Das endlose Tauziehen um Marta

Von am 4. Dezember 2008 – 1.11 Uhr 14 Kommentare

Es ist schon bemerkenswert, wie der Verhandlungspoker um die zweifache Weltfußballerin Marta in den vergangenen Wochen im Frauenfußball bisher ungekannte Ausmaße angenommen hat. Gleich vier Vereine buhlten zunächst um die Gunst der 22-jährigen Ausnahmekönnerin, einer ist inzwischen ausgestiegen, ein neuer hinzu gekommen.

Martas umtriebiger Manager Fabiano Farah spielt geschickt die Interessenten gegeneinander aus, treibt den Preis seines Rohdiamanten in die Höhe und maximiert somit den eigenen Profit – der Männerfußball lässt grüßen.

Seit 2004 spielt Marta erfolgreich in der schwedischen Damallsvenskan bei Meister Umeå IK. Schnell avancierte sie in Nordschweden zum Publikumsliebling, sorgte mit ihren Treffern und Torvorlagen für Meisterschaften, einen Pokalsieg und den zweimaligen Einzug ins Finale des UEFA-Pokals. Gerne würde man in Umeå weiter auf Martas Dienste zurückgreifen, doch international wie national hat sich Konkurrenz formiert.

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LA Sol mit den besten Chancen
So erwarb der ab April 2009 in der neuen US-Profiliga Women’s Professional Soccer (WPS) antretende Verein Los Angeles Sol beim „International Draft“ die Rechte, Verhandlungen mit der Brasilianerin aufnehmen zu dürfen. Doch anstatt des ersehnten schnellen Vertragsabschlusses ziehen sich die Gespräche in die Länge. Mal heißt es, Marta wolle mehr Geld, dann sie wolle einen Dreijahresvertrag, der auch Bestand hat, sollte die Liga wieder dicht machen, ein anderes Mal war zu hören, sie würde nur nach Kalifornien wechseln, wenn LA auch Freundin Johanna Frisk verpflichten würde.

Bei den Verantwortlichen und den Vereinen in den USA weiß man, dass der WPS mit einem Zugpferd à la Marta leichter zum Erfolg verholfen werden kann. Zudem soll Marta in der Öffentlichkeit als neue Werbe-Ikone in die Fußstapfen der legendären Mia Hamm treten, wenn sie sich zu einem Wechsel entschließt. Das weiß auch Farah, dessen Gehaltsvorstellungen für seinen Schützling in Richtung einer Million Dollar pro Saison ausschlagen sollen. Viel Geld in Zeiten von Finanzkrise und Konjunkturschwäche.

Verstrichenes Ultimatum
Marta wird der WPS dennoch nicht jeden Preis wert sein, will man doch gerade mit einem im Vergleich zum Vorgänger WUSA solideren Geschäftsmodell und überschaubarem finanziellen Volumen erst einmal das Vertrauen potenzieller Investoren für eine langfristige Zusammenarbeit gewinnen. Den Avancen der Amerikaner wollte man in Schweden nicht tatenlos zu sehen, sich aber auch nicht von Farah auf der Nase herumtanzen lassen. Doch das ist inzwischen geschehen.

Nachdem Umeå Marta zunächst ein Ultimatum bis Anfang November stellte, das wirkungslos verstrich, und dann demonstrativ Verhandlungen mit der Australierin Lisa de Venna ankündigte, hat man nun noch einmal die Sponsoren, angeführt von Volkswagen, zusammengetrommelt, um das Angebot an Marta erneut aufzustocken. Zu einem Dreijahresvertrag, bei dem Marta in Umeå dann 150.000 Euro im Jahr verdienen würde.

Sponsoren bündeln
Die Geduld von Umeå-Managerin Britta Åkerlund neigt sich aber dem Ende entgegen. „Wir können nicht jedes Jahr bei allen anderen Dingen Stillstand haben, nur um Marta im Verein zu halten.“ Doch selbst der Verlag, in dem die lokale Tageszeitung Västerbottenskuriren erscheint, will sein Schärflein dazu beitragen, Marta im Norden Schwedens zu halten. Zwischen 30.000 und 40.000 Euro jährlich möchte man beisteuern, um auch weiterhin brasilianischen Zauberfußball im hohen Norden bewundern zu dürfen.

Doch auch der Damallsvenskan-Konkurrent LdB Malmö, der dank eines zahlungskräftigen Kosmetikkonzerns im Rücken ebenfalls an einer Verpfichtung an Marta interessiert ist, hofft weiter: „Ich habe das Gefühl, dass das Interesse an uns gewachsen ist“, so Klubchef Kent Widding Persson. Andere Gedankenspielen sahen gar vor, Umeå bei Martas Verpflichtung finanziell beizuspringen. Allerdings nicht ganz uneigennützig, denn im Gegenzug wollte man die Schweizerin Ramona Bachmann nach Malmö lotsen. Doch Umeå winkte ab. In Linköping hat man inzwischen aufgegeben. „Das Geld, das wir bräuchten, um Marta zu holen, haben wir einfach nicht“, so Klubchef Christer Mård. Dafür soll kürzlich auch noch Norwegens Meister Røa in den Bieterwettbewerb eingestiegen sein.

Cristiane best bezahlte Spielerin
Und so dürften Marta auf Heimaturlaub in Brasilien und Manager Farah in aller Seelenruhe das letzte, noch einmal verbesserte Angebot Umeås abwarten, das in diesen Tagen auf den Tisch flattern soll. Bis Anfang 2009 dürfte dann spätestens eine Entscheidung gefallen sein.

Doch egal, welches Angebot Marta letztendlich annehmen wird – der Verhandlungsmarathon liefert einen ersten Vorgeschmack wie Transfergespräche mit Topspielerinnen in Zukunft auch im Frauenfußball aussehen werden. Best bezahlte Spielerin wird Marta aber dennoch nicht werden. Das ist weiterhin Nationalmannschaftskollegin Cristiane. Die verdient bei Corinthians São Paulo dank des klubeigenen Sponsors pro Woche rund 10.000 Euro. Summen, die im deutschen Frauenfußball noch Utopie sind.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

14 Kommentare »

  • djane sagt:

    Obwohl der Frauenfussball den Herren zwar noch in einigen Dingen hinterherhinkt (professionelle Trainingsbedingungen, Stadien, Zuschauerzahlen, Gehälter etc.), was den Nervfaktor bei Spielertransfers angeht, ist er inzwischen (leider) ebenbürtig.
    Dieses Hickhack um Marta geht einem inzwischen dermaßen auf den Keks, ich kann ja verstehen, daß sie auch mal was vom großen Kuchen abhaben will- aber der FF hat halt noch nicht die Dimensionen des Männerfussballs erreicht, da kann man sich doch nicht hinstellen und Millionen verlangen. Ich finde, es schadet dem Image des FF nur, abgesehen davon, das gleich mehrere Vereine planungstechnischen Stillstand haben, solange sich die Dame vom Zuckerhut nicht entscheidet.
    Auf der anderen Seite: wer sie als Spielerin haben will, muß wissen, was da auf ihn zu kommt, denn dass sie etwas (sagen wir mal nett)schwierig ist, dürfte inzwischen jedem Verein bekannt sein. Die Frage ist nicht nur, ob man sich Marta finanziell leisten kann, sondern ob sie auch vom Charakter her mit der jeweiligen Mannschaft in Einklang zu bringen ist.

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  • Max Diderot sagt:

    Ein sehr informativer, interessanter Artikel. Aber weshalb soll die im Mittelpunkt stehende Protagonistin Marta (steht sie überhaupt in diesem oder ist es nicht vielmehr ihr Management und die darüber berichtenden Medien) mit ihren Versuchen, Gehaltsvorstellungen durchsetzen zu wollen, die bis dato noch als utopisch im Frauenfußball angesehen werden, eben diesem Schaden?

    Einen gewissen Grad an Verzweiflung, provokativ könnte auch von Dummheit gesprochen werden, dürfte doch den beteiligten Klubs zugebilligt werden. In den USA mag es ja zum Prozedere des Sports gehören, dass der Einzelne im Mittelpunkt steht, umso unverständlicher ist mir das Verhalten der Schweden aus Umeå. Vielleicht sollten sich die Birkenstädter etwas mehr auf die Entwicklung einer Mannschaft und weniger auf das Sammeln von Individualistinnen konzentrieren, möglicherweise mit dem Resultat einer temporären sportlichen Durststrecke, was dem Frauenfußball in Schweden nachhaltiger helfen dürfte als die Dauerverpflichtung einer zweifelsohne sehr guten Fußballerin, deren Spiel mir aber manchesmal als zu ich-bezogen, zu zirzensisch anmutet. Noch ist Schweden, ergo Umeå nicht verloren!

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  • Manne sagt:

    Wundert mich etwas angesichts des (noch) stiefmütterlichen Daseins des FF im öffentlichen Interesse – das mag in den USA etwas anders sein – dass überhaupt solche Summen ins Spiel kommen. Es geht doch hier um reine Spekulationsobjekte, irgendeine wirklich tragfähige handfeste wirtschaftliche Basis ist doch überhaupt nicht vorhanden. Wie können zumindest in Europa solche Summen für Spielerinnen gezahlt werden, wenn zu den Ligaspielen durchschnittlich 1000 – 3000 Zuschauer kommen?

    Da wartet man doch schon wieder auf das Platzen solcher Blasen …

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  • Rainer sagt:

    Im Moment herrscht weitgehend Funkstille in Sachen Marta, was auch daran liegen mag, dass die meisten Vereine derzeit ihre Anrufbeantworter eingeschaltet haben.
    Nach meiner Einschätzung spricht vieles dafür, dass Marta auch 2009 das Trikot von Umeå IK tragen wird, denn die des Englischen nicht mächtige Brasilianerin hat in Västerbotten so etwas wie ihre zweite Heimat gefunden und nach unbestätigten Angaben soll sich Los Angeles Sol auch aus dem Pokerspiel verabschiedet haben. Die amerikanische Profiliga startet zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt inmitten der größten wirtschaftlichen Krise seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Außerdem ist der Spielbetrieb mit zunächst sieben Vereinen, die sechs Monate lang spielen sollen, alles andere als überzeugend und von einer langfristigen Perspektive kann keine Rede sein.

    @Djane: Dass Marta als Person schwierig sein soll, höre ioch zum ersten Mal. Zwar hat Trainer Andrée Jegöertz sie einmal auf der Bank schmoren lassen, weil sie ein Training, bei dem Jeglertz ihr einen Treffer nicht anerkannt hat, wutentbrannt verlassen hat, aber solche Dinge passieren im Fußball allenthalben immer wieder einmal und die Sache hat sich sehr schnell in Wohlgefallen aufgelöst. Nein, Marta ist ein Teil des Teams in Umeå und nimmt aktiv am sozialen Drumherum teil, nicht zuletzt deswegen fühlt sie sich wohl in Schweden.
    @Max: Dass sie bisweilen „ich-bezogen“ spielt, ist sicher richtig, aber darin liegt bei allen Fehlern, die man darin sehen kann, auch eine Stärke des Teams, denn in vielen Situationen und Spielen, in denen ein Match auf der Kippe stand, hat gerade Martas außergewöhnliche Klasse und ihr in einigen Situationen egozentrischer Spielstil zu spielentscheidenden Situationen geführt. Ich denke dabei an das Pokalhalbfinale gegen Djurgården in diesem Jahr, das auf Messers Schneide stand und wo der Unterschied letztlich Marta hieß, die aus dem 2:3-Rückstand einen 4:3-Sieg machte. Im Pokalfinale 2007 war UIK nach 3:0-Führung und Spielstand 3:3 gegen AIK stehend k.o., nur Marta hatte keine Liust auf Verlängerung und startete dann einen ihrer zahlreichen Slalomläufe durch die gesamte gegnerische Abwehr, den sie mit dem 4:3-Siegtreffer beendete.
    Linköping ist wohl definitiv nicht mehr im Kreis der Bieter, dort hat man sich durch die Verpflichtung zweier dänischer Nationalspielerinnen, darunter Catherine Paaske Sörensen, wohl endgültig verstärkt und kaum Luft für weitere Verpflichtungen.
    Auch Malmös Kader nimmt immer stärkere Formen an, erst gestern wuirde bekannt, dass Djurgårdens Nationalspielerin Linda Forsberg nach Skåne wechseln wird.
    Djurgården wird 2009 eminente Probleme bekommen, denn dort haben Nadine Angerer, Ariane Hingst, die Belgierin Femke Maes und nun eben auch Linda Forsberg den Verein verlassen und die Neuverpflichtungen sind keine gleichwertigen Spielerinnen und in zwei Fällen auch jenseits der 30 (Anna-Kaisa Rantanen und Linda Fagerström).
    Marta ist mit ihren gerade 22 Jahren schon jetzt wohl die beste Spielerin, die wohl je gegen einen Ball getreten hat und dass künftige auch wirtschaftliche Entwicklungen des Frauenfußballs in ihrem Fall eben schon jetzt stattfinden, mag man bedauern, es ist und muss auch der Weg sein, den der Frauenfußball gehen muss, um sich weiterhin zu entwickeln. Denn dass Klassespielerinnen mit 29 Jahren ihren Rücktritt vom Fußball erklären müssen, weil sie in diesen Zeiten an das Leben nach dem Fußball denken müssen, ist zwar verständlich und notwendig, aber nicht wünschenswert.
    Generell ist der Frauenfußball leider eben noch für viele zu unattraktiv, um ins Stadion zu gehen. Marta ist schon jetzt der Leuchtstern, der die Ausnahme darstellt.
    Ich zitiere gern noch einmal die norwegische Spielerin Lise Klaveness, die mir sagte, dass sie die Vorstellung hatte, die beste Spielerin der Welt zu werden, als sie 2006 nach Umeå kam. „Als ich dann beim ersten Training Marta erlebt hatte, wusste ich, dass ich dieses Level niemals erreichen kann.“

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  • Manne sagt:

    @Rainer: guter Beitrag.

    Aber: warum muss oder sollte der FF diesen Weg gehen? Wird er jemals wirtschaftlich tragbar sein, wenn die Gelder alleine über Werbung bzw. Sponsoren reinkommen (solange das Publikumsinteresse nicht grösser ist)? Und was anderes ist es ja nicht, wenn Spielerinnen wie Marta als „Marke“ verkauft werden. Spätestens wenn angesichts wirtschaftlich schwieriger Zeiten kein Geld mehr dafür locker ist, bricht das ganze Kartenhaus wieder zusammen. Keine sehr gesunden Aussichten für einen professionellen FF.

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  • Rainer sagt:

    Ich fürchte auch, dass FF in einer selbst langfristigen Perspektive wirtschaftlich nicht auf die Beine kommen wird. Wenn man hierzulande in Schweden die Spiele in Stockholm anschaut und bei einem „normalen“ Spiel (also nicht gegen Umeå oder kein Lokalderby) 300-500 Zuschauer hat, die bei einem Eintrittspreis von ca. 8 € also maximal 4.000 € in die Kasse bringen, dann ahnt man, dass damit kein Team aus 18-20 Spielerinnen, kein Betreuerstab, kein Marketing etc. zu finanzieren ist.
    Zwar wimmelt es (noch) von Sponsoren, die mehr aus Goodwill denn aus Gewinninteresse den FF unterstützen, aber irgendwann wollen die auch ihr Geld zurück. Im Augenblick scheint in Schweden das Sponsoring von FF eher aus dem Interesse zu geschehen, einerseits etwas „Gutes“ zu tun und andererseits für die eigene Marke, das eigene Produkt Sympathiewerbung zu machen.
    Die Einschaltquoten von TV4, das immerhin ca. 10 Partien pro Saison live überträgt, sind mir nicht bekannt.
    Gleichzeitig verläuft die sportliche und athletische Ausbildung der Mädchen und Frauen wesentlich schneller als noch vor einer Generation. FF wird mittelfristig zu einer akademischen Angelegenheit, weil sich nur Studentinnen leisten werden können, noch mit 25 Fußball auf diesem Niveau zu spielen, sagte eine Spielerin. Und nochmal Lise Klaveness sinngemäß: „Ich spiele ausschließlich, weil es mir so unglaublich viel Spaß macht und so viel gegeben hat. Zu glauben, dass man mit Fußball auch nur seinen Lebensunterhalt angenehm bestreiten kann, ist für eine Frau heutzutage illusorisch.“ Leider muss ich Markus Recht geben, dass es ganz danach aussieht, dass es noch länger so bleiben wird.

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  • Max Diderot sagt:

    Ein amerikanisches Sprichwort: „Der Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit, der Pessimist eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.“. So weit, so gut. Aber weshalb gleich ein kollektives Lamento über die Zukunftsaussichten des Frauenfußballs einsetzt, vermag ich nicht ganz nachzuvollziehen.

    Mir sind die Verhältnisse in Schweden nicht so genau bekannnt, und aus der Ferne bringe ich den Amerikanern jenen Respekt entgegen, der bewundernd erstaunt, wie schnell ein einstmals gescheitertes Projekt neu firmiert und demnächst als WPS Erfolge feiern soll.

    Und in Europa? Europa ist doch in punkto Frauenfußball von jener pseudo-behenden Agilität, wie ihn die Kanzlerin jüngst den Banken vorwarf, „Starr wie ein Kaltblut im Winter.“. In Deutschland tut sich hinsichtlich der Infrastruktur für die WM 2011 etwas. Aber wo bleiben Ideen, Prozesse usw. um den Ligenspielbetrieb zu verbessern? Nichts tut sich! Ich denke, man muss sich von der Idee zeitweilig verabschieden, dass entsprechende Entwicklungen nur von den Vereinen voran getrieben werden können – auch der Verband, der DFB, steht in der Pflicht. Und dies in vielerlei Hinsicht. Finanziell behandelt er den Frauenfußball doch eh stiefmütterlich, auch wenn Dr. Zwanzigers pastell-a-capella im Lichte der vielfachen Erfolge der nationalen Frauenteams anderes verheißt. Aber wo konzipiert der DFB gemeinsam mit den Klubs Strategien, um den Frauenfußball aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken? Der Verband verhält sich auch in den klimatisch angenehmeren Jahreszeiten eben so: wie ein Kaltblut im Winter.

    Ja, die Amerikaner unternehmen wenigstens etwas. Und wenn sie scheitern sollten, versuchen sie es demnächst oder etwas später erneut. Derweil sonnen sich die Präsidiumsmitglieder des DFB, wie ich hörte, weilt Frau Ratzeburg gerade in Chile bei der WM – wenn das mal kein schlechtes Omen ist, im Glanz femininer Erfolge. Kostet ja alles nichts, dafür dürfen die Herrn demnächst wieder mit einer Riesenprämie für ihr mediokres Spiel rechnen.

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  • Baraka sagt:

    Wenn nun auch zunehmend Off-Topic werdend, hier doch auch kurz von meiner Seite etwas bzgl. Perspektiven des FFs:

    Den Frauenfußball zu professionalisieren – im Sinne von „sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen“, also als ein Einkommen garantierendes Berufsfeld! – halte ich für verfehltes, antiquiertes, um nicht zu sagen, reaktionäres Denken. Dies gilt für das Lohnarbeitssystem als Ganzes. Es hat sich – als unhinterfragbares, alternativloses Einkommenssystem – überlebt, und taugt zunehmend nur noch aufgrund massiver Subventionierung einerseits, und zunehmendem Lohndumping und immer offener zu Tage tretender feudalistischer Mechanismen (sog. „Zeit-/Leiharbeit“) andererseits als flächendeckender Einkommensgarant. Für die Zukunft ist dies keine tragfähige Perspektive, von daher sollte man auch im Bereich des FFs neue Wege suchen, und damit dem FF sogar eine potenzielle Vorreiterrolle in der Weiterentwicklung der Gesellschaft ermöglichen. Das mag hochtrabend und/oder utopisch klingen, obwohl es doch eigentlich nur um die Verwirklichung alter Werte und Ideale, derer des Humanismus nämlich geht.

    Pessimistischen(?) Prognosen, wie jenen, dass FF sozusagen ein „akademischer Sport“ wird, lässt sich ein eigentlich gar nicht so neues, aber Viele noch überforderndes gesellschaftliches Konzept entgegen halten, nämlich das Bedingungslose Grundeinkommen. Der Frauenfußball wäre ein hervorragender Bereich, in dem ein BGE eingeführt werden könnte (und damit auch in die Gesellschaft).

    Insbesondere könnten hiermit die Spielerinnen effektiv entlastet werden, wenn der unmittelbare Druck entfällt, sich (zukünftige) berufliche Perspektiven schaffen bzw. Unterhalt sichernden Berufen nachgehen zu müssen. Der individuelle idealistische Charakter des FFs würde betont werden/bleiben – Frauen könnten aus Passion und Freude primär ihrem Sport nachgehen, während dem entgegen wirkende derzeitig bestehende gesellschaftliche Zwänge für sie entschärft würden.

    Klartext: Es sollte heutzutage nicht länger angestrebt oder davon geträumt werden, den Frauenfußball zum Lebensunterhalt zu machen, sondern vielmehr für einen Lebensunterhalt zu sorgen, der Frauenfußball auf höchstem bzw. weiter steigendem Niveau ermöglicht. Ich denke dabei besonders auch an die Weiterentwicklung junger Spielerinnen, und dabei denke ich wieder ganz besonders an unseren „goldenen“ 91/92er-Jahrgang… 😉

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  • Rosa sagt:

    Ich finde die Diskrepanzen bei der Bezahlung im Frauenfußball immer wieder erstaunlich/erschreckend/ernüchternd.

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  • Rosa sagt:

    Mit dem Frauenfußball neue politische Welten zu erobern, Politik zu betreiben, halte ich tatsächlich für eine Utopie und ich fühle mich dabei nicht pessimistisch. Die Diskurse werden vor allem im Kleinen gestaltet, Konstruktionen (auch gesellschaftlich) im Kleinen zu Mächtigen. Ich meine nicht plakativ die Hierarchie der Institutionen, sondern gerade die Mechanismen in diesen allen vom Fundament aus (sowohl DFB als auch die Vereine).

    Den Frauenfußball mit Zeitarbeit zu vergleichen finde ich schlicht eine ungeeignete Gegenüberstellung. Wenn es in erster Linie um „Arbeitsverhältnisse“ gehen soll, gibt es anderes, was sich ebenso gut und argumentierbar heranziehen ließe, die Gegenüberstellung hat einen beliebigen Charakter. Geht es um gesellschaftliche Auswirkung möchte ich den Vergleich zurückweisen, der Frauenfußball bewegt sich in anderen Diskursen und bedient sich darin anderen Mechanismen. Es geht schließlich nicht darum einer bestimmten Schicht mit evtl. bestimmten Talenten eine bestimmte Grundlage zum Lebensunterhalt zu schaffen, evtl. diese in „professioneller“ Hinsicht noch darüber hinaus in der Höhe mit marktwirtschaftlichen Kompetenzen zu bestücken und somit das Spielerinnenpotential marktfähig zu machen. Es geht doch in erster Linie darum für die prekäre „Arbeits“situation der Frauenfußballerinnen ein Bewusstsein zu schaffen. Dazu gehört eben, dass sich die Spielerinnen Gedanken über ihren Lebensunterhalt machen müssen, bzw. Zeiten der Verletzung überbrücken müssen. Der Druck kommt dabei vor allem von den direkten Funktionären in den Vereinen.

    Ich glaube übrigens nicht, dass der Anteil an Studentinnen im Frauenfußball höher ist, als der von Azubis und Beruftätigen. Vielleicht höher als beim Männerfußball.

    Ich wünsche mir übrigens auch oft, dass Kunst, Literatur und Theater sowie auch Film und Fernsehen etc. etc. nicht davon abhängig sind den Ausführenden einen Lebensunterhalt zu sichern.

    Es sollte in jedem Fall davon geträumt und auch angestrebt werden die Situation für die Spielerinnen zu einer angenehmen zu machen, ihnen etwas von der hohen Belastung zu ersparen, bzw. die Belastung anders verteilen zu können.

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  • djane sagt:

    Oft würde es ja schon helfen, wenn die Vereine im FF mehr Geld für ihre Reiseplanung erhalten würden- wenn ich mir anschaue, wo die Damen überall mit dem Bus hingekarrt werden und wielange das dauert (die Spielzeiten um 11h bzw 14h machen die Sache nicht besser) wundert mich es nicht, daß Beruf bzw. Studium und der Sport schwer zu vereinen sind. Die Männer dagegen fliegen oft, wo es nur geht- auch wenn ich Flugstrecken wie Mannheim-München (siehe beim heutigen Schlager-Spiel in der Männer BuLi) äußerst albern finde.
    Ich glaube, Herr Lutz vom FCR Duisburg sagte in einem Interview, daß das Erreichen des VF im UEFA-Cup für den FCR schon deshalb wichtig wäre, um die Reisekosten für das Miniturnier in der Ukraine wieder reinzuholen- das muß man sich mal vorstellen. Allein durch Zeitersparnis könnte also auch viel dazu getan werden, daß die Spielerinnen nicht so abgehetzt durch die Lande düsen und damit mehr Zeit für andere Dinge neben dem Fußball hätten.

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  • Rainer sagt:

    Umeås Stadt- und Regionalzeitung Västerbotten Kuriren schreibt heute ), dass man nun doch nicht noch mehr Sponsorgeld auftreiben konnte als erhofft.

    Nach Quellen von Västerbottens Kuriren hatte man bis letzten Freitag so viel Geld gesammelt, um Marta ein Monatsgehalt von 15.000 € netto zahlen zu können. Marta muss nun, wie Markus schon schrieb, zwischen Umeå, Malmö, Röa und Los Angeles wählen.

    Schaun mer mal…

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  • Max Diderot sagt:

    Aus gewöhnlich gut informierter Quelle verlautbarte heute, dass Marta eine heiße Kandidatin für das neu zu gründende Frauenfußballteam in Nuuk sei. Nuuk ist die Hauptstadt Grönlands und bedeutet in der deutschen Übersetzung soviel wie „Gute Hoffnung“. Fabiano Farah und seiner Klientin sei die Bedeutung dieses Namens so zu Herzen gegangen, dass sie sich, nicht ohne zuvor noch einmal den eh schon stolzen Preis für einen Wechsel kräftig zu erhöhen, auf dieses Pilotprojekt einlassen werden.

    Die Grönländer sind schier begeistert. Im Zuge der Bestrebungen der politischen und wirtschaftlichen Loslösung von Dänemark werden sie jetzt einen Trupp von 15-20 Mann rekrutieren, ursprünglich nur dafür vorgesehen, den Schweden und speziell jenen in Umeå eine lange Nase zu zeigen, die im Frühjahr die Birken dieser bezaubernden Stadt fällen sollen. Neben einem fußballerischen entsteht somit auch ein forstwirtschaftliches Fanal.

    Und die Finanzierung? Dank des Verschwindens des Eises können die Grönländer ihre Bodenschätze abbauen. Vermutlich werden aber selbst diese Milliarden nicht ausreichen, um Marta entsprechend alimentieren zu können, weshalb Überlegungen angestellt werden, Dickschnabellummen ihren Namen zu verleihen. Skøl!

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  • Max Diderot sagt:

    Das SZ-Magazin offeriert heute einen informativen Artikel, Autor ist Christian Krug, über Fußball-Transfers (Fokus Südamerika). Einen Zwischending von besonders begabtem Neoliberalismus und dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte.

    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27374

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