Home » DFB-Frauen

Bianca Schmidt nutzt Gunst der Stunde

Von am 5. März 2009 – 9.38 Uhr 1 Kommentar

Es waren nicht gerade viele Spielerinnen, die in Albufeira den etwas zähen 2:0-Auftaktsieg der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Finnland beim Algarve Cup dazu nutzten, bei Bundestrainerin Silvia Neid PR in eigener Sache zu betreiben. Doch ausgerechnet eine 19-Jährige sammelte in ihrem ersten A-Länderspiel über volle 90 Minuten kräftig Pluspunkte und durfte sich getrost zu den Gewinnerinnen zählen – Bianca Schmidt.

Anzeige

Von Beginn an bestach die Spielerin mit der Rückennummer 27 durch ihre positive Körpersprache und ihre sachliche, abgeklärte Spielweise, gelegentlich setzte sie sogar Akzente im Offensivspiel.

Anders als noch im Testspiel gegen China in Bielefeld, gehörte die rechte Abwehrseite diesmal nicht zu den Schwachstellen im Team. „Nachdem die erste Aktion gelungen war, lief es ganz gut“, freute sich Schmidt, die aber selbstkritisch einräumte, dass sie sich bei einigen hohen Bällen verschätzt habe.

Müde, aber zufrieden
Der neutrale Beobachter im Süden Portugals hätte dennoch kaum ahnen können, dass die Abiturientin nie zuvor ein komplettes A-Länderspiel bestritten hat, so gut hatte die Integration ins Team geklappt. Zufrieden, erleichtert und auch etwas erschöpft meinte Schmidt nach der Partie:  „Es ist hier anders als in der U20, da ist man ganz schön kaputt. Es war anstrengend, hat aber auch viel Spaß gemacht.” Schon längere Zeit hat Neid die gelernte Stürmerin im Blickfeld.

Bereits im November 2006 durfte sie beim 6:3-Sieg gegen Japan in Karlsruhe bei den Großen reinschnuppern. Und kam dort mächtig auf den Geschmack. Nur vier Tage später erzielte sie voller Selbstbewusstsein für ihren Verein 1. FFC Turbine Potsdam beim 4:0-Auswärtssieg in Rheine ihre ersten beiden Bundesligatreffer – die Krönung einer unvergesslichen Woche und der Auftakt einer Erfolgsgeschichte, die bei der WM 2011 einen ersten großen Höhepunkt erleben soll.

Vom Sturm in die Verteidigung
Obwohl sich die athletische Spielerin im Sturm am wohlsten fühlt, sorgten ihre Vielseitigkeit und ihre Ausdauer dafür, dass sie über verstärkte Einsätze im Mittelfeld später gar in die Abwehrkette rutschte. „ Beides gefällt mir gut. Jetzt will ich mich aber als Verteidigerin in der Frauen-Nationalmannschaft etablieren“, so Schmidt.

Zum Fußball kam sie durch ihre beiden älteren Brüder Sebastian und Christian, von Mutter Ursula, die selber Leichtathletik trainiert und für kurze Zeit auch Fußball gespielt hat, hat der Blondschopf offenbar die richtigen Gene mitbekommen.

„Fußballerin mit internationalem Format“
Schon im Alter von sieben Jahren begann sie mit Leichtathletik, die Spezialisierung auf die Mittelstrecke hat dafür gesorgt, dass sie heute zu den Nationalspielerinnen mit den besten Fitness- und Ausdauerwerten gehört. Doch warum ist sie nicht bei der Leichtathletik geblieben? „Die Aussichten, etwas im Fußball erreichen zu können, haben mich sehr gereizt.“

Bis 2006 kickte Schmidt noch für die männliche B-Jugend des 1. FC Gera 03, ehe sie Turbine-Trainer Bernd Schröder nach Potsdam holte. Und es bis heute nicht bereut hat. „Sie ist im athletischen Bereich und in der Schnelligkeit eine Fußballerin mit internationalem Format“, lobt Schröder. Nur im taktischen Verhalten und bei der Schusstechnik gebe es noch Verbesserungspotenzial.

Ackern für 2011
Doch bis zu den beiden Turnieren im eigenen Land, der U20-Weltmeisterschaft 2010, wo die Schülerin der 13. Klasse des Potsdamer Sportgymnasiums noch teilnahmeberechtigt ist, und der Weltmeisterschaft 2011, bleibt noch ein wenig Zeit, das eigene Leistungsniveau parallel zu den wachsenden Anforderungen weiter anzuheben.

„Ich werde mich richtig reinhängen“, gibt sie unmissverständlich zu verstehen, dass sie nicht vorhat, die beiden Titelkämpfe ohne ihre Wenigkeit über die Bühne gehen zu lassen. Und nach dem ersten Auftritt beim Algarve Cup dürften ihre Chancen gestiegen sein.

Tags: , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Ruhrschnellweg sagt:

    Es gibt sie also doch, die Alternativen im deutschen FF. Wie schön, dass es wir Laien nicht völlig blind sind…

    (0)