U16 und U17: Schuften für den großen Traum

Von am 2. Februar 2009 – 0.04 Uhr 6 Kommentare

Wintertrainingslager in Florida – für manche Ohren mag das erst einmal so klingen, wie wenn sich die 30 Spielerinnen der U16- und U17-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die vorigen Montag inklusive Trainer Ralf Peter und Betreuerstab für knapp zwei Wochen von Frankfurt aus Richtung USA aufbrachen, dort eine schöne Zeit machen, nur unterbrochen durch ein bisschen Training und ein paar lockere Länderspiele gegen eine US-Auswahl. Doch die Realität sieht anders aus.

Täglich zwei harte Trainingseinheiten, Taktikschulungen, Testspiele und Videoanalysen – das voll gepackte Programm liefert dem Trainerstab, dem erstmals auch Silke Rottenberg als Torwarttrainerin angehört, wichtige und wertvolle Hinweise, die Spielerinnen zu identifizieren, die sich bei den kommenden großen Aufgaben bewähren sollen.

Vom 9. bis 14. April steht die zweite Qualifikationsrunde zur U17-EM auf dem Programm, mit Spielen gegen Russland, Ungarn und die Schweiz, im Erfolgsfall will man dann vom 19. bis 26. Juni im schweizerischen Nyon den im Vorjahr gegen Frankreich gewonnenen EM-Titel verteidigen. Anfang September startet dann bereits die Qualifikation zur U17-Europameisterschaft 2010, nächster Top-Höhepunkt wird dann die Weltmeisterschaft 2010 in Trinidad und Tobago sein.

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Gewachsene Anforderungen
Die erste U17-Weltmeisterschaft in Neuseeland hat vor einigen Monaten eindrucksvoll gezeigt, welchen Anforderungen und welchem Druck Spielerinnen heute bereits im jungen Alter ausgesetzt sind. Umso wichtiger für die Verantwortlichen, frühzeitig zu sichten, welche Talente nicht nur über die notwendige fußballerische Qualität verfügen, sondern auch über mentale Stabilität, eine immer wichtiger werdende Komponente im Mädchenfußball und Frauenfußball gleichermaßen.

Im 30er-Kader stellt der VfL Sindelfingen mit vier Spielerinnen den größten Anteil (Leonie Maier, Nicole Rolser, Melike Baki, Annika Schmidt), der FC Bayern München (Katrin Hartmannsegger, Annika Doppler, Ivana Rudelic) und die SG Wattenscheid 09 (Ramona Petzelberger, Janine Angrick, Kyra Malinowski) haben jeweils drei Spielerinnen abgestellt. Es folgen der FCR 2001 Duisburg (Luisa Wensing, Jenny Kupzig) mit zwei Abstellungen und zahlreiche Teams, die jeweils eine Spielerin entsandt haben:

Der SC Freiburg (Laura Benkarth), Bayer 04 Leverkusen (Lisa Schmitz), FC Düren-Niederau 08 (Johanna Elsig), TSV Jahn Calden (Carolin Simon), 1. FC Saarbrücken (Laura Vetterlein), TSG 1899 Hoffenheim (Stephanie Breitner), SV Westfalia Scherfelde (Claudia Götte), SV Westfalia Osterwick (Lynn Mester), TSV Crailsheim (Annika Eberhardt), JSG Remseck 08 (Lena Nuding), TGM SV Jügesheim (Anna Becker), TSV Uetersen (Nina Brüggemann), SC Fortuna Köln (Laura Eßer), VfL Borussia Mönchengladbach (Carina Flemming), FV Löchgau (Jana Blessing), SG Essen-Schönebeck (Sofia Nati), TSV Tettnang (Isabella Schmid) und JFG Würzburg (Lena Lotzen).

Talente weiterentwickeln
Einige der nominierten Spielerinnen konnten in Neuseeland bereits WM-Luft schnuppern und auf sich aufmerksam machen, andere Talente sollen in Zukunft für Furore sorgen sollen und haben national bereits aufhorchen lassen, wie etwa die 15-jährige Stürmerin Sofia Nati, die bei der SG Essen-Schönebeck bereits Bundesliga- und DFB-Pokal-Spiele absolvierte und zuletzt auch beim DFB-Hallenpokal aktiv war.

Ebenfalls im Blickfeld steht Abwehrtalent Nina Brüggemann vom TSV Uetersen, die im Sommer von der männlichen B-Jugend ihres Vereins zu Bundesligist Hamburger SV wechseln wird, wo sie bereits schon an Trainingseinheiten teilgenommen hat. „Gegen die USA zu spielen, ist eine große Herausforderung“, freut sich Brüggemann auf die Testspiele gegen die traditionell starke US-Jugend.

Silke Rottenberg kümmert sich um die drei talentierten Torhüterinnen Lisa Schmitz, Laura Benkarth und Lena Nuding, Letztere wurde zuletzt als beste Torhüterin beim DFB-Länderpokal in Duisburg ausgezeichnet. „Ich freue mich auf meine Feuertaufe und die Zusammenarbeit mit den Mädels sowie dem Team um Bundestrainer Ralf Peter“, so Rottenberg.

Ergebnisse zweitrangig
Für einige der deutschen Spielerinnen wird es ein Wiedersehen mit den amerikanischen WM-Gegnerinnen geben, gegen die man im Halbfinale der U17-WM Mitte November in Christchurch mit 1:2 unterlag. Denn im US-Trainingslager sind 16 Spielerinnen aus dem damaligen WM-Kader, darunter etwa die starke Mittelfeldspielerin Kristie Mewis sowie die Stürmerinnen Vicki DiMartino und Courtney Verloo, die mit ihren Treffern das WM-Aus der Deutschen besiegelten und in Neuseeland neun der zwölf US-Tore erzielten.

Doch ob Sieg oder Niederlage dürfte für Ralf Peter in den Testspielen von untergeordneter Bedeutung sein. Vielmehr wird es darum gehen, zu sehen, wie sich die Spielerinnen taktisch verhalten, mit Drucksituationen umgehen und ihre individuellen Stärken ausspielen können. Wer hier überzeugen kann, dürfte gute Karten haben, bei den nächsten EM-Spielen und bei erfolgreicher Qualifikation vielleicht auch bei der WM 2010 sein Können auf internationaler Bühne unter Beweis stellen zu dürfen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Pinguin sagt:

    Auch wenn Ergebnisse keine Rolle spielen sollen, so hört sich
    USA – Deutschland (0:3) (2.2.2009 = gestern; Quelle: doch schon mal ganz gut an.

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  • Markus Juchem sagt:

    Die Tore erzielten Johanna Elsig (9. und 85.) und Lynn Mester (39.). Bundestrainer Ralf Peter sagt: „Wir haben gegen einen starken Gegner schön nach vorne gespielt. Man hat gesehen, dass dies ein sehr guter Jahrgang ist. Wir haben die Trainingseinheiten gut umgesetzt und hätten durchaus noch höher gewinnen können.“ Den bisherigen Verlauf des Trainingslagers bezeichnete der Coach als „hervorragend. Wir haben hier bei 20 bis 25 Grad optimale Bedingungen.“

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  • Markus Juchem sagt:

    Das zweite Aufeinandertreffen endete 1:1. Makenzie Doniak brachte die Amerikanerinnen nach einer halben Stunde in Führung, Sofia Nati gelang in der 71. Minute der Ausgleich.

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  • Markus Juchem sagt:

    Die DFB-Auswahl hat das letzte von drei Testspielen mit 2:1 gegen die USA gewonnen. Courtney Procter (37.) brachte die USA in Führung, doch Treffer von Annika Eberhardt (57.) und der eingewechselten Janine Angrick (85.) drehten die Partie zugunsten der Deutschen.

    „Ich bin sehr zufrieden, dass wir das letzte Spiel hier trotz vieler Verletzungen erfolgreich absolviert haben. Dass wir das 0:1 noch gedreht haben zeigt, dass die Moral in der Mannschaft stimmt. Wir haben vor allem in der zweiten Halbzeit sehr gut gespielt, waren aggressiv, haben die Zweikämpfe gewonnen und uns sehr viele Torchancen erspielt. Insgesamt haben wir heute hochverdient gewonnen“, so das Fazit von DFB-Trainer Ralf Peter.

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  • djane sagt:

    …die Gute heißt AnnikA Eberhardt, Markus. Annike war die mit dem doppelten Bänderriss…:)

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  • Markus Juchem sagt:

    Arrgh, danke, korrigiert. Schon mein zweiter Dreher heute.. 😉

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