Frankfurt gegen Bayern: Duell der Nerven am Brentanobad

Von am 14. März 2009 – 16.41 Uhr 1 Kommentar

3:2, 1:0, 1:0 – gleich drei Mal in Folge hat Bundesliga-Tabellenführer FC Bayern München im vergangenen Jahr den amtierenden Meister 1. FFC Frankfurt zu Fall gebracht. Doch wenn am Sonntag ab 11.00 Uhr drei wichtige Punkte im Kampf um Meisterschaft und Champions-League-Startplatz verteilt werden, sind die Ergebnisse des Vorjahres nur noch Schall und Rauch, mentale Stärke und die Tagesform dürften über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Die Gastgeberinnen haben nach dem 3:2-Zittersieg beim VfL Wolfsburg nach 0:2-Rückstand neuen Mut geschöpft und in den bisherigen sechs Heimspielen nichts anbrennen lassen. „Die erfolgreiche Aufholjagd war genau das Erlebnis, das wir gebraucht haben. Der Glaube an die eigene Stärke ist zurück und ein positiver Ruck ist durch das gesamte Team gegangen“, so Frankfurts Trainer Günter Wegmann.

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Verletzungssorgen auf beiden Seiten
Unter den Augen von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und weiteren Ehrengästen wollen die Frankfurterinnen mit einem Sieg der Konkurrenz aus München, Duisburg und Potsdam zeigen, dass man die Saison noch lange nicht abgehakt hat. In Frankfurt hofft man, dass man beim Team aus dem Süden durch die Verletzungen von Torhüterin Ulrike Schmetz, Abwehrspielerin Bianca Rech, Mittelfeldregisseurin Tanja Wörle und Stürmerin Nina Aigner geschwächt ist. „Ich erwarte ein sehr intensives Spiel mit viel Kampf und großer Leidenschaft, beide Teams wissen um die Brisanz und die Wichtigkeit dieses Spiels“, sagt Wegmann.

Bis auf die Langzeitverletzten sind beim Meister alle Spielerinnen einsatzbereit, Meike Weber steht nach ihrer leichten Gehirnerschütterung aus dem Wolfsburg-Spiel wieder zur Verfügung. Und auch Birgit Prinz dürfte nach überstandener Verletzung ihre Algarve-Cup-Pause genutzt haben, um neue Kräfte zu tanken. Kerstin Garefrekes, die in Portugal drei Treffer erzielte, wirkte gegen Ende des Turniers ein wenig müde, genauso wie auf Bayern-Seite Melanie Behringer.

Behringer: Druck liegt bei Frankfurt
„KG“ will die Bedeutung des Spiels nicht zu hoch aufhängen. „Eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft, wie vielleicht viele meinen, ist dieses Spiel bestimmt nicht. Der Saisonverlauf zeigt, dass die Bundesliga ausgeglichener geworden ist und bis zum letzten Spieltag noch viel passieren kann.“ Behringer sieht den Druck im Titelrennen eher auf Seiten der Frankfurterinnen. „Wenn wir das nicht schaffen, ist es eher nicht so dramatisch. Für uns ist es schon ein Erfolg, überhaupt da oben mitzumischen“, betreibt die Ex-Freiburgerin Understatement, wie die gesamte Bayern-Elf das Wort „Meisterschaft“ eher ungerne in den Mund nimmt.

In den vorigen Jahren gab es für Bayern trotz engagierter Auftritte in Frankfurt nicht viel zu holen, doch die Ausgangsposition scheint günstiger als in der Vergangenheit, auch wenn das harmonische Gefüge durch die verletzten Schlüsselspielerinnen auseinander gerissen wurde. Aigner und Rech haben das Training allerdings bereits wieder aufgenommen und könnten möglicherweise gar am Sonntag zu einem Kurzeinsatz kommen.

Angst vor der eigenen Courage?
„Eine Serie wird reißen“, sagt Bayern-Trainer Günther Wörle, ein wenig hin- und hergerissen zwischen Wunsch und Bedenken.  „Wir hoffen gemeinsam, dass unsere fast schon sensationell anmutende Serie auch nach dem Spiel weiter Bestand haben wird.“ Beim 2:2 in Essen nach 2:0-Führung vergaben die Münchenerinnen allerdings zuletzt zwei wichtige Punkte und ließen in der Schlussphase den notwendigen Killerinstinkt vermissen, den es brauchen wird, um am Ende ganz oben zu stehen.

Die erfahrene Rech, die bis 2004 in Frankfurt spielte, räumt ein: „In der  Hinrunde konnten wir die anderen jagen und haben einen Lauf bekommen. Aber jetzt sind wir die Gejagten. Damit müssen wir als Mannschaft erstmal umgehen.“ So ein wenig scheinen die Bayern der eigenen Stärke nicht zu trauen, auch wenn Rech den Titel für möglich hält. „Natürlich haben wir die Chance, aber wir dürfen uns nicht selbst unter Druck setzen, sondern müssen kühlen Kopf bewahren.“ Und eines ist für sie klar: „Egal wie der FFC bislang abgeschnitten hat, die darfst du nie abschreiben.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • suplo sagt:

    Dieses Spiel war einfach Klasse. Und hochverdient durch Karolin Thomas Tor zum 1:0 in der 90. Minute gewonnen.

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