1. FFC Frankfurt stürzt Tabellenführer Bayern München

Von am 15. März 2009 – 16.04 Uhr 2 Kommentare

Noch Minuten nach dem Schlusspfiff schlotterten Frankfurts Manager Siegfried Dietrich die Knie. 90 Minuten spannender Bundesliga-Fußball zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem FC Bayern München hatten körperlichen und psychischen Tribut gleichermaßen gefordert. Am Ende war die Erleichterung bei ihm und den 3.190 Zuschauern am Brentanobad groß, mit dem Last-Minute-Sieg gegen den bisherigen Tabellenführer ein kräftiges Lebenszeichen im Kampf um die Meisterschaft gesetzt zu haben.

„Um zu verstehen, was heute passiert ist, muss man auf das Spiel vor zwei Wochen in Wolfsburg zurückblicken. Dort haben wir nach dem 0:2 eine Wiederauferstehung erlebt“, so FFC-Trainer Günter Wegmann nach dem 1:0 (0:0)-Sieg gegen die Bayern.

Highlights des Spiels auf DFB-TV

Anzeige

„Es war heute ein perfekter Tag vor einer tollen Kulisse. Dass wir in der 90. Minute den Siegtreffer erzielt haben, zeigt, dass die Mannschaft intakt ist und welche Power in ihr steckt.“

Viele Chancen
Dabei hatten sich die Frankfurterinnen lange Zeit das Leben schwer gemacht und gegen den Tabellenführer hochkarätigste Chancen ausgelassen. „Die Durchschlagskraft hat gestimmt, nur die Treffer haben wir nicht gemacht“, so Wegmann. Und fast wäre das Team für seine mangelnde Effizienz in der Schlussviertelstunde bestraft worden, als die eingewechselte Mandy Islacker nach Vorarbeit von Katharina Baunach mit einem strammen Schrägschuss von links bei einer der wenigen Münchener Chancen fast den Spielverlauf auf den Kopf gestellt hätte, ihre Meisterin aber in Torhüterin Nadine Angerer fand, die reflexartig klärte. Doch in der Schlussminute gelang Karolin Thomas mit einem Schuss aus der zweiten Reihe der nicht mehr für möglich gehaltene Siegtreffer.

Bayern-Trainer Günther Wörle schien trotz der späten Niederlage fast ein wenig erleichtert, dass seine Elf nun nicht mehr Gejagter, sondern wieder Jäger ist. „Wir haben insgesamt zu wenige Torchancen erspielt, Frankfurt war gegenüber der Vorrunde nicht wieder zu erkennen und hat heute verdient gewonnen.“ Über den Gegentreffer ärgerte er sich dennoch. „Es ist natürlich bitter, in der 90. Minute zu verlieren. Ich hatte schon vorher darauf hingewiesen, dass Karolin Thomas einen starken Schuss aus der zweiten Reihe hat.“

Aigner überraschend in Startformation
Die Bayern-Elf, in deren Reihen überraschend Nina Aigner wieder in der Startformation stand, genauso wie zum ersten Mal in dieser Saison Vanessa Bürki, begann ordentlich, ließ sich dann jedoch immer mehr das Heft aus der Hand nehmen und durfte von Glück reden, nicht schon zur Halbzeit in Rückstand zu liegen. Denn die Frankfurterinnen hatten Mitte der ersten Halbzeit durch Petra Wimbersky und Kerstin Garefrekes Chancen im Minutentakt ausgelassen.

In der zweiten Halbzeit konnten die Münchenerinnen das Spiel offen gestalten, doch das Fehlen von Tanja Wörle im Mittelfeld genauso wie eine müde wirkende Melanie Behringer ließen das bayerische Aufbauspiel dennoch nur selten gefährlich aussehen. „Durch den großen Druck vom Gegner konnte sich Behringer nicht so entfalten“, nahm Wörle die Nationalspielerin in Schutz.

Zu großer Druck
Dass die junge Bayern-Mannschaft mit dem wachsenden Druck Probleme hat, hatte sich bereits beim 2:2 in Essen gezeigt. „Es wird sich zeigen, ob es nun anders wird“, hofft Wörle, dass sein Team nun wieder etwas befreiter aufspielen und die erste Saisonniederlage gut wegstecken wird. „Wir haben heute einfach nicht gut gespielt“, zog Abwehrspielerin Sandra de Pol ein kurzes, aber treffendes Fazit.

In Frankfurt versprüht man nach dem zweiten Sieg in Folge hingegen nun wieder Optimismus pur. „Das Titelrennen wird sich zwischen Frankfurt und Duisburg entscheiden“, ist sich FFC-Manager Dietrich sicher. Die Münchenerinnen hat er im Kampf um die deutsche Meisterschaft nicht mehr auf dem Zettel. Doch ein Blick auf die Tabelle verrät: Das Titelrennen wird bis zum Ende spannend bleiben. Neben dem neuen Tabellenführer FCR 2001 Duisburg, Bayern München und dem 1. FFC Frankfurt kann möglicherweise auch der 1. FFC Turbine Potsdam noch einmal in den Kampf um die deutsche Meisterschaft eingreifen.

[leaguestandings league_id=1]

Tags: ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Brandy74 sagt:

    Über 3000 Zuschauer !!! Nicht schlecht….

    (0)
  • suplo sagt:

    Es war wirklich so voll wie beim ersten Heimspiel nach der WM 2007.

    Ob es jetzt aber an den Bayer(inne)n oder den Entzugserscheinungen durch die lange Heimspielpause lag, sei dahingestellt.

    (0)