitet werden. Schiedsrichterin ist Alexandra Ihringova, die zuletzt Anfang Dezember bei der U20-Weltmeisterschaft in Chile das Finale zwischen den USA und Nordkorea leitete.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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