WPS präsentiert cleveres Playoff-Format

Von am 30. Januar 2009 – 11.38 Uhr 17 Kommentare

Noch vor dem offiziellen Start am 29. März hat die neue US-Profiliga Women’s Professional Soccer (WPS) für Aufsehen gesorgt. Mit einem simplen, aber überzeugenden Playoff-Modus wollen die WPS-Verantwortlichen die Fans für sich gewinnen, für Spannung bei den Fernsehzuschauern sorgen und den Top-Vereinen Planungssicherheit geben. Pikantes Detail: Die Saison endet, anders als bisher erwartet, vor Beginn der Europameisterschaft in Finnland.

Der Modus sieht vor, dass die besten vier der sieben Teams umfassenden Liga Playoffs bestreiten, der Sieger der regulären Saison mit einem direkten Startplatz im WPS-Finale belohnt wird. In der ersten Playoff-Runde wird der Saisonvierte am 15. August ein Auswärtsspiel beim Saisondritten bestreiten müssen.

WPS-Chefin Tonya Antonucci erläutert den Playoff-Modus (Englisch)

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Drei Playoff-Spiele
Der Saisonzweite empfängt am 18./19. August im Super-Semifinale auf eigenem Platz den Sieger des Duells Dritter gegen Vierter. Der Gewinner des Super-Semifinales ist dann am 22. August auswärts Gegner des Saisonersten im großen WPS-Finale. Die Debütsaison der WPS endet somit zwei Tage, bevor in Finnland die Europameisterschaft eröffnet wird, so dass es zumindest für das Turnier selbst keine Abstellungsprobleme mit Spielerinnen aus Europa geben wird.

Modus kombiniert europäische und US-Tradition
Durch den Modus verbindet die WPS amerikanische Playoff-Tradition, trägt aber auch den europäischen Wurzeln der Sportart Rechnung, indem sie den Sieger der regulären Saison für seine Leistungen belohnt und ihn mit einem lukrativen Heimspiel im WPS-Finale beschert. Durch das frühzeitige Wissen um den Finaleinzug kann dieses Team auch mit einem ordentlichen Vorlauf die Werbetrommel rühren und den Ticketverkauf ankurbeln.

Belohnung für Leistung in regulärer Saison
Auch der Zweit- und Drittplatzierte der regulären Saison werden für die Leistungen im Saisonverlauf mit Heimspielen in den Playoffs belohnt. Das stärkste Team der Saison kann sich also mit einem einzigen Sieg im Finale zum Champion krönen, während ein in der Saison schwächeres Team in den Playoffs mehrere Hürden überwinden muss, um den Titel zu holen. Ein einfacher, aber sportlich überzeugender Modus. Die Fernsehzuschauer dürfen sich auf drei spannende K.-o.-Spiele mit Final-Charakter freuen.

Vorfreude auf Start am 29. März
„Wir haben verschiedene Optionen geprüft“, sagt WPS-Chefin Tonya Antonucci. „Wir hatten das Gefühl, dass es gut ist, die Teams für ihre Platzierung in der regulären Saison zu belohnen, aber gleichzeitig die amerikanische Playoff-Tradition mit K.-o.-Spielen aufrechtzuerhalten. Ich freue mich schon jetzt auf die Geschichten, die die erste Saison der WPS und die Playoffs schreiben werden.“

Zwei neue Teams in 2010
Die WPS startet am 29. März mit sieben Teams in ihre erste Saison – Bay Area, Boston, Chicago, Los Angeles, New Jersey/New York, St. Louis und Washington D.C. sind die ersten sieben Städte, die in der Debütsaison Teams stellen. 2010 sollen Atlanta und Philadelphia hinzu kommen.

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20 Spieltage
Die reguläre Saison wird 20 Spieltage umfassen, so dass jedes Team in den Genuss von zehn Heimspielen kommen wird, die in der Regel am Wochenende ausgetragen werden. Mit langsamem, aber stetigem Wachstum soll die Liga anders als ihr Vorgänger WUSA zum Erfolg geführt werden. „Wir peilen Zuschauerzahlen zwischen 4.000 und 6.000 an und wir werden sehr sorgfältig über unsere Kosten wachen. Wir wissen, es ist ein Marathon und kein Sprint. Wir wollen nach der fünften Saison beurteilt werden, nicht nach der ersten“, so Antonucci.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

17 Kommentare »

  • djane sagt:

    Hallo Markus, aber nur weil die Saison zwei Tage vor der EM endet, bedeutet das doch lange nicht, daß die betroffenen Spielerinnen ruckzuck über den Teich nach Finnland fliegen und nahtlos einsteigen könnten. Zu Turnieren von diesem Format gehören doch immer Lehrgänge und spezielle Trainingslager, und an diesen könnten die Spielerinnen wohl kaum teilnehmen. Oder irre ich mich da ?

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  • Markus Juchem sagt:

    Es stimmt schon, dass es trotzdem nicht bei allen Spielerinnen ganz reibungslos klappen kann. Aber bisher wurde immer davon ausgegangen, dass sich die WPS-Saison mit der EM in Finnland überschneidet, das ist ja nun nicht der Fall.

    Also rein theoretisch wäre es somit beispielsweise für Nadine Angerer wohl schon möglich gewesen, in den USA zu spielen, zumal das Finale ja nur die zwei erfolgreichsten der sieben Teams bestreiten.

    Nadine Angerer sagt selber aktuell noch im Interview: „Aber die Endrunde in den USA fällt mit der Europameisterschaft in Finnland terminlich zusammen“
    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/aktuell/?em_cnt=1664692&

    Sie sagt aber auch, dass die Hin- und Herfliegerei in der Vorbereitung nix für sie gewesen wäre, zumal sie wohl anders als Jürgen Klinsmann anno 2006 nicht First Class reisen könnte. 😉

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  • djane sagt:

    Ja, ich habe mich allerdings schon zum Zeitpunkt des Interviews über die Aussage gewundert bzw. sie kam mir eher wie eine Ausrede vor. Angerer ist ja nicht zu ersten Mal dabei und sollte doch wissen, daß man zwischen Liga und Turnier-Vorbereitungseinheiten nicht ständig hin und her pendeln kann.
    Dieses First Class /Business/Economy Ding scheint doch wichtiger zu sein als man denkt, Silke Rottenberg hat auf ihrer HP in der aktuellen Kolumne auch bemerkt, daß sie mit der U16/17 nur in der Economy zur Vorbereitungszwecken nach Miami fliegt… naja, ich kann’s verstehen, bin auch nicht gerade klein. 🙂

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  • Fuxi sagt:

    Ich würde mal sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass der Liga-Erste auch Meister wird, ist relativ hoch. Nicht nur, dass er die wenigsten Spiele hat: Der Vierte oder Dritte hat die AK, müsste bis mit dem Final dreimal in 7 Tagen ran. Besonders schön bei den „extremen“ Reisen von und nach Bay Area, Boston, NY/NJ und LA. Anja Mittag wird sich bedanken, wenn sie da in so kurzer Zeit mit Gold Pride zu den Red Stars, Sky Blue und den Breakers darf. Und dann stünde die EM für sie unter einem ganz anderen Stern – als Risikofaktor…

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  • Markus Juchem sagt:

    Dass mit den wenigsten Spielen muss aber nicht unbedingt ein Vorteil sein. Für den Sieger der regulären Saison ergibt sich ja eine nicht ganz unbeträchtliche Pause bis zum Finale, das kann auch ein Nachteil sein gegenüber dem anderen Team, das sich schön in einen Rhythmus spielen kann.

    Aber ich vermute, dass der Sieger der regulären Saison am Halbfinaltag ein Testspiel gegen ein ausgeschiedenes WPS-Team bestreiten wird, um in Schuss zu bleiben.

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  • djane sagt:

    innerhalb der WPS bleibt auf Grund der extremen Distanzen auch zu hoffen, daß dort mehr geflogen wird- davon kann man ja im deutschen FF nur träumen. Die Damen tun mir schon leid, wenn jedes zweite WE im Bus verbracht werden muß bei Distanzen wie Potsdam-Freiburg oder München-Hamburg. Das schlaucht und belastet glaube ich deutlich mehr als so ein Flug L.A.-NY.

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  • Katha sagt:

    Naja, die Außnahme sind ja die FCB Mädels.
    Die dürfen den Flieger vom Verein nehmen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Ich muss meine Aussage von vorhin zurücknehmen. Hatte nicht mehr im Hinterkopf, dass die Abstellungspflicht für Endturniere im internationalen Frauenfußball-Kalender 14 Tage vor dem ersten Spiel beträgt, das heißt dass die Vereine ihre Spielerinnen am 9. August für die EM freigeben müssen, somit ist es also unmöglich, sowohl WPS-Playoffs als auch EM zu spielen.

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  • Hullu poro sagt:

    Ich weiß ja nicht. Play-off-Runden sind für mich nur ein Showelement ohne sportlichen Wert. Für mich ist die Mannschaft, die am Ende der (regulären) Saison oben steht verdienter Meister. Dieses WPS-System mit den Freilosen ist m.E. wettbewerbsverzerrend.

    Amis halt…

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  • spoonman sagt:

    Im Prinzip bin ich auch gegen jede Art von Playoff-Runden zum Saisonende, aber man muss nun mal akzeptieren, dass die Amis das so gewohnt sind, und da finde ich die WPS-Regelung tatsächlich ziemlich clever. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Liga mit nur 7 Teams sowieso nicht besonders toll ist, aber sie fangen ja auch gerade erst an.

    Das WPS-System erinnert übrigens an das in Australien gebräuchliche Page-Playoff-System, aber das nur am Rande.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Page-Playoff-System

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  • Hullu poro sagt:

    Was mich mal interessiert: Wie kommt die WPS bei sieben Mannschaften auf 20 Spiele pro Mannschaft? Wenn jede Mannschaft dreimal gegen jede andere antritt macht das 18 Spiele. Und wo kommen die anderen zwei her?

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  • Markus Juchem sagt:

    Das habe ich mich auch schon gefragt. Bisher gibt es aber nur diese Ankündigung der 20 Spieltage , der komplette Spielplan soll in der nächsten Woche veröffentlicht werden.

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  • Jarmusch sagt:

    @Hullu poro

    von gleichmäßig verteilten Spielen gegen jeden Ligagegner hat sich der amerikanische Sport doch längst verabschiedet.
    In der NHL (Eishockey) spielen z.B. die Vereine innerhalb einer Division 6x gegen ihre Kontrahenten, jedoch nur 2x gegen die Gegner der anderen Conference.
    Das die Tabelle damit nicht wirklich gerecht sein kann nimmt man gerne in Kauf… Hauptsache der Kommerz stimmt.

    Ich kann mich mit diesen ganzen künstlichen Konstrukten überhaupt nicht anfreunden, aber jedem das seine.

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  • spoonman sagt:

    Im deutschen Eishockey gibt es ja inzwischen ein ähnliches Spielplan-Kuddelmuddel.

    Bei der WPS könnte ich mir auch vorstellen, dass gegen die geografisch nächstgelegenen Gegner häufiger gespielt wird als gegen die weiter entfernten.

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  • djane sagt:

    wenn es mehr Mannschaften wären, würde sich ja auch -equivalent zur NBA- eine Aufsplittung in Eastern, Western und Mid-Division anbieten- aber das wird wohl nach paar Jährchen dauern.

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  • Markus Juchem sagt:

    Es wird so aussehen, dass alle Mannschaften jeweils drei Mal gegen ihre Konkurrenten spielen, dazu kommen wohl zwei zusätzliche Spiele gegen einen regionalen Konkurrenten. Der komplette WPS-Spielplan wird morgen Abend um 19.00 Uhr MEZ veröffentlicht.

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  • Markus Juchem sagt:

    Also heute Abend meine ich, Donnerstag Abend. 😉

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