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Ist der Abstieg des TSV Crailsheim noch zu stoppen?

Von am 30. November 2008 – 16.42 Uhr 8 Kommentare

Zehn Niederlagen in zehn Spielen und ein Torverhältnis von 3:35 – nach der 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg am heutigen Sonntag scheint auf den ersten Blick nur noch ein Wunder den TSV Crailsheim vor dem Abstieg in die zweite Liga bewahren zu können. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da galt man als Vorzeigebeispiel eines kleinen Vereins, der aus seinen begrenzten Möglichkeiten das Optimale herausholt.

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Nach dem Wiederaufstieg in der Saison 2006/2007 erlebte die bereits im Dezember 1971 gegründete Frauenfußball-Abteilung eine kurze Blütezeit von sportlichem Erfolg und öffentlicher Sympathie. Doch der überhastete Rauswurf von Trainer Günther Wörle Ende 2007, der Abgang von acht zumeist erfahrenen Spielerinnen und die zunehmenden Bemühungen der Konkurrenz haben die Crailsheimerinnen ins Hintertreffen geraten lassen.

Kein Vertrauen ins eigene Leistungsvermögen
Trainer Hubert Müller scheint schon länger den Glauben an sein Team verloren zu haben. Schon mehrfach hat er den Spielerinnen öffentlich die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Nach dem Wolfsburg-Spiel meinte er: „Wir haben zwar teilweise ein couragiertes Spiel gezeigt, jedoch reicht die Qualität unserer jungen Spielerinnen leider noch nicht ganz für die Bundesliga aus.“ Schon nach der Niederlage gegen den SC 07 Bad Neuenahr hatte er erklärt: „Man muss leider sagen, dass es jetzt fast aussichtslos ist, den Abstieg noch zu verhindern.“

Doch wie sollen die Spielerinnen noch an den Klassenerhalt und sich selbst glauben, wenn es nicht einmal ihr Trainer tut? Die sportliche Situation ist zwar prekär, doch bei noch zwölf ausstehenden Spieltagen, gerade einmal sechs Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz und mit möglichen Verstärkungen in der Winterpause ist der Ligaverbleib zwar nicht einfach, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. Umso wichtiger, das Selbstvertrauen des eigenen Teams zu stärken, anstatt die Spielerinnen von Woche zu Woche schwach zu reden und damit weiter zu verunsichern.

Schwierige Rahmenbedingungen
Ob es perspektivisch gelingt, Verstärkungen nach Crailsheim zu holen, ist allerdings fraglich. Der Standortnachteil macht sich nicht nur bei der Verpflichtung von Spielerinnen, sondern auch in vielen anderen Bereichen bemerkbar. So legen etwa viele Spielerinnen bis zu 100 Kilometer zurück, alleine um an den Trainingseinheiten teilzunehmen. Eine Steigerung des Trainingsvolumens ist somit nahezu unmöglich, da mit einer häufigeren Anreise auch zusätzliche Kosten anfallen würden.

Der TSV Crailsheim ist der größte Sportverein der Region mit über 20 Abteilungen und insgesamt rund 3.000 Mitgliedern, die in punkto Sponsoren, Medien und Zuschauer in unmittelbarer Konkurrenz stehen. Dem Versuch, sich als Nischenprodukt und sportliches Aushängeschild in der Frauenfußball-Bundesliga zu etablieren, droht das Scheitern. Denn ohne den sportlichen Verbleib in der ersten Liga ist eine Weiterentwicklung kaum möglich.

Schlechte Aussichten für die Zukunft
Dabei hatte man noch in der Vorsaison den Kader in der Breite verstärkt, einen Torwarttrainer eingestellt und die medizinische Versorgung der Spielerinnen verbessert. Hinzu kam zuletzt die Sanierung des Schöneburgstadions, die den Besuch der Spiele für die Zuschauer attraktiver machen sollte.

Für die laufende Saison sollte man die Crailsheimerinnen noch nicht zu früh abschreiben. Doch mittelfristig wird es für den Verein äußerst schwer bis nahezu unmöglich werden, auf der Landkarte der Frauenfußball-Bundesliga erhalten zu bleiben, wenn finanzstarke Klubs in den kommenden Jahren nach oben drängen werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • djane sagt:

    ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß die Mädels das noch irgendwie packen. Allerdings wäre personelle Verstärkung in der Winterpause dringend nötig, vor allem bräuchte der TSV erfahrene Spielerinnen, die auch die Führung der Mannschaft auf dem Platz übernehmen und sie dementsprechend antreiben können. Was den Trainer angeht, sehe ich da Parallelen zum FFC- auf dem Papier sehen die Vorraussetzungen ganz gut aus, aber irgendwie erreicht er die Mannschaft nicht bzw. verunsichert sie mit seinen Aussagen weiter.
    Die Sache mit dem Standortnachteil kann ich inzwischen nicht mehr hören, wir haben in der Region eine relativ niedrige Arbeitslosenquote- da frage ich mich, was denn die ganzen Spielerinnen beruflich machen, daß sie um die 100km pendeln müssen. Einzig bei Studentinnen ist es nachvollziehbar, daß diese umständliche Variante nötig ist, mir scheint eher, daß die Damen nicht hierhin ziehen wollen- also SO schlimm ist es hier in der Region nun auch nicht.

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  • NinaFX sagt:

    Also zum Trainer kann ich nicht viel sagen, aber ich finde auch, dass die „Horaffen“ dringend personelle Verstärkung benötigen. Klar, ist ein Abgang, wie zum Beispiel von Tanja Wörle schwer zu ersetzen, wenn ich beispielsweise an ihr klasse Spiel in der vergangenen Rückrunde gegen den FFC denke. Crailsheim hat ja hoffnungsvolle, junge Nachwuchsspielerinnen, dennoch liegt schon ein ernormer Druck auf ihren Schultern, der durch eine Verstärkung von ihnen genommen werden sollte.
    Zum Standort Crailsheim: Ich finde, dass dieser durchaus nicht so unattraktiv darzustellen ist, außer eben die Hochschulanbindung, denn die ist gar nicht vorhanden. Trotzdem werden relativ viele Branchen in dieser Gegend durch große, namhafte Firmen abgedeckt.

    Ich jedenfalls drücke den Crailsheimerinnen ganz fest die Daumen für die Rückrunde, damit ich noch viele BuLi-Spiele von ihnen anschauen kann!

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  • TeamU17Fan sagt:

    Spielerisch ist der TSV gar nicht so schlecht, es fehlt aber eine Vollstreckerin. Ohne einen entsprechenden Neuzugang sehe ich keine grosse Chance auf einen Klassenerhalt. Zudem war klar, dass der Weggang des Trainers zum FC Bayern eine gewaltige Lücke hinterlassen würde, die kaum zu schliessen ist. Günther Wörle ist für mich einer der besten Trainer im FF, wenn nicht der Beste überhaupt. Der derzeitige Erfolg des FC Bayern spricht ebenfalls für ihn, denn seine Vorgängerin beim FCB war mit Sicherheit auch alles andere als schlecht.

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  • Georg sagt:

    So wie es momentan aussieht, ist der Abstieg tatsächlich nur schwer zu verhindern, das ist sehr hart und wirklich schade für den TSV Crailsheim, vor allem aber für die Mannschaft und für die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die hinter dem Projekt Frauenfußball made in Horaffia stehen. Es wurden eigentlich glänzende Strukturen geschaffen in den letzten Jahren und auch die Mannschaft präsentierte sich hervorragend…, bis zur letzten Winterpause. Die Frage, ob Trainer Wörle zu Unrecht vorzeitig entlassen wurde, ist eigentlich nicht mehr so wichtig, meiner Meinung nach haben beide Seiten einen Fehler gemacht: Die Rückrunde 07/08 wäre sicherlich erfolgreicher verlaufen mit einem Motivator Günther Wörle an der Seitenlinie; schließlich wurde der Klassenerhalt doch geschafft, weil Saarbrücken sich noch ungeschickter angestellt hat als der TSV. Auf der anderen Seite stehe ich nach wie vor zu meiner Meinung, dass sich Hr. Wörle den Zeitpunkt der Bekanntgabe seines Wechsels von Bayern München diktieren ließ und dies unmittelbar nach einer sehr bitteren Niederlage im DFB-Pokal dem TSV mitzuteilen, zeugte nicht gerade von Größe. Obwohl man Günther Wörle ungeachtet dessen wirklich bescheinigen muss, einer der besten Trainer im FF zu sein. Die Mannschaften, die er trainiert, spielen mit Herz und taktisch clever, die jeweiligen Systeme tragen seine Handschrift!
    Was Crailsheim im Moment fehlt, ist nicht in erster Linie ein anderer Trainer, sondern schlicht und einfach zwei bis drei gestandene Spielerinnen, die das Defizit ausgleichen können, welches momentan zwischen dem Leistungsvermögen der jungen TSV-Mannschaft und dem Rest der Bundesliga besteht. Es sind wunderbare Talente beim TSV, die von den erfahrenen Spielerinnen schon wesentlich weiter gebracht wurden, verglichen mit der Situation am Rundenanfang. Das zeigt doch, dass die Mannschaft dazu lernt, doch vermutlich wird es nicht ganz reichen für die BL-Zugehörigkeit, leider.
    Was die Diskussion über den Standortnachteil anbelangt, so kann ich dies nur schwer nachvollziehen. Die Region Ostwürttemberg und Hohenlohe-Franken gehört mit Ihren Firmen zu den gesündesten in ganz Deutschland, nur leider hat keiner dieser Firmen bisher so richtig die (Geld-)Schatulle aufgemacht. Zwar haben die Crailsheimer Herren einen potenten Sponsor, bloß diesen braucht man sich nicht zu wünschen, weil dort mehr Chaos vorherrscht als klare Strukturen. Die FF-Abteilung wäre mit dem Geld, das bisher in die Herrenmannschaft gepumpt wurde, garantiert unter den ersten Fünf in der Frauen-Bundesliga wieder zu finden. Was die Studienmöglichkeiten anbelangt, so ist der Begriff Standortnachteil sicher zum Teil gerechtfertigt, jedoch gibt es sowohl in Aalen als auch in Schwäbisch Hall, Heilbronn und Künzelsau Studienangebote, sicher weniger im sportwissenschaftlichen Bereich, aber dafür im Bereich Betriebswissenschaften etc. Und das beste Bsp., dass man trotz aller Mühen die BL-Karriere und das Studium unter einen Hut bringen kann, war schließlich Anna Bornhoff, die neben ihrem Studium in Bayreuth sehr erfolgreich beim TSV Crailsheim spielte.
    Noch ist nicht aller Tage Abend und vielleicht tut sich doch noch etwas im Bereich Neuverpflichtungen für die Rückrunde, zudem wäre es der Mannschaft zu wünschen, dass endlich der Knoten platzt und der erste Punktgewinn eingefahren wird!

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  • Georg sagt:

    Crailsheim lebt! Wir freuen uns auf die Rückrunde, die Party kann beginnen!

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  • Pinguin sagt:

    Der Sieg macht Mut – alles Gute für die Rückrunde!

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  • NinaFX sagt:

    Oh ja, da hat sich das Daumendrücken schon mal gelohnt! Jetzt die Euphorie mit ins nächste Jahr nehmen, damit es so weiter gehen wird und vorallem auch die Fans mit einem Heimspielsieg belohnt werden.

    Wie ich auf der Vereinsseite gelesen habe, wird sich wohl personell etwas ändern bei den Horaffen. Bin mal gespannt, wie sich das auswirken wird…

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  • djane sagt:

    So soll es sein, so kann es bleiben, so hab ich es mir gewünscht… Gott sei Dank der 1. Sieg noch im Jahr 2008, ich hoffe, die Mädels erholen sich gut und starten nach der Winterpause durch. Und auch hoffentlich mit neuem Personal, daß den Spielaufbau entscheidend verbessern kann- und das vor allem Tore schießt !

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