DFB-Elf mit neuer Abwehr in den ersten EM-Härtetest

Von am 24. Februar 2009 – 15.12 Uhr 4 Kommentare

Gas geben, von null auf hundert. Silvia Neid will als DFB-Trainerin beim ersten Länderspiel des Jahres am Mittwoch (16.00 Uhr, ZDF und Womensoccer-Liveblogging) keine Halbherzigkeiten. Sechs Monate nach Olympia ist sechs Monate vor der EM. In Finnland soll der Titel von 2005 verteidigt werden. Nicht umsonst hat Neid den DFB deshalb um hochwertige Gegner gebeten.

China ist also kurz vor dem Algarve Cup zum Auftakt hoch willkommen. „Da sind wir gleich gefordert. Die spielen sehr gut organisiert, speziell in der Abwehr, sind technisch gut ausgebildet und sehr raffiniert. Da müssen wir gleich von Beginn an voll da sein“, nennt Neid die Qualitäten der Chinesinnen.

Im deutschen Team interessieren vor allem zwei Fragen. Feiert Inka Grings ihr Comeback und wie wird die Abwehr aussehen, nachdem Kerstin Stegmann, Ariane Hingst und Annike Krahn verletzt fehlen? Neids Kernaussage: „Alle Spielerinnen werden eingesetzt.“ Neid sieht diese Aussage im Verbund von China-Test am Mittwoch und Algarve-Cup in der Woche darauf.

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Comeback von Inka Grings?
Immerhin konnte die 30-jährige Grings sich am vergangenen Samstag mit fünf Toren gegen den HSV empfehlen. Die für die verletzte Birgit Prinz nachnominierte Martina Müller traf dreimal und Kim Kulig, die als Nachwuchstalent auf ihr Debüt im Mittelfeld hofft, zweimal. Wenn das kein Torhunger ist.

Grings stellt ohnehin schon seit Tagen fest: „Ich bin in guter Form. Mit 41 Toren in 64 Länderspielen ist ihr Comeback nach mehr als dreijähriger Pause von großem Interesse. „Die Probleme sind ausgeräumt.“ Grings und Neid bestätigen das, nachdem sich beide Seiten im letzten Spätherbst auf Initiative von Duisburgs Trainerin Martina Voss ausgesprochen und offenbar ausgesöhnt haben.

Neue Harmonie
Ob Grings schon am Mittwoch zum Einsatz kommt, ließ Neid offen. „Vielleicht von Beginn an, vielleicht eingewechselt oder erst an der Algarve. Ich stelle die Mannschaft erst kurzfristig auf und es gibt ja sehr gute Alternativen“, sagte sie beim Pressegespräch im mondänen Quartier „Klosterpforte“ in Marienfeld nördlich von Gütersloh. „Im Training hat Inka aber bisher sehr gute Eindrücke hinterlassen.“ Und die gab als Kompliment zurück: „Ich bin stolz, dass ich hier sein darf, das alles geklärt ist und ich eine neue Chance erhalte.“

Dass Grings derzeit offenbar auch auf Vereinssuche ist, stört zumindest die Spielerin nicht. Bis zum Monatswechsel soll sie sich entscheiden. Ob das nicht die Konzentration in der Länderspielvorbereitung störe, beantwortete die Spielerin mit: „Nein, das bringt mir etwas mehr an Abwechslung.“ Ja, sie könne sich eine Veränderung vorstellen. Erster Ansprechpartner aber bleibt der FCR 2001 Duisburg.

Wechselspekulationen
„Ich habe diesem Verein viel zu verdanken“, meinte Grings in Marienfeld. Ihr schwebe keine kurzfristige Veränderung vor. „Wenn, dann interessieren mich längere Verträge über zwei oder drei Jahre“, sagte sie. Wohlwissend um das Thema WM 2011. Das schwirrt natürlich auch in Grings‘ Kopf herum.

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Während Bayern München und Turbine Potsdam nicht als potenzielle Nachfolger gehandelt werden, hat der 1.FFC Frankfurt auf Nachfrage durch seinen Manager Siegfried Dietrich bestätigt:  „Wir stehen nicht in aktuellem Kontakt oder Verhandlungen mit Inka Grings. Sie ist eine interessante, torgefährliche Stürmerin, aber es gibt keine Vertragsgespräche.“

Umformierte Abwehr
Thema zwei ist die Zwangsumsortierung der Abwehr. „Navina Omilade hinterlässt bislang einen guten Eindruck. Sie könnte mit Saskia Bartusiak die Innenverteidigung bilden“, diskutierte Neid die Situation in der Pressekonferenz am Montag. Die Außenpositionen rechts könnten an Neuling Bianca Schmidt und links an Babett Peter gehen, meinte Neid. „Doch auch Isabell (Bachor) und Sonja (Fuss) sind gut drauf.“

Die 19-jährige Schmidt steht hoch im Kurs. Solide in der Abwehr und torgefährlich ist das Allroundtalent. „Hinten fühlt sie sich wohler als im Angriff. Aber bei Standards und Kopfbällen geht sie gerne mit vor und ist brandgefährlich“, sagt Neid. Das ist ganz klar eine interessante perspektivische Aussage. Auch die energiegeladenen Auftritte von Kathrina Baunach hinterlassen nachhaltigen Eindruck. „Die jungen Mädels machen sehr stark auf sich aufmerksam“, lobt Neid.

Kranke Da Mbabi
Während beim Personal der Spielerinnen Célia Okoyino da Mbabi sich kurzfristig grippekrank abgemeldet hat und möglicherweise erst an der Algarve zum Team stößt, hat im Betreuungspersonal der neu dazu gekommene Dr. Arno Schimpf als Psychologe alle Trümpfe in seinen Händen.

„Ein guter Mann“, sagt Grings. „Ich möchte gerne längerfristig mit ihm zusammenarbeiten“, bestätigt Neid. „Arno Schimpf soll ganz eng an der Mannschaft sein und nicht nur sporadisch. Ich möchte, dass er engen Kontakt zu den Spielerinnen hält und sie berät, was psychische Balance vor Stresssituationen betrifft. Ich brauche selbstbewusste und positiv denkende Spielerinnen bei der EM und auch später bei der WM 2011.“

Mentale Unterstützung
„Es war einfach klasse, wie er die Hockeymänner in Peking bei Olympia betreut hat. Wie die dastanden, hat mir echt imponiert.“ Die Idee war bei Neid nach Rücksprache mit dem Psychologen des Männerteams gewachsen. „Ich habe dann mehrere Telefonate mit Kandidaten geführt und mich entschieden. Dr. Arno Schimpf war sofort begeistert.“

Sportlich betont Neid: „Ich sehe das China-Spiel nicht ergebnisorientiert. Natürlich möchte ich am liebsten immer gewinnen. Aber jetzt möchte ich sehen, wie sich die Spielerinnen zeigen. Im Nationalteam sind die Anforderungen anders als im Verein. International ist viel höheres Tempo angesagt. Und da möchte ich von der Bank aus möglichst viele Erkenntnisse sammeln. Ich will sehen, wie sie mit dem höheren Tempo zurechtkommen und wie sie sich auf diesem Niveau präsentieren.“

Klar ist für Neid lediglich die Perspektive Richtung EM in Finnland: „Ich bin offen für viele Dinge. Aber klar ist: Nur die Besten fahren zur EM. Egal wie alt oder jung sie sind.“

China ohne Topstürmerin Han Duan
Die Girls aus dem Reich der Mitte sind am Montag in Bielefeld angekommen. Mit einem wieder einmal stark verjüngten Team. Trainer Shang Ruihua, 1991 schon WM-Coach und eigentlich nur als Kurzzeitlösung für Olympia gedacht, soll nun doch eine schlagkräftige Truppe für die WM 2011 aufbauen und er beginnt jetzt.

Im Januar gab es schon das Vier-Nationen-Turnier in Guangzhou. Es wurde gewonnen. Vor Südkorea, Finnland und Neuseeland. Es hat schon eine kleine Tradition, dass er auf dem Weg an die Algarve Zwischenstation macht, vornehmlich in Deutschland. Auffällig beim Blick auf seinen Kader: Topstürmerin Han Duan fehlt. Etwas über 140 Länderspiele mit über 100 Toren.

Die hoch aufgeschossene 25-Jährige aus Dalian ist nicht berücksichtigt, weil sie gerade bei Los Angeles Sol im Marta-Klub der neuen US-Profiliga unterschrieben hat. Trainer Shang stört das. Er gönnt der Torjägerin aber den Schritt und hofft, „dass sie sich weiter verbessert hat, wenn sie dort aufhört und uns dann helfen kann mit einem Comeback.“ So jedenfalls erklärte er es gerade im chinesischen Sportradio.

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4 Kommentare »

  • Marcel sagt:

    Sehr schöner Bericht ,vor allem sehr ausführlich.
    Sehr interessant find ich das mit dem Psychologen was man auch so durch die normale Presse mal wieder nicht mitbekommen hätte.
    Bin auf jedenfall gespannt wie die „Neuen“ sich so machen am Mittwoch.

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  • Markus Juchem sagt:

    Wir haben mit Dr. Arno Schimpf bereits ein Interview vereinbart, das wir nach dem Algarve Cup führen werden, wenn er etwas mehr zur Arbeit mit den DFB-Spielerinnen erzählen kann. Wer vorab schon ein paar mehr Details über ihn wissen möchte, kann schon mal auf seiner Website vorbeischauen: http://www.arnoschimpf.de/

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  • Marcel sagt:

    Bin schon gespannt und hoffe mal das unsere Mädels nicht alle hoffnungslose psychische Wracks sind 😀

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  • Brandy74 sagt:

    Das morgige Spiel wird mit den ganzen Neuen sicherlich sehr interessant werden,aber wenn die Stege und Co wieder gesund sind,werden sie ungesehen eh wieder in der Stammelf stehen….
    Und irgendwann steht Bartusiak bestimmt mal im Tor (Vorsicht Ironie)

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