DFB-Team gegen China mit Licht und Schatten

Von am 25. Februar 2009 – 19.43 Uhr

„Ich bin sehr zufrieden, die junge Mannschaft hat das heute hervorragend gelöst“, freute sich Bundestrainerin Silvia Neid nach dem ersten Länderspiel des Jahres 2009 vor 17.326 Zuschauern in Bielefeld, obwohl am Ende ein vom Ergebnis her enttäuschendes 1:1  gegen China stand.

Zwar hatte die DFB-Elf die Partie über weite Strecken im Griff, doch spielerisch, in puncto Ballsicherheit, Laufwege und Durchsetzungsvermögen hätte es zum Auftakt ins EM-Jahr gegen das junge, ebenfalls stark dezimierte asiatische Team dennoch schon ein bisschen mehr sein dürfen.

Schnelle Führung
Dabei erwischte Deutschland einen Auftakt nach Maß.  Inka Grings, die nach mehr als dreijähriger Unterbrechung ihr erfolgreiches Comeback in der Nationalmannschaft feierte und in der Startformation stand, erzielte bereits nach 89 Sekunden mit leichter Unterstützung des Oberarms aus elf Metern die frühe 1:0-Führung, die Vorarbeit hatte Kerstin Garefrekes geleistet.

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„Es war keine Absicht, aber ich hätte mich auch nicht beklagen können, wenn es abgepfiffen worden wäre“, räumte die Duisburger Topstürmerin aufrichtig ein. Grings freute sich, „dass es gut los gegangen ist“, meinte aber: „Wir hätten das Spiel gewinnen müssen.“

Guter Beginn
In der etwas hektischen Anfangsviertelstunde kombinierte die deutsche Elf gut und in Ansätzen ballsicher, doch vor allem über die unsichere rechte deutsche Abwehrseite, auf die Isabell Bachor beordert worden war, setzten die frech aufspielenden Chinesinnen immer wieder Nadelstiche. Eine dieser Aktionen führte zum überraschenden Ausgleich.

DFB-Torhüterin Nadine Angerer unterschätzte eine weite Flanke von Xu Yuan und musste mit ansehen, wie der Ball in der 20. Minute über Innenpfosten und linke Wade der Chinesin Li ins Netz prallte. „Ich nehme eine Teilschuld auf meine Kappe. Aber wer selber Torhüter ist, weiß, wie schwer missglückte Flanken dieser Art zu halten sind“, so Angerer.

Verunsicherung nach Ausgleich
Die nun verunsicherte DFB-Elf verlor nun mehr und mehr den Spielfluss, auch wenn Garefrekes und Melanie Behringer sowie die aktive Grings immer wieder versuchten, Lücken in die chinesische Abwehr zu reißen. Doch wirklich gute Torchancen blieben Mangelware, der neu formierten Abwehrkette fehlte es an Abstimmung, Lena Goeßling und die noch geschwächte Linda Bresonik auf der Position der Doppel-Sechs konnten ebenfalls nur selten für Impulse sorgen.

In der zweiten Halbzeit verhalf Neid zunächst Hamburgs Kim Kulig und Turbine Potsdams Bianca Schmidt zu ihren Debüts in der A-Nationalmannschaft, Martina Müller vom VfL Wolfsburg sollte den Sturm beleben, Anja Mittag hatte in den ersten 45 Minuten nur wenig Gefahr ausgestrahlt.

Lob an junge Spielerinnen
 „Wir haben das Spiel dann wieder in den Griff bekommen. Kim Kulig hat das Heft direkt in die Hand genommen“, freute sich Neid über das Debüt der HSV-Stürmerin. Auch mit der Leistung von Schmidt und der in der Schlussviertelstunde eingewechselten Bayern-Stürmerin Nicole Banecki war sie zufrieden. „Insgesamt kann man darauf aufbauen.“

Grings verließ nach einer knappen Stunde das Spielfeld, um Fatmire Bajramaj Platz zu machen, die nach ihrer langen Verletzung noch nicht wieder Luft für 90 Minuten hatte. Auf einen sechsten möglichen Wechsel verzichtete die Bundestrainerin jedoch.

Pech für Müller
Die DFB-Elf eroberte sich in der letzten halben Stunde deutliche Feldvorteile und hätte auch in Führung gehen können, doch Müller traf zunächst per Flugkopfball den Pfosten (67.) und setzte dann auch noch einen Schuss an die Stange (84.), nachdem ihr Chinas Torhüterin Zhang Yanru den Ball vor die Füße gelegt hatte.

Fazit: Bis zum EM-Auftakt gegen Norwegen am 24. August wartet auf Bundestrainerin Silvia Neid und ihr Team noch eine Menge Arbeit. Gegen China präsentierte sich das Team in durchschnittlicher Verfassung. Gute Phasen wechselten sich mit schwachen Aktionen ab, gegen ein ambitioniertes chinesisches Team, das sich auch ohne seine Topstürmerinnen Han Duan und Ma Xiaoxu als erwartet unbequemer Gegner erwies.

Deutschland – China 1:1 (1:1)

Deutschland:
Angerer  – Bachor (46. Schmidt), Omilade, Bartusiak, Peter  – Garefrekes (75. Banecki), Bresonik, Goeßling (46. Kulig), Behringer  – Mittag (46. Müller), Grings (57. Bajramaj)
China: Zhang Yanru – Liu Huana, Yuan, Weng, Zhou – Li (46. Gao), Bi, Zhang Ying (61. Zhang Rui), Wang (71. Liu Jia – 87. Zi) – Xu, Liu Sa
Tore: 1:0 Grings (2.), 1:1 Li (20.)
Gelbe Karte: Yuan
Schiedsrichterin: Anja Kunick (Leipzig)
Zuschauer: 17 326

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.