Keine Live-Übertragung vom DFB-Hallenpokal

Von am 22. Januar 2009 – 1.54 Uhr 17 Kommentare

Im Vorjahr übertrug der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in seinem dritten Programm noch zwei Stunden live vom DFB-Hallenpokal in Bonn. Doch diesmal wird es von dem am Samstag, 24. Januar, erstmals in Magdeburg ausgetragenen Turnier keine Livebilder, sondern nur eine einstündige Zusammenfassung der Höhepunkte geben.

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) begnügt sich im Rahmen der Sendung „Sport im Osten extra“ von 17 Uhr bis 18 Uhr mit den Highlights des mit allen zwölf Frauenfußball-Bundesligisten hochkarätig besetzten Hallenturniers. Ausschnitte der Veranstaltung werden wie im Vorjahr zudem in der ARD-Sportschau zu sehen sein. Keine Selbstverständlichkeit, denn ursprünglich war überhaupt keine Fernsehübertragung geplant.

60 Minuten das höchste der Gefühle
„Für diesen Tag war gar keine Sport-im-Osten-Sendung vorgesehen; dann zunächst 30 Minuten“, so MDR-Sportchef Wolf-Dieter Jacobi gegenüber Womensoccer.de. Dank der Hilfe von Fernsehdirektor Wolfgang Vietze gibt es „jetzt sogar eine Stunde“. Beim MDR verweist man darauf, nur selten Extra-Sendungen auszustrahlen, in diesem Jahr sind nur fünf Termine eingeplant.

Anzeige

Wenigstens die sportlich interessantesten Finalspiele live auszustrahlen, hielt man beim MDR für keine gute Idee. „Bei einer Live-Schlussphase kämen für uns wichtige Aspekte, wie die Vorrunde oder der regionale Aspekt Jena zu kurz. Live war bei uns zu keinem Zeitpunkt geplant.“ Man will „thematisch möglichst umfassend berichten, dabei viele Teams zeigen, auch kleine interessante und emotionale Geschichten.“ Mit diesem Konzept hofft man, „einen größeren Programmerfolg als der WDR im Vorjahr zu erzielen.“

Dietrich: „Finde das sehr schade“
Nun gibt es zwar eine Sendung mit angekündigten hochkarätigen Gesprächspartnern, das Finale ist bei Sendebeginn jedoch schon Geschichte, dank Videotext und Internet wird man also als interessierter Frauenfußball-Fan über den Ausgang des Geschehens schon informiert sein, bevor die ersten Bewegtbilder im Fernsehen zu sehen sein werden. Das Live-Erlebnis und das Mitfiebern an den Fernsehschirmen bleiben auf der Strecke.

Nicht jeder teilt denn auch die Vorgehensweise der MDR-Verantwortlichen. „Ich finde das schon sehr schade, dass es keine Live-Übertragung gibt“, so Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt gegenüber Womensoccer.de. „Die Attraktivität der Veranstaltung in der Hardtberghalle in Bonn war ja auch mit der starken TV-Präsenz verbunden“, so Dietrich.

Schleppender Vorverkauf
Nach Koblenz (1994 bis 1996), Frankfurt (1997 und 1998) und Dessau (1999) hat sich das Turnier in Bonn in den Jahren 2000 bis 2008 zu einem der Highlights im nationalen Frauenfußball-Kalender entwickelt. Seit 2004 war das Turnier in jedem Jahr bereits Wochen vor der Veranstaltung ausverkauft, wegen der begrenzten Zuschauer-Kapazität von 2.900 Besuchern und dem wachsenden Interesse der Fans zog man nun in die Magdeburger Bördelandhalle um, deren Kapazität mit 5.000 Zuschauern doppelt so hoch ist.

Doch im Vorverkauf gingen bisher nicht viel mehr als 3.000 Tickets weg, ein nur geringes Plus gegenüber Bonn. Allzu viele dürften an der Tageskasse nicht mehr dazu kommen. „Eine vollbesetzte Halle erreichten wir dort auch erst in den letzten Jahren“, so DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. Werner Georg, Präsident des Fußballverbands Sachsen-Anhalt, meint: „Es ist für den Verband ein wichtiges Ereignis, um zu dokumentieren, dass wir ein Rieseninteresse für Frauen- und Mädchenfußball haben.“

Sinsheim in den Startlöchern
Umso unverständlicher, dass man im Fernsehen dem wachsenden Interesse mit einer Verknappung der Übertragungszeit begegnet. Um den Frauenfußball in Richtung WM stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, wäre die vertragliche Fixierung einer Live-Übertragung schon vor der Vergabe an  Magdeburg wünschenswert gewesen.

Keine vollbesetzte Halle und eine reduzierte TV-Übertragung – zwischen Wunsch und Realität klafft zwei Jahre vor der Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land noch eine große Lücke. Und so dürfte es Magdeburg wohl schwer haben, auch im kommenden Jahr in den Genuss zu kommen, den DFB-Hallenpokal auszurichten.

Am WM-Spielort Sinsheim bekundet man bereits großes Interesse, ab 2010 Gastgeber der Veranstaltung  zu sein, die Verhandlungen sollen bereits weit fortgeschritten sein. „Wir wollen das Masters unbedingt haben und gehen das an“, so Georg Kühling, Geschäftsführer der Sportregion Rhein-Neckar.

Tags: , , , , , , , , , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

17 Kommentare »

  • Baraka sagt:

    Der MDR verzichtet auf Live-Berichterstattung. Na schön. Hätte nicht sein müssen, aber kann man ja gerade noch nachvollziehen. Wenn man beide (Frauenfußball liebenden) Augen zudrückt. 😉

    ABER: Dass der DFB(<-!!!) den sog. DFB(<-!!!)-Hallenpokal EBENSO keiner Live-Berichterstattung würdigt, wie bereits das DFB-Pokal-Spitzenspiel zwischen Bayern und dem FCR kurz vor Weihnachten, obwohl es nun bei DFB-TV so eine tolle Einrichtung für Live-Übertragungen gibt, und wo sich der DFB doch vorgeblich(?) so für den Frauenfußball engagiert, besonders im Angesicht der nahenden Frauenfußball-WM im eigenen Lande – DAS, finde ich, müsste vielleicht vorrangig einmal diskutiert werden.

    Liegt das an mangelnden Ressourcen und Fähigkeiten (etwa ein Event wie ein Hallenturnier) zu übertragen oder doch auch an mangelndem Engagement?

    (0)
  • schmiddi sagt:

    Dieses Event aus NRW abzuziehen war ein großer Fehler!

    In einer x-beliebigen Halle im Ruhrgebiet wäre das Turnier sicherlich besser besucht. Aber der DFB musste das Masters ja in die FF-Hochburg Magdeburg vergeben!
    Hoffentlich wird dieser Fehler mit dem DFB-Pokal-Finale nicht wiederholt!

    (0)
  • Crackfly sagt:

    Mir geht Sinsheim mittlerweile sowas von auf den Keks!!!! Was zum Teufel haben die mit Frauenfußball zu tun?! Ich bin auch für den Ruhrpott! Da gibt es passende Hallen und es ist relativ einfach zu erreichen. Durch die zig umliegenden Frauenfußball-Vereine ausserdem mit sicherheit besser besucht.

    (0)
  • SCW sagt:

    @schmiddi: Da kann ich dir nur zustimmen!!! Ich werde zwar trotzdem hinfahren, aber es sind nun am Samstag 800km zu fahren. Magdeburg ist denkbar schlecht gewählt (ausgenommen für Potsdam.. *rolleyes*). Naja, bleibt zu hoffen dass es 2010 einen besseren Austragungsort gibt. Über die TV-Übertragung kann ich mal wieder nur den Kopf schütteln.

    (0)
  • SCW sagt:

    @Crackfly: Genau aus diesen Gründen bin ich auch für das Ruhrgebiet, mit eine der Hochburgen des FF!

    (0)
  • Marcel sagt:

    Crackfly Hoffenheim hat auch eine Frauenmannschaft und da wird schon sehr gute Arbeit geleistet auch wenn sie erst in der Oberliga BW spielen aber schon jetzt sind Spielerinnen aus Hoffe auf den Listen der Lehrgänge der U-Nationalmannschaften zu finden.Also auch bei uns gibts hier in der gegend Frauenfussball:)

    Und wenn der Ruhrpott den Hallenpokal will sollte er sich vielleicht auch mal bewerben den von allein fliegt der einem auch nicht zu.

    (0)
  • Crackfly sagt:

    Ach ja, und Hoffenheim, bzw. Sinsheim liegt (sorry) aber absolut unzentral und am A….. der Welt…. Und ich weiß was das heißt. Ich finde, es sollte zentraler sein. Von mir aus dann auch Frankfurt.

    (0)
  • NinaFX sagt:

    Na dann ist es doch endlich an der Zeit, dass die Metropolregion Rhein-Neckar endlich aufwacht und eine Begeisterung für den FF entfacht! Ich finde es gut, dass der Geschäftsführer der Sportregion Rhein-Neckar diese Herausforderung annehmen will. Der Ansatz einer Dezentralisierung kann sich nur positiv auswirken auf den FF, auch in Hinblick auf die WM 2011.

    Noch ein Wort zur Übertragung des DFB Hallenpokals: Ich finde es sehr sehr schade, dass keine Live Übertragung geplant ist. Denn bei einem solchen Turnier kann man nur die Spannung und Emotionen durch live Bilder ins heimische Wohnzimmer bringen. Dass kann meiner Meinung nach eine Berichterstattung nicht leisten.

    (0)
  • djane sagt:

    Ich kann dieses Gemecker über die jeweiligen Standorte nicht mehr hören, das Ruhrgebiet (liebe Freunde aus NRW) liegt für einen Großteil der Fans auch ziemlich dezentral, weil zu weit westlich. Der DFB-Pokal findet einmal im Jahr statt, und dafür kann man die Strecke dann ja einmal auf sich nehmen. Ich bin weiterhin für einen wechselnden Austragungsort, der Sieger ist Ausrichter im nächsten Jahr. Auf Grund der wachsenden Konkurrenz in der Liga gehe ich davon aus, daß auch die Zeiten von „DFB-Pokal 7x hintereinander gwonnen“ langsam vorbei sind- sprich, das Abwechslung reinkommt. Sollten sich die momentanen BuLi- Spitzenreiter auch im DFB-Pokal etablieren, hätten wir mit Potse, dem FFC, dem FCR und Bayern eine prima Verteilung quer über’s Land.

    (0)
  • djane sagt:

    sorry, bin da oben im falschen Thread gelandet. Die Aussage bezog sich eigentlich auf den Artikel über die eventuelle Verlegung des DFB-Pokalfinales, aber leider kann ich den Beitrag nicht verschieben.

    (0)
  • spoonman sagt:

    Ich finde Hallenfußball insgesamt ziemlich überflüssig, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Dass der WDR das Hallenmasters im letzten Jahr live übertragen hat, fand ich schon erstaunlich. Ebenso wie die beiden Männer-Turniere vor zwei Wochen.

    Wenn man schon in der Halle kicken will, sollte sich der DFB endlich internationalen Gepflogenheiten anpassen und Futsal in den Vordergrund stellen. Ein „DFB-Hallenmasters“ in der jetzigen Form ist ein völliger Anachronismus. Bei den Männern wurde es (zum Glück) längst abgeschafft, und dank der verkürzten Winterpause werden im nächsten Jahr wohl auch die „Privat“-Turniere weiter zurückgefahren werden.

    (0)
  • moya sagt:

    Für mich ist Hallenfußball das Größte, zumindest bei den Frauen. Demnach ist mir absolut unverständlich, warum es keine Übertragung der entsprechenden Turniere gibt. Hier hat man die Chance in begrenztem zeitlichen und räumlichen Rahmen das gesammelte Können der Frauen-BuLi bzw. in Jöllenbeck dazu noch der Nordlichter zu präsentieren. Es ist eine Schande, dass es von Lise Klaveness und Co keine bewegten Bilder gibt. Denn wenn der Bundesliga-Alltag zuweilen dröge, berechenbar und zu langsam anzuschauen ist, bei den Hallenturnieren geht es zur Sache. Gerade an so einem Event könnte man mal mit Geschwindigkeit, Kampf und vor allem technischen Fähigkeiten protzen und mehr Zuschauer locken. Aber nein…
    Wo ist denn das Problem ne Kamera aufzuhängen und ins Internet zu streamen? Mich würde mal ernsthaft interessieren, wie der Kostenpunkt so einer Minimalübertragung ist.

    Naja, aber danke für die Krümel an Sport im Osten extra!

    (0)
  • Markus sagt:

    Sinsheim (bzw die TSG Hoffenheim) hat im Frauenfußball vor allem den Vorteil, dass der Sohn von Dr. Theo Zwanziger dort die Frauenabteilung leitet…

    (0)
  • Marcel sagt:

    Markus pass auf was du sagst sonst kommt Post vom Rechtsanwalt des Herrn Zwanziger der mag ja Blogger ganz besonders 😀

    Aber jetzt mal im Ernst Hoffenheim hat ja noch einen Vorteil mehr durch Herrn Hopp oder besser gesagt dem sein Geld immerhin bekommen die Mädels da auch ein Leistungszentrum in St.Leon hingestellt.Also ich finds positiv das sich da engagiert wird und ich finde das der FF da genau sone Zukunft hat wie bei den Herren jetzt.

    (0)
  • majci sagt:

    und so soll freuenfussball weiterkommen ??????

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Die offizielle Zuschauerzahl: 3.200 🙁

    (0)
  • Marcel sagt:

    Ich sehs positiv: ein rechtzeitiger Kanonenschuss vor den Bug des DFB für das DFB-Pokalfinale 2010.

    (0)