Länderspiel-Bilanz 2008: Frauenfußball verzeichnet Rückgang

Von am 15. Januar 2009 – 12.11 Uhr 5 Kommentare

Bei der Wahl zur Weltfußballerin und zum Weltfußballer des Jahres am vergangenen Montag in Zürich verkündete Charmaine Hooper, ehemalige kanadische Nationalspielerin und FIFA-Botschafterin für Frauenfußball, dass sich „inzwischen rund 26 Millionen Mädchen und Frauen in den 208 Mitgliedsverbänden der FIFA“ dem Frauenfußball verschrieben haben. Eine imposante Zahl.

Doch trotz wachsender Beliebtheit und Akzeptanz in der Öffentlichkeit spricht die Länderspiel-Bilanz 2008 eine andere Sprache. Nur 364 A-Länderspiele fanden in den vergangenen 12 Monaten im Frauenfußball statt (2007: 448, 2006: 449), ein Rückgang von fast 20 Prozent. Und was noch bedenklicher stimmt: Immer weniger Nationen bestreiten überhaupt A-Länderspiele, hier liegt die Abnahme gar bei nahezu 30 Prozent.

So trugen im Jahr 2008 nur 94 Länder zumindest ein A-Länderspiel aus. 2007 waren es noch 130 Nationen, im Jahr 2006 gar 134. Heißt im Klartext, dass inzwischen nicht einmal die Hälfte aller der in der FIFA angeschlossenen Mitgliedsverbände mehr eine regelmäßig antretende Frauenfußball-Nationalmannschaft besitzt. Da kann auch nicht darüber hinweg täuschen, dass die durchschnittliche Anzahle Spiele pro Team (7,7) höher lag als in den Vorjahren.

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Fazit: Immer weniger Teams bestreiten immer mehr Spiele, die Kluft wächst zwischen den großen, finanzkräftigen Verbänden, die den Frauenfußball stärker fördern und den kleineren, finanzschwächeren, in denen zum Teil auch weiter Vorurteile gegen den Frauenfußball bestehen, wie etwa in Südamerika, wo im Vorjahr abgesehen von Turnieren und Qualifikationsspielen kein einziges Frauenfußball-Länderspiel ausgetragen wurde.

Gleich fünf südamerikanische Nationen – Peru, Kolumbien, Chile (kürzlich Ausrichter der U20-WM), Venezuela und Bolivien – sind wegen mehr als 18-monatiger Inaktivität aus der FIFA-Weltrangliste gestrichen worden. Zu ihnen gesellen sich Länder anderer Kontinente, wie Usbekistan, Guatemala, Ägypten, Moldawien und die Malediven.

UEFA dominant
Von den 364 Länderspielen im Jahr 2008 fand fast die Hälfte (161) innerhalb der UEFA statt. Asien (59), Afrika (41) Nord- und Mittelamerika (16), Ozeanien (8) und Südamerika (0) folgen dahinter, 86 Partien wurden interkontinental ausgetragen.

192 der 364 Partien waren Freundschaftsspiele, darüber hinaus fanden 110 kontinentale Qualifikationsspiele statt. In der Rangliste folgen die Partien bei den Olympischen Spielen in Peking (26), kontinentale Finalspiele (16) und Olympia-Qualifikationsspiele (14).

USA top
Die meisten Länderspiele trug die Frauenfußball-Nationalmannschaft der USA aus (36), gefolgt von China (29), Kanada (24), Australien (22), Japan (20), Norwegen (18), Südkorea, Schweden (jeweils 17), Deutschland (16), Republik Irland und Italien (jeweils 15). Am erfolgreichsten war das US-Team, das sich in Peking olympisches Gold holte und 34 seiner 36 Länderspiele gewann, davon elf hintereinander (eines davon im Elfmeterschießen).

Die wertvollsten Partien für die FIFA-Weltrangliste waren Norwegens 2:0-Sieg gegen die USA zum Auftakt der Olympischen Spiele (40 Punkte) und Japans 5:1-Sieg gegen Norwegen (39 Punkte). Die torreichsten Partien waren Malaysia gegen Korea Republik (0:13), Thailand gegen Philippinen (12:0), Thailand gegen Malaysia (11:0), Taiwan gegen Japan (0:11) und Vietnam gegen Malaysia (11:0).

Die Anzahl der Frauenfußball-Länderspiele im Jahr 2008 war rückläufig. Woran liegt es? Ich freue mich auf Eure Meinungen und Kommentare.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • djane sagt:

    Naja, also zum einen fanden 2008 in Olympischen Spiele statt, die mit ihrer Vorbereitungszeit schon mächtig viel Zeit weggenommen haben, in der keine LS stattfinden konnten. Zumal große Turniere außerhalb von Europa mit völlig anderen klimatischen Bedingungen auch eine besondere Art der Vorbereitung erfordern. Zusätzlich fanden noch die U17 und U20-WM statt, sodaß den Vereinen weitere Stammspielerinnen fehlten.
    Dann stellen ja die Vereine, die parallel mehrere Wettbewerbe bestreiten (UEFA-Cup, DFB-Pokal) auch die meisten Nationalspielerinnen ab, daher denke ich, daß die Vereinstrainer schon im Vorfeld ihre Veto’s gegen weitere zusätzliche Einsätze ihrer Stammkräfte gegeben haben. Auch die Spielerinnen, die ja großenteils beruflich und sportlich zweigleisig fahren, werden nach der WM 2007 eventuell etwas mehr Pausen gefordert haben, um die Olympischen Spiele irgendwie überstehen zu können.
    Und zu guter Letzt findet in der deutschen Natio ja gerade eine Art Generationenwechsel statt. Vielleicht hat Frau N. daher auf Experimente mit ständig wechselndem Personal verzichtet.

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  • mrx sagt:

    Ganz klar, der Autor von diesem Artikel. Er ist höchstpersönlich in vollem Umfang Schuld an dem Rückgang. 😉 Im Ernst: Für mich ist die Interpretation über diesen kurzen Zeitraum ziemlich sinnlos. Vielleicht sollte man die Statistik-Auswertung lieber insgesamt dem 4-Jahres-Rhythmus (WM, Olympia, EM, kein großes Turnier) unterwerfen…

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  • Conny68 sagt:

    Deutschland oder die anderen europäischen Ländern betrifft diese Statistik wohl weniger, denn hier fanden nach wie vor viele Länderspiele statt – wenn auch weniger als die Jahre zuvor durch die vielen Turniere – s. Ausführungen von djane.

    @Markus: „…die Kluft wächst zwischen den großen, finanzkräftigen Verbänden, die den Frauenfußball stärker fördern und den kleineren, finanzschwächeren, in denen zum Teil auch weiter Vorurteile gegen den Frauenfußball bestehen, wie etwa in Südamerika…“

    Ich denke, dass Markus mit seinem Artikel vor allem auch darauf hinweisen wollte.
    Das große Problem ist doch die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz der Frauen in vielen Ländern, vor allem außerhalb Europas. Frauen besitzen ja teilweise nicht einmal ein Wahlrecht – da werden diese Verbände bestimmt nicht ausgerechnet den Frauenfußball fördern, zumal, wenn es sich um finanzschwache Länder handelt.

    Diese Länder verpaßen den Anschluss – und selbst wenn irgendwann dort eine Förderung des weiblichen Fußballs erfolgt, wird es eine lange Zeit dauern, bis der Frauenfußball dort ein gutes sportliches Niveau erreicht – ganz zu Schweigen davon, überhaupt einmal bei einer WM oder den Olympischen Turnieren teilnehmen zu können.

    Auch in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise bin ich skeptisch, ob die Statistik für 2009 besser aussehen wird. Es wäre zu wünschen, dass die genannten Länder mehr für den Frauenfußball tun, denn das würde wohl gleichzeitig bedeuten, dass sich auch die gesellschaftliche Position der Frauen dort verbessern würde.

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  • Marcel sagt:

    Hängt das nicht auch ein bisschen zusammen das keine WM anstand und so auch keine Qualifikationsspiele stattfanden.Obwohl in Europa hingegen ja Qualispiele für die EURO gespielt wurden.Ich schätz mal das wird je näher die WM rückt auch wieder mehr Spiele ausgetragen werden.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Conny: Genau um diese Problematik vor allem in anderen Teilen der Erde ging es.

    @Marcel: Natürlich ist diese Statistik auch ganz natürlichen Schwankungen unterworfen. Und das mit Beginn der WM-Qualifikation wieder mehr Spiele ausgetragen werden, ist klar. Ich denke aber, dass diesmal der (normale) Rückgang deutlich stärker ausfällt, weil eben mehr Teams als früher gar keine Länderspiele bestritten haben (deswegen ist ja auch die FIFA-Weltrangliste zusammengeschrumpft).

    Und das ist schon ein gewisses Alarmsignal in dem Sinne, wie Conny es oben schon ausgeführt hat. Auf Dauer kann es nur heißen, dass dann zwar die Spitze enger zusammenrückt, aber dahinter der Abstand zu den Top-Nationen wohl größer wird…

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