Duisburg gewinnt Pokalkrimi in München

Von am 21. Dezember 2008 – 17.07 Uhr 16 Kommentare

Der FCR 2001 Duisburg hat das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht. Das Team von Trainerin Martina Voss gewann beim noch ungeschlagenen Spitzenreiter der Frauenfußball-Bundesliga, Bayern München, mit 6:5 nach Elfmeterschießen. Die erst nach einer Stunde eingewechselte Turid Knaak wurde dabei zur doppelten Matchwinnerin.

Denn die U17-Nationalspielerin rettete ihren Verein vor 660 Zuschauern im Sportpark Aschheim, darunter Nationaltrainerin Silvia Neid und Ex-Bayern-Trainerin Sissy Raith, zunächst durch ihr Tor in der 80. Minute nach einem Gestochere im Strafraum und einem Querschläger von Bianca Rech in die Verlängerung, Mandy Islacker hatte Bayern München nach 35 Minuten im Fallen nach Vorarbeit von Nicole Banecki in Führung gebracht. Dann war es Knaak vorbehalten, in einem an Spannung kaum noch zu überbietenden Elfmeterschießen für die Entscheidung zu sorgen.

Nach den ersten zehn Elfmetern hatte es nach den Fehlschüssen von Melanie Behringer und Alexandra Popp 4:4 gestanden. Nachdem dann Ivana Rudelic ihren Strafstoß nicht verwertete, ließ Knaak mit ihrem Treffer die Träume vom Erreichen des DFB-Pokalendspiels in Berlin weiterleben.

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„Ich habe gar nicht groß nachgedacht, sondern einfach geschossen“, so Knaak überglücklich. Duisburgs Trainerin Voss war die Erleichterung nach dem schweren Spiel anzumerken. „Ich wusste, wie stark die Bayern sind, das hat man in der ersten Halbzeit gesehen, als wir gemessen an unseren Ansprüchen unterirdisch gespielt haben.“ Bayern-Trainer Günther Wörle nahm das Pokal-Aus mit Gelassenheit: „Es war ein Topspiel auf höchstem Niveau mit dem glücklicheren Ende für die Duisburgerinnen.“

Wattenscheid überrascht Essen, Wolfsburg souverän
Für die größte Überraschung des Tages sorgte Zweitligist Wattenscheid 09, der sich beim ligahöheren Reviernachbarn SG Essen-Schönebeck mit 2:1 nach Verlängerung durchsetzte. Inka Wesely hatte die Gastgeberinnen zwar in der 40. Minute in Führung gebracht, Jennifer Ninaus nach 66 Minuten aber den Ausgleich erzielt. Kyra Malinowski Lena Wermelt gelang in der 107. Minute dann der unerwartete Siegtreffer für die Gäste.

Der VfL Wolfsburg bestand die Auswärtshürde SC Freiburg beim 2:0 (1:0)-Sieg ohne größere Probleme. Die Niedersachsen gingen vor der beachtlichen Kulisse von 1.048 Zuschauern vor der Pause durch Shelly Thompson in Führung (44.), kurz vor Spielende sorgte Navina Omilade (88.) für die Entscheidung.

Die vierte DFB-Pokal-Viertelfinalpartie zwischen dem VfL Sindelfingen und dem 1. FFC Turbine Potsdam musste wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt werden. Sie wird erst im neuen Jahr am 8. Februar 2009 um 14.00 Uhr nachgeholt. Die beiden Halbfinalpartien werden am 13. April ausgetragen, das Endspiel findet am 30. Mai im Berliner Olympiastadion statt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

16 Kommentare »

  • Jarmusch sagt:

    Eine kurze Anmerkung:

    Das Siegtor für Wattenscheid schoss (entgegen der ersten Information im DFB-Liveticker) nicht Kyra Malinowski sondern wohl Lena Wermelt

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, Jarmusch. Hab’s korrigiert.

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  • Conny68 sagt:

    Trotz widriger Bedingungen in Aschheim (für Spielerinnen, aber auch für die Zuschauer) war es ein gutes und ab ca. der 60. Minute auch ein richtig packendes Pokalspiel. Bayern führte verdient, denn sie taten bis Mitte der zweiten Halbzeit eindeutig mehr für das Spiel.

    Doch dann drehte Duisburg langsam auf, vor allem auch, weil Linda Bresonik mehr von hinten agierte und die Initiative ergriff. Das Unentschieden nach 90 Minuten entsprach den gezeigten Leistungen. In der Verlängerung hätten beiden Mannschaften den Sieg einfahren können. Naja – und Elfmeterschießen ist dann auch eine Glücksache…Glückwunsch an Duisburg, die natürlich jetzt Topfavorit auf den DFB-Pokal sind.

    Ach ja – gestern war die Wahl zum Sportler des Jahres. Ich frage mich, wo eigentlich der 1. FFC Frankfurt bei dieser Wahl geblieben ist? Deutscher Meister – Pokalsieger – UEFA-Cup-Sieger – was muss eine Frauenfussballmannschaft noch leisten, um eine entsprechende Würdigung zu erhalten? Reicht diese Leistung bei den Sportjournalisten nur zu Platz 11? Unfaßbar. Daran erkennt man, dass der Frauenfussball zur echten Akzeptanz noch einen weiten Weg vor sich hat.

    Deshalb – lieber Markus – Danke für Deine vielen Informationen und Beiträge auf „Womensoccer“. Ich wünsche Dir frohe Weihnachten und alles Gute für 2009.

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  • Humi sagt:

    Ist zwar Off Topic, aber was soll’s…

    Reicht diese Leistung bei den Sportjournalisten nur zu Platz 11? Unfaßbar. Daran erkennt man, dass der Frauenfussball zur echten Akzeptanz noch einen weiten Weg vor sich hat.

    Mich wundert bei den Sportlerwahlen eh nichts mehr. Zumindest ist Frankfurt ja noch vor den Bayern gelandet (die ja dieses Jahr auch immerhin zwei Titel geholt haben).

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  • Manne sagt:

    Mal ne Frage nebenbei.
    Ist irgendwas bekannt, ob der FCB in absehbarer Zeit mal sein Domizil in einer anderen Umgebung als der abseitigen Dorfidylle von Aschheim aufschlagen kann und wird? Muss ja nicht gerade die Arena sein 😉
    Vielleicht mal beim Stadtkonkurrenten Wacker nachfragen?

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  • Markus sagt:

    Warum sollten sie? Wenn grad mal 660 Leute ein Viertelfinale gegen Duisburg sehen wollen (und parallel istt keine Männerbundesliga!!!!) warum sollten sie in ein größeres Stadion gehen? Das ist ja noch trostloser…

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  • Manne sagt:

    Na ja, weil Aschheim nicht gerade sehr verkehrgünstig (ÖPNV) liegt – vielleicht würden woanders in der Stadt ja ein paar mehr Leute kommen.

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  • djane sagt:

    Auf dfb.tv ist jetzt auch ein Video über das gestrige Spiel online. Da er aber von fc bayern.tv stammt, ist er nicht unbedingt objektiv und daher eher was für Bayern-Fans. Wundert mich nur, daß der dfb als neutrales Medium quasi privat-Mitschnitte (auch wenn er hier von einem Verein ist) online stellt.

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  • Max Diderot sagt:

    Der Inhaber der sogenannten Online-Rechte (IP-TV) ist nach meinem Wissensstand die Deutsche Telekom AG in allen Bereichen des deutschen Fußballs. Und weil die Bonner bei ihrer Vorgehensweise freiwillig über die Verbreitung via Kabel und Satellit bisher verzichteten, dankt ihnen vermutlich der DFB diese Kulanz mit seinem Entgegenkommen. Vermutlich wird es aber auch so sein, dass sowohl der Verband als auch die Telefondienstleister darum bemüht sein werden, zukünftigen Wettbewerb auf diesem Territorium so gering als möglich zu halten. Gleichzeitig darf aber auch davon ausgegangen werden, dass ein gleichrangiger Konkurrent zur DTAG, der sich in ein finanzielles Gebot zur Telekom einlässt, eher mittelfristig auf den Plan tritt. Und außerdem gibt es ja noch die Liaison zwischen den Bayern und der Telekom.

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  • djane sagt:

    @Max Diderot, das kann ich zwar verstehen, aber seltsam ist es trotzdem- auf der HP der Bayern-Frauen oder der Münchner TZ hätte ich es ja nachvollziehen können, aber vom DFB erwarte ich eigentlich neutrale Berichterstattung.

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  • Pinguin sagt:

    Ich finde 660 Zuschauer bei einem FF-Team eines großen Männerfussballvereins nicht einmal so wenig – auch die Zweiten Männerteams der großen BL-Vereine in der 3. Liga haben ja meist nur ein paar hundert Zuschauer, dazu kam das miese Wetter – ich weiß allerdings nicht, wie sonst die Zuschauerzahlen beim FCB FF-Team sind.

    Heute morgen habe ich mich noch bei dfb.tv ‚beschwert‘, dass man die Spitzenpartie dort nicht zeigt – ich fürchte fast, dies Provisorium könnte eine spontane Reaktion auf die Beschwerde sein. Aber vielleicht ist das auch eine reine Selbstwirksamkeitsüberschätzung …

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  • Max Diderot sagt:

    Der Zuschauerschnitt der 3. Liga liegt, nach 198 von insgesamt 390 Spielen, bei exakt 5.572. Hinzu kommt der Aspekt, dass diese überwiegend mediokeren Kicker respektive deren Vereine auch noch einen ganz schönen Batzen an Fernsehgeldern erhalten. In der Saison 09/10 wird sich dieser Betrag auf € 850.000.– pro Klub erhöhen. Gäbe es nicht schon das Wort des Jahres 2008, käme der Begriff „Selbstwirksamkeitsüberschätzung“ für mich in die Shortlist. Eine schöne Wortfindung für die meisten männlichen Fußballer in Deutschland. Die Frauen respektive deren Vertreter in Verbänden und Vereinen könnten sich ja an dem Antonym „Selbstwirksamkeitsunterschätzung“ gütlich tun oder gleich den Kopf in den Sand setzen, da sie immer und immer wieder Chancen zur besseren Selbstdarstellung auslassen.

    djane, was willst Du machen? Wo kein Wettbewerb, da brunft der Hirsch um die Rehe ohne lästige Konkurrenz. Aber die ganze Thematik um Medien- und Senderechte ist arg komplex und kompliziert, und die Wiedergabe meiner vorherigen Ausführung nur ein winzig kleiner Grat der ganzen Materie.

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  • Pinguin sagt:

    @ Max Diderot: Ich meinte ja die Spiele von Werder B II, FCB II, VfB S II – dass bei Dynamo Dresden u.a. viel mehr los ist, ist mir auch klar … So jetzt aber erst mal genug gebloggt …

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  • Pinguin sagt:

    Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr allen Bloggern!!!

    Und natürlich herzlichen Dank allen ‚Machern von womansoccer.de, v.a. an M.J.!
    Auch mein Respekt gegenüber der Gelassenheit bei den jüngsten Beschimpfungsvorwürfen, und das glückliche HÄndchen auch bei echten Beschimpfungen gegenüber Clubs oder Spielerinnen, das muss man auch erst mal haben, neben der ganzen tollen Recherche!!

    Bis bald und frohe Feiertage!

    Euer Pinguin!

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  • Harald sagt:

    Auch an dieser Stelle wünsch ich allen ein schönes Weihnachten, ein schönes Julfest oder ein schönes Channukah.

    Wenn ich mir die Punkteliste zur Wahl der Mannschaft des Jahres betrachte, dann scheint sich doch einiges zu relativieren. Die Sportjournalisten sind Erfolge des FC Bayern München, des 1. FFC Frankfurt oder des THW Kiel schon gewöhnt. Landen also folglich auch auf Platz 9, 11 und 13.

    Wenn weiblicher Erfolg als normal erscheint, dann ist es der der Biathlon-Frauen. Und Mannschaft des Jahres wäre ohnehin eine geworden, die auch Olympiasieger geworden wäre. Wir befinden uns eben in einem olympischen Jahr.

    Der Erfolg der TSG Hoffenheim liegt eher darin, daß (Männer-)Fußball DIE Sportart Nummer 1 in Deutschland ist und auch hochgepushed wurde. Die Männerfußballer landeten mit ihrem zweiten Platz bei der EM auf 7 und die Frauen mit ihrer Bronzemedaille auf Platz 12. Insofern auch nix neues, worüber man sich echauffieren müsste.
    Man zeige mir die Sportart, wo Frauen und Männer unter den Top 20 dieses Jahr vertreten sind, von den Kanuten mal abgesehen.

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  • katze sagt:

    Was die Berichterstattung bei dem Spiel FCB-FCR betrifft – seit froh das überhaupt etwas gezeigt worden ist. Denn der DFB bzw. DFB TV hatte es ja noch nicht einnmal nötig überhaupt etwas zu zeigen von diesem Topspiel. Der DFB hat sich ja die Bilder geben lassen – damit man überhaupt etwas zeigen kann.

    Da finde ich, kann man froh sein überhaupt Zugriff zuhaben.

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