Frauenfußball – ein Vermarktungsfeld der Zukunft?

Von am 9. Februar 2009 – 15.21 Uhr

„Frauenfußball – ein Vermarktungsfeld der Zukunft?“, hieß das Thema einer Podiumsdiskussion am vergangenen Freitag in Stuttgart, zu der die agentur 5 Experten aus dem gesamten Bundesgebiet eingeladen hatte.  An der illustren Gesprächsrunde nahm unter anderem auch Bayern Münchens Nationalspielerin Bianca Rech teil, die vor etwa 60 Gästen, darunter auch Michael Rummenigge, mit so manchem Vorurteil aufräumte.

„Die Akzeptanz des Frauenfußball ist im Vergleich zu früher wesentlich größer geworden, die Anforderungen und Anfragen an die Spielerinnen haben extrem zugenommen. Der Aufwand ist wesentlich größer, als vor sieben oder acht Jahren“, so Rech zu Beginn der Gesprächsrunde, nachdem zuvor Michael Rummenigge einen viel beachteten Vortrag zum Thema „Der Erfolgsfaktor Mensch“ gehalten hatte.

Einigen staunenden Gästen erklärte Rech, dass die meisten Spielerinnen „voll berufstätig oder Studentinnen“ seien, und viele Opfer für ihren Sport bringen würden. „Viel Freizeit bleibt den Spielerinnen nicht“, so Rech.

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Trend hin zu den großen Klubs
Auf die Zukunft der Frauenfußball-Bundesliga angesprochen, prophezeite Rech, dass es einige Vereine „in Zukunft schwer haben werden“, wie etwa „Bad Neuenahr, Crailsheim oder Sindelfingen“.  „Köln und Hertha – dahin wird der Trend gehen“, ist sich die 28-Jährige sicher. Michael Bofinger, Geschäftsführer der Sport Region Stuttgart e.V., findet diese Entwicklung für die Provinzvereine zwar negativ, betont aber auch, dass sie „der Liga etwas bringen wird.“

Dominik Kaesberg, Geschäftsführer der Agentur Fussballmarkt.com, glaubt, dass die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 20011 im eigenen Land genau zur rechten Zeit kommt. Auch selber wolle man von dieser Entwicklung profitieren. „Mit Laura Vetterlein haben wir ein Zugpferd, dass wir Richtung 2011 aufbauen wollen.“

Heißer Kampf um die WM-Plätze
Dass sich Stuttgart nicht als WM-Austragungsort 2011 beworben hat, hält Bofinger für keinen Nachteil. „Die Bewerbung von Sinsheim hat dabei sicherlich eine Rolle gespielt. Die WM wird dennoch auch in unsere Region ausstrahlen. Der Württembergische Fußballverband unternimmt zahlreiche Anstrengungen, junge Mädchen im Rahmen von Girlscamps an den Frauenfußball heranzuführen.“

Rech glaubt, dass in den kommenden zwei Jahren im Hinblick auf die WM noch zahlreiche Spielerinnen auf sich aufmerksam machen werden. „Der Kampf um die Plätze beginnt bereits jetzt, auch wenn das Nahziel erst einmal die Europameisterschaft ist.“

podiumsdiskussion_stuttgart2DFB-Hallenpokal soll neuen Standort bekommen
Marc Ullerich, bei der Deutschen Telekom verantwortlich für das Corporate Sponsoring, freut sich, dass sein Unternehmen bei der WM 2011 mit an Bord ist. „Wir sind der erste nationale Förderer der WM und seit 2008 auch Sponsor des Hallenpokals. Der Frauenfußball rundet unser Engagement im Fußball ab.“

Weniger glücklich sei man mit dem kürzlich ausgetragenen DFB-Hallenpokal in Magdeburg gewesen. „Wir hoffen, dass ein attraktiver neuer Standort gefunden wird. Wir waren mit Magdeburg nicht wirklich einverstanden, und haben das dem DFB gegenüber auch deutlich gemacht. Auch die Spielerinnen fanden es dort nicht wirklich gut.“

Problemkind Bundesliga
Ullerich glaubt, dass es der Frauenfußball, was die TV-Präsenz der Bundesliga angeht, auch in Zukunft nicht einfach haben wird. „Außerhalb der Nationalmannschaft ist das schwierig.“ Sein Unternehmen wolle sich im Rahmen der Frauenfußball-Bundesliga auch nicht weiter beteiligen. „Das macht historisch keinen Sinn für uns, aber es gibt sicherlich Möglichkeiten, wo sich Unternehmen engagieren können.“

„Die Zuschauerakzeptanz in der Bundesliga ist nach wie vor schlecht“, betonte Rech. „Das ist sehr schade. Wir können nur hoffen, dass sich etwas tut.“ Und sie räumte ein: „Wir beim FC Bayern München spielen lieber auswärts als zuhause, denn dort feuern uns immer viele Fans der bundesweiten Fanclubs an.“

Eigenständiges Pokalfinale begrüßt
Einig waren sich alle Beteiligten, dass ein eigenständiges DFB-Pokalfinale dem Frauenfußball gut tun wird. „Es wäre gut, wenn man es im Westen austrägt“, so die Meinung Rechs. Und Bofinger ergänzte: „In Berlin war das Endspiel immer nur ein Anhängsel. Es war allerdings richtig, am Anfang die Sogwirkung zu nutzen.“

Bofinger plädiert dafür, das Endspiel „immer am selben Ort“ auszutragen. Kaesberg hofft, dass man bei der Wahl des Stadions in puncto Größenordnung mit Bedacht auswählt. „Man sollte ein Stadion nehmen wie Duisburg.“

„TeamGo11“ mit Rech und den Banecki-Zwillingen
Zum Abschluss der Podiumsdiskussion gab die agentur 5 bekannt, sich zukünftig verstärkt für den Frauenfußball engagieren zu wollen. Aus diesem Grund habe man Vermarktungsverträge mit den drei Bayern-Spielerinnen Bianca Rech, Nicole Banecki und Sylvie Banecki abgeschlossen.

„Unser Projekt TeamGo11 ist auf drei Jahre angelegt. Unser Ziel ist es, insgesamt sechs oder sieben deutsche Spielerinnen unter Vertrag zu nehmen. Wir wollen sie bei gezielten Aktionen, wie Roadshows oder Frauenfußball-Camps einsetzen“, erklärte Stefan Wiech, Strategy Director der agentur 5. 

Rech soll dabei aufgrund ihrer Erfahrung eine Führungsrolle einnehmen. „Wir sehen das Potenzial des Frauenfußballs und haben Spaß daran, mit diesen Spielerinnen zusammenzuarbeiten“, so Wiech weiter.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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