Drei Punkte Pflicht für den FC Bayern München

Von am 5. Dezember 2008 – 16.28 Uhr 4 Kommentare

In der Vergangenheit tat sich der FC Bayern München in den Südderbys gegen den TSV Crailsheim meist schwer (drei knappe Siege und eine Niederlage in den vergangenen vier Punktspielen). Doch vor dem elften Spieltag der aktuellen Saison (Sonntag ab 14.00 Uhr im Sportpark Aschheim) sind die Vorzeichen anders.

Denn dann empfängt ein nach acht Siegen in neun Spielen selbstbewusster Tabellenführer der Frauenfußball-Bundesliga den punktlosen Tabellenletzten, bei dem derzeit nur wenig Signale wahrzunehmen sind, die auf ein Aufbäumen gegen den drohenden Abstieg schließen lassen.

Das gastgebende Team von Trainer Günther Wörle leistet sich dabei sogar den Luxus, auf die fünf zur U20-Weltmeisterschaft nach Chile abgestellten Spielerinnen (Stefanie Mirlach, Julia Simic, Katharina Baunach, Nicole und Sylvie Banecki) zu verzichten, denn eine mögliche Spielverlegung hat man nicht beantragt.

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Spielpraxis sammeln
Nicht aus Arroganz gegenüber dem Kontrahenten, sondern aus der Überlegung heraus, dass nach einer fünfwöchigen Punktspielpause Spielpraxis vor den Topspielen in der Bundesliga (14. Dezember gegen den 1. FFC Turbine Potsdam) und dem DFB-Pokal (21. Dezember gegen den Sieger aus FCR 2001 Duisburg/Hamburger SV) von größerem Wert ist. Hinzu kommt, dass die Crailsheimerinnen möglicherweise personell gestärkt aus der Winterpause zurückkommen könnten.

Für Wörle und seine Tochter Tanja ist es auch ein Wiedersehen mit ihrem früheren Verein. Der 59-Jährige weiß, dass das Spiel trotz der klaren Favoritenrolle kein Selbstläufer werden wird. „Wir werden meine ehemalige Mannschaft, die mir und meiner Tochter Tanja viel Freude bereitet hat, nicht unterschätzen und voll konzentriert an die Aufgabe herangehen.“

Motivation Tabellenführung
Drei Punkte sind im Duell dennoch fest einprogrammiert. „Auch ohne unsere fünf U20-Nationalspielerinnen sollte unsere Mannschaft in der Lage sein, dieses Spiel zu gewinnen.“ Gegen Crailsheim stehen Wörle Ivana Rudelic, Carmen Roth und Bianca Eder wieder zur Verfügung. Wörle meint zur speziellen Motivation: „Als Tabellenführer der Frauen-Bundesliga zu überwintern, ist ein lohnendes Ziel und dafür gilt es nochmals, alle Kräfte zu mobilisieren.“

Die Crailsheimerinnen kassierten zuletzt beim 1:3 gegen den VfL Wolfsburg die zwölfte Punktspielniederlage in Folge und scheinen bereits alle Felle davon schwimmen zu sehen. Denn in der Pressemitteilung des Vereins zum Spiel am Sonntag serviert man den Bayern die Punkte quasi schon als vorweihnachtliches Geschenk auf dem Serviertablett.

Mit Sarkasmus die Krise bewältigen?
Dort bezeichnet man das Spiel für die Bayern sarkastisch als „Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen“ und zitiert Trainer Hubert Müller mit den Worten: „Beim Tabellenführer gibt es sicher wenig zu erben, unsere junge Mannschaft kann aber aus solchen Begegnungen nur lernen.“ Als Zielsetzung wird denn auch nicht ein Punktgewinn ausgegeben, sondern ein passables Abschneiden. Möglicherweise sollen die Bayern-Spielerinnen mit solchen Aussagen ja in trügerischer Sicherheit gewogen werden.

Bei den Crailsheimerinnen bangt man um den Einsatz der angeschlagenen Carina Breunig, auch der Einsatz der grippegeschwächten Elisabeth Sembach ist fraglich. Lisa Wich wird erst im neuen Jahr ihr Comeback feiern können und Alisa Kürschner kann nur leichtes Lauftraining betreiben. Dennoch: Die Partie bereits im voraus abschenken, sollten die Crailsheimerinnen nicht.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Jarmusch sagt:

    Interessant wie unterschiedlich die einzelnen Vereine Spielerabstellungen für die U17-WM und jetzt die U20-WM bewerten und darauf reagieren.
    Bei Bayern München scheint man von der eigenen Stärke sehr überzeugt zu sein.
    Nicht das sich diese Einschätzung, nach einem möglicherweise negativen Spielergebnis gegen Crailsheim, mal bitter rächt.

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  • Bernhard sagt:

    Folgende Aufstellung ist immer noch ein überdurchschnittliches Buli-Team:
    Schmetz – Roth, dePol, Paukner, Eder – Behringer, Wörle, Rech- Aigner, Islacker, Rudelic
    Bank: Leitner, Wenninger, Würmseer, Kürger, Pini

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  • Bernhard sagt:

    Heute im Bayerischen Fernsehen ab 21:15 Uhr gibts eine Zusammenfassung und interviews mit Uli Schmetz und Günther Wörle

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, Bernhard.

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