Damallsvenskan: Harte Konkurrenz für Umeå IK?

Von am 26. März 2009 – 12.58 Uhr 3 Kommentare

Mit einem 2:0-Sieg für Meister Umeå IK gegen KIF Örebro begann am Mittwochabend die neue schwedische Frauenfußball-Saison. Beide Tore erzielte Nationalspielerin Madelaine Edlund. Dennoch glauben viele, dass sich die Koordinaten für die neue Saison verändert haben.

Beim Presseauftaktreffen der Liga am vergangenen Montag wurden die 150 Teilnehmer zur Abstimmung darüber gebeten, wer in diesem Jahr den Meisterpokal gewinnen wird. 54 Prozent der Anwesenden sprachen sich dabei für LdB Malmö FC aus. Auf den Plätzen folgten mit deutlichem Abstand Vizemeister Linköping und Titelverteidiger Umeå IK.

Nicht nur Martas Wechsel in die WPS zu Los Angeles Sol schwächt dabei den vierfachen Meister in Folge. Erfolgstrainer Andrée Jeglertz wurde zu Beginn des Jahres relativ kurzfristig zur Herrenmannschaft von Djurgården abgeworben. Weitere prominente Abgänge waren Schwedens Fußballerin des Jahres 2008, Frida Östberg, die zunächst ihren Rücktritt vom Leistungssport erklärt hatte, um dann wenig später der Versuchung eines Angebots der Chicago Red Stars zu erliegen, wo sie fortan mit Brasiliens Weltstar Cristiane und der ehemaligen schwedischen Nationaltorhüterin Caroline Jönsson spielen wird.

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Umeå hofft auf Bachmann
Umeås starker Mann, Sportchef Roland Arnqvist, hatte schon im Sommer vergangenen Jahres seinen Posten geräumt, man munkelt von einem Defizit von rund 100.000 Euro im vergangenen Jahr bei den Nordschwedinnen, bei denen lediglich die Finnin Maija Saari neu verpflichtet wurde. Der neue Trainer Mika Sankala betont jedoch, dass man weiterhin auf die erfolgreiche Titelverteidigung setzt.

 „Ich bin davon überzeugt, dass in dieser Saison besonders Ramona Bachmann von sich reden machen wird“ sagte Sankala am Montag. In der Tat hat Umeå mit Bachmann, der Dänin Johanna Rasmussen sowie Madelaine Edlund und Altstar Hanna Ljungberg weiterhin ein sehr hohes offensives Potenzial.

Doch Bachmann musste zum Saisonauftakt von der Bank aus zuschauen, da sie sich bei der 0:1-Niederlage im Supercup gegen Linköping am vorigen Sonntag am Fuß verletzt hat. Es scheint mehr als zweifelhaft, ob es dem Team gelingen wird, ein Kollektiv zu bilden, das ohne die überragende Marta die Spitzenposition verteidigen kann. Mit 22 Toren und 18 Assists war Marta direkt an der Hälfte aller Umeå-Tore in der vorigen Saison beteiligt.

Topfavorit Malmö?
Im Süden Schwedens, bei LdB Malmö FC, sieht es dagegen ganz anders aus. Trainer Jörgen Pettersson wird nicht nur über eine schlagkräftige Startformation verfügen, sondern auch über eine exzellent besetzte Ersatzbank. Dort hat man nicht nur die besten Spielerinnen halten können, sondern unter anderem mit der Brasilianerin Renata Costa eine Weltklassefrau für Abwehr und Mittelfeld verpflichtet.

„Ich habe letztes Jahr ja schon in Dänemark bei Odense gespielt, insofern war der Sprung nach Schweden nicht weit. Zwar hatte ich ein Angebot von St. Louis, aber meine beiden Vereine konnten sich nicht einigen. In Schweden wollte ich immer schon einmal spielen und Malmö ist einer der besten Clubs“, erklärt Renata Costa den Wechsel nach Schweden.

Im Sturm vertraut Pettersson dieses Jahr auf die Niederländerin Manon Melis und auf Tschechiens Star Pavlina Scasna. Beide Spielerinnen gehören zweifellos zu den besten Stürmerinnen Europas.

Linköpings ohne Daniela und Cristiane
Der Dritte im Bunde der Favoriten, Linköpings FC, verlor zwar Daniela und Cristiane, verpflichtete aber die Däninnen Julia Bukh und Catrine Paske Sörensen. Nationaltorfrau Hedvig Lindahl wechselte zwar nach Göteborg, dafür kam aber mit Sofia Lundgren (früher AIK) gleichwertiger Ersatz.

Dennoch scheint der Kader der Mannschaft insgesamt dünn besetzt. Lediglich 16 Spielerinnen finden sich da, die noch notwendigen Verstärkungen sollen (wohl vor allem aus finanziellen Gründen vor allem aus der lokalen Umgebung kommen). Ob das reicht, wenn man Meister werden will?

Ernüchterung in Göteborg
Noch weniger Spielerinnen im Kader hat der ehemalige Profi Torbjörn Nilsson in Göteborg. Bis dato stehen lediglich 15 Namen auf der offiziellen Liste. Nilsson, der mit seinen Toren 1982 maßgeblichen Anteil am einzigen UEFA-Pokalsieg des IFK Göteborg (gegen den Hamburger SV) hatte, erklärte jedoch, dass man sich in der verbleibenden Woche aktiv nach weiteren Spielerinnen umsehen werde.

Von der einmal formulierten Zielsetzung, innerhalb von vier Jahren mit Kopparbergs/Göteborg Spitze in Schweden und Europa zu werden, musste sich Nilsson aber wohl spätestens nach dem Weggang von Schwedens Weltklasse-Stürmerin Lotta Schelin und der Norwegerin Ingvild Stensland (beide nach Lyon) verabschieden (im Bild stehend von links nach rechts: Linda Sembrandt (AIK), Victoria Svensson (Djurgården), Nazanin Vaseghpanah (Hammarby), Frida Sjöfors (Kristianstad), Nilla Fischer (LdB Malmö FC), Charlotte Rohlin (Linköping). Vorne von li. nach re.: Linnea Gjersvold (Piteå), Stina Segerström (Göteborg), Jessica Julin (Stattena), Alexandra Nilsson (Sunnanå), Lisa Dahlkvist (Umeå), Elin Magnusson (Örebro).

Größere Ausgeglichenheit
Allgemein glauben die Experten, dass die Damallsvenskan in diesem Jahr ungleich spannender wird als in den Vorjahren. Ob sich AIK aus Solna (bei Stockholm), im Vorjahr Vierter, auch in den Kampf um die Medaillen einmischen kann, bleibt abzuwarten. Mit Stirnrunzeln wurde quittiert, dass der neue Trainer von AIK, Patrik Jidefalk, im April erst seinen 23. Geburtstag feiert. Dennoch ist seine Mannschaft nach wie vor sehr stark. Die 19-jährige Louise Fors war in den Vorbereitungsspielen noch stärker als im vergangenen Jahr und könnte sich endgültig in die Startformation der Nationalelf spielen.

Und seitdem Schweden den Algarve-Cup gewonnen hat und dabei sowohl Deutschland wie auch die USA geschlagen hat, strotzen auch Nationaltrainer Thomas Dennerby und sein Team vor Optimismus. Zwar ist man sich bewusst, dass Deutschland an der Algarve selten sehr stark auftrumpft, aber man glaubt sicherlich nicht zu Unrecht, dass der erste Sieg gegen Deutschland nach langer Zeit den jungen Spielerinnen psychologisch einen großen Kick gegeben hat. Mit Lotta Schelin spielt auch Schwedens Top-Star im Ausland, an der Algarve war sie mit drei Toren gegen Deutschland und die USA entscheidend am Erfolg beteiligt.

Neue Talente
Und mit Fors, ihrer Mannschaftskameradin Linda Sembrant (Innenverteidigung) und Kosovare Asllani rücken starke Talente nach. Mit den Schwedinnen ist wieder zu rechnen und auch die Damallsvenskan ist sicher nach wie vor die beste Liga zumindest in Europa. Das zeigen viele Neuverpflichtungen wie etwa die der brasilianischen Nationaltorfrau Barbara (nach Sunnanå) oder dreier Kanadierinnen zu Aufsteiger Piteå.

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3 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Inzwischen hat Linköping seinen Kader mit drei Spielerinnen aufgestockt. Zurück kommt die Nigerianerin Faith Ikidi, die schon 2007 für den Club spielte. Dazu dann aus der Region Linköping Jessy Sharro und Jonna Andersson. Jonna ist erst 15 Jahre alt.

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  • Max Diderot sagt:

    Rainer, oder wer auch immer sich angesprochen fühlt, wie schaut den die Halbzeitbilanz, schließlich sind nun beinahe 11 Spieltage vorrüber, in der Damallsvenskan, die „… sicher nach wie vor die beste Liga zumindest in Europa.“ sei, aus. Was macht Umeås Post-Marta-Phase? Schlecht scheint es ja nicht zu laufen und seit gefühlten hundert Jahren entwickelt sich an der Spitze mit Göteborg eine enge Konkurrenzsituation.
    Vielleicht findest Du ja in den langen Mittsommernächten Zeit (und einen klaren Kopf), über das fußballerische Geschehen im Astrid-Lindgren-Land zu berichten. Wobei die Frauen kickenden Damen offenbar erfolgreicher sind als die blasierte Männerequipe der Schweden.

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  • Rainer sagt:

    @Max: Ich will noch das morgige Spiel von Umeå in Piteå abwarten und schreib dann eine Halbzeitbilanz, obwohl es dann am Donnerstag schon weiter geht…am Freitag feiern wir Mittsommer und es regnet, windet und ist kalt…

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