Kerstin Garefrekes: Eine Spätzünderin feiert Jubiläum

Von am 4. März 2009 – 0.50 Uhr

Wenn man ein wenig Zeit mit Kerstin Garefrekes verbringt, lernt man schnell eines: Hinter der auf den ersten Blick nüchtern und etwas unterkühlt wirkenden Westfälin verbirgt sich ein lebenslustiger, schlagfertiger und humorvoller Mensch.

Ihr gesunder Sinn für Realität und ihre Bodenständigkeit machen sie nicht nur zu einem angenehmen Zeitgenossen, sondern haben die Spätzünderin seit ihrem ersten Länderspiel 2001 rasch durch 99 Länderspiele getragen. Beim Algarve Cup steht nun gegen Finnland (heute live ab 14.00 Uhr im ZDF und Womensoccer-Liveblogging) bereits ihr 100. Einsatz bevor.

Als 16. DFB-Spielerin könnte sie mit einem Einsatz gegen Finnland in den Hunderter-Klub eintreten. Doch Zahlen sind für sie nur Schall und Rauch, im Rampenlicht steht sie auch nicht besonders gern.

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„KG“, wie sie von allen nur genannt wird, war eine der großen Gewinnerin der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2003 in den USA, wo sie, damals noch in den Reihen von Heike Rheine, als international nahezu unbekannte Spielerinnen am rechten Flügel mit schnellen Vorstößen die gegnerischen Abwehrreihen vor große Probleme stellte und mit ihren vier Treffern  wesentlichen Anteil am Gewinn des WM-Titels hatte.

Später Durchbruch
Erst im  Alter von 23 Jahren ging damals ihr Stern am internationalen Fußballhimmel auf. „Heutzutage würde ich schon als alt gelten“, so Garefrekes augenzwinkernd. Nur zwei Jahre zuvor hatte sie die damalige Bundestrainerin Tina Theune in die Nationalelf gehievt, in Juniorenauswahlen war Garefrekes zuvor nicht zu finden. 2007 kam ein zweiter WM-Sieg hinzu, zweimal, in Athen und Peking, gewann sie 2004 und 2008 die Bronzemedaille bei Olympischen Spielen, 2005 wurde sie Europameisterin und zweimal gewann sie mit dem 1. FFC Frankfurt den UEFA-Pokal.

Doch die zahlreichen Turniere seit 2003, die regelmäßigen Einsätze und wenigen Regenerationspausen haben ihren Tribut gefordert. Auch ein Grund dafür, dass es derzeit bei ihr und in ihrem Verein nicht rund läuft, auch wenn im Länderspiel gegen China und beim Bundesligaspiel in Wolfsburg eine Aufwärtstendenz zu erkennen war. „Aus der Verfolgerposition zu kommen, kann auch von Vorteil sein. Niemand sollte den 1. FFC Frankfurt vorzeitig abschreiben“, ließ sie neulich im Interview ihren Kampfgeist aufblitzen.

Großer Kampfgeist
Mit ihrem ganz eigenen Gespür hat die 29-Jährige längst gemerkt, dass auf die deutsche Nationalelf bei der Europameisterschaft im August und September in Finnland die wohl größte Herausforderung der näheren Vergangenheit wartet. „Ich habe den Eindruck, die Aufgabe wird in der Öffentlichkeit ein bisschen unterschätzt.“

„Wichtig ist, dass wir beim Algarve Cup auf starke Mannschaften treffen. Nur durch starke Gegner kann man lernen und sich weiterentwickeln“, so die torgefährliche Mittelfeldspielerin, die in der Nationalmannschaft bereits 33 Tore erzielte. „Und das ist auch genau das, was wir brauchen, um bei der EM erfolgreich zu sein.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.