Wahl zur Weltfußballerin: Verdiente Siegerin, wenig Spannung

Von am 13. Januar 2009 – 12.08 Uhr

So ein wenig mochten Birgit Prinz und ihre zukünftige Teamkollegin beim 1. FFC Frankfurt, Nadine Angerer, schon vorher geahnt haben, dass es bei der Wahl zur Weltfußballerin des Jahres gegen Marta nicht viel zu ernten geben würde. Dass man der 22-jährigen Brasilianerin aber dermaßen klar unterlag, war dennoch ein wenig überraschend.

Am Ende der von Sylvie van der Vaart und Rainer Maria Salzgeber moderierten, hochkarätigen, aber in diesem Jahr etwas zähen Veranstaltung im Opernhaus von Zürich stand fest, dass Marta die Konkurrenz fest im Griff hatte. 175 Mal wurde sie von den Trainern und Spielführerinnen der Nationalmannschaften auf Platz 1 gewählt, die zweitplatzierte Prinz hingegen nur 25 Mal. Mit einem derart klaren Abstand ist noch nie in der Geschichte eine Spielerin FIFA-Weltfußballerin geworden.

Ergebnisse nach Punkten
Ergebnisse (Spielführer und Trainer)

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Nominierung als Ehre
Auf der Pressekonferenz am Nachmittag bedankten sich Prinz und Angerer artig für die Nominierung. „Es ist jedes Mal eine Ehre, hier sein zu dürfen. Ich finde es toll, unter den Top 5 zu sein, das ist es, was zählt“, spulte Prinz routiniert das vertraute Ritual herunter, bevor sie die Frage einer internationalen Journalistin mit Unverständnis quittierte, die mehr zu den Anfängen ihrer Fußballkarriere wissen wollte. „Ich weiß jetzt nicht, worauf diese Frage abzielt.“

Mit ihren Gedanken war sie bereits wieder bei der Frauenfußball-Bundesliga, die Zielsetzung Meistertitel kam ihr allerdings nur etwas schwer über die Lippen. „Für uns ist es nach der schlechten Hinrunde wichtig, in der Bundesliga noch Zweiter zu werden, am besten Meister. Da ist Nadine [Angerer] zusammen mit Ariane [Hingst] ein Faktor. Ich hoffe, dass wir weniger Gegentore kriegen und damit wieder erfolgreicher spielen.“

Prinz auf Platz 2, Angerer auf Platz 4
Angerer ergänzte: „Ich bin sehr überrascht, unter den Top 5 zu sein. Ich rechne nicht damit, zu gewinnen, bin aber froh, hier zu sein.“ Sie musste sich am Ende mit Platz vier begnügen, lag damit als beste Torhüterin immer noch deutlich vor US-Torhüterin Hope Solo, die Platz acht belegte. „Es gibt viele gute Torhüterinnen auf der Welt, wie etwa Hope Solo oder Bente Nordby. Ich kann nicht beurteilen, ob ich die beste bin. Ich denke, ich gehöre zu den guten, aber die Spitze ändert sich ständig.“

Auch Angerer blickte bereits nach vorne und lobte ihren neuen Verein in den höchsten Tönen. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Der FFC ist über die Jahre hinweg ein großartiger Verein gewesen. Ich bin vom Team, dem Drumherum und allem sehr überzeugt.“

Vorfreude auf Frauenfußball-WM 2011
Dass bei der Wahl zur Weltfußballerin ein bis zwei deutsche Spielerinnen nominiert sind, gehörte in den vergangenen Jahren zum Standard. Doch Prinz glaubt, dass dies in Zukunft anders werden könnte: „Die Auswahl an guten Spielerinnen wird größer, deswegen wäre es normal, wenn einmal keine deutsche Spielerin dabei wäre.“

Einig sind sich Prinz und Angerer darüber, dass die Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land ein ganz besonderes Highlight wird. „Es wird nur hochklassige Spiele und hochklassige Teams geben“, so Prinz. Und Angerer freut sich auf eine „richtig schöne Party“ und ein „Super-Highlight für die ganze Nation“. Ihr Fazit: „Neue Spielerinnen spielen sich in den Vordergrund. Man kann jedes Spiel gewinnen, aber es gibt keinen Automatismus mehr.“

US-Nationalmannschaft erhält FIFA Presidential Award
Bei der Wahl zur Weltfußballerin fand sich unter den Top 5 seltsamerweise keine Amerikanerin, doch über den FIFA Presidential Award für herausragenden Leistungen des US-Frauenfußballs im Jahr 2008 darf sich das gesamte Team freuen. Stellvertretend nahm Heather O’Reilly den Preis entgegen.

Die ehemalige kanadische Nationalspielerin und FIFA-Botschafterin für Frauenfußball, Charmaine Hooper, überreichte den Preis und betonte, dass sich dem Frauenfußball inzwischen „rund 26 Millionen Mädchen und Frauen in den 208 Mitgliedsverbänden der FIFA verschrieben haben“, obwohl nicht in allen Mitgliedsverbänden Frauen Fußball spielen. Der Frauenfußball  erfreue sich „weltweit immer größerer Beliebtheit“.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.