Home » DFB-Frauen, U20-WM

U20-WM: Deutschland mit Sieg gegen Kanada im Viertelfinale

Von am 28. November 2008 – 2.27 Uhr 4 Kommentare

Mit einem 2:1 (0:0)-Arbeitssieg gegen Kanada hat die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft das Viertelfinale der U20-WM in Chile erreicht.

Anzeige

Spielverlauf im Liveblogging nachlesen 

Nachdem einem regulären Treffer von Kim Kulig noch die Anerkennung verweigert worden war, sorgten Bianca Schmidt per Kopf und die eingewechselte Lisa Schwab in der Schlussminute für den Erfolg der DFB-Elf, die nun am Montag gegen Brasilien um den Halbfinaleinzug kämpfen wird.

Auf gleich drei Positionen veränderte Deutschlands Trainerin Maren Meinert nach der 1:2-Niederlage gegen Japan ihr Team. Für Julia Simic, Marie Pollmann und Marina Hegering durften Stephanie Goddard, Nathalie Bock und Verena Faißt von Beginn an ran.

Schiewe trifft die Latte
Das DFB-Team begann viel versprechend. Nach nicht einmal zwei Minuten hatte die Mannschaft die Chance zur Führung, doch einen wuchtigen 25-Meter-Freistoß von Spielführerin Carolin Schiewe lenkte Kanadas Torhüterin Erin McNulty mit den Fingerspitzen an die Latte. Doch auch Kanada kam früh zu einer ersten guten Chance, als Jonelle Filigno mit einem Schrägschuss Alisa Vetterlein prüfte.

Die Partie verflachte nach den munteren Anfangsminuten jedoch zusehends, auf beiden Seiten waren konstruktive Aktionen Mangelware, die Pässe waren zu unpräzise und nur selten kam ein echter Spielfluss auf. Nach einer halben Stunde kam die DFB-Elf jedoch besser ins Spiel, Goddard vergab mit einem Schuss aus 12 Metern eine gute Chance, doch es ging torlos in die Halbzeitpause.

Mangelnde Chancenverwertung
In der zweiten Halbzeit bekam Deutschland das Spiel immer besser in den Griff, doch gleich reihenweise wurden zunächst beste Chancen ausgelassen oder standen Pfosten oder Latte im Weg. So scheiterte Katharina Baunach mit ihrem Schuss genauso, wie Isabel Kerschowski, die nach schönem Zusammenspiel mit Nicole Banecki freistehend den Ball aus aussichtsreichster Position nicht im Tor unterbrachte.

Meinert brachte Lisa Schwab für Goddard, um dem Offensivspiel noch einmal neue Impulse zu verleihen. Und die Rechnung ging auf. Kim Kulig donnerte 20 Minuten vor Schluss einen Seitfallzieher volley ins kanadische Tor, doch obwohl der Ball von der Unterkante der Latte sichtbar rund 20 Zentimeter hinter der Torlinie landete, wurde der Treffer von der australischen Schiedsrichterin Jacqui Melksham nicht anerkannt.

Schmidt bricht den Bann
Doch kurze Zeit später war es dann soweit. Nach einer Ecke von Baunach stieg Schmidt zum Kopfball und die Kugel fand an Torhüterin und Abwehrspielerin vorbei den Weg ins Netz zur 1:0-Führung (77.).

Doch die Freude sollte nur wenige Minuten andauern. Denn nach einem Ausrutscher von Kerschowski im eigenen Strafraum erzielte Monica Lam-Feist mit einem Schrägschuss aus 15 Metern den Ausgleich (81.).

Schwab sorgt für Entscheidung
Die DFB-Elf suchte aber weiter den Weg nach vorne und ließ die Kanadierinnen somit in den Schlussminuten nicht zur Entfaltung kommen. Kulig hatte mit einem Schuss noch Pech, doch Schwab machte es dann besser, als ihr nach einem Patzer von Alexandra Marton und einem Abpraller ihrer eingewechselten Saarbrücker Teamkollegin Nadine Keßler der Ball vor die Füße fiel und sie sich mit einem trockenen Schuss bedankte (89.).

Fast hätte eine Saarbrücker Koproduktion zwischen den beiden sogar noch zum 3:1 geführt, doch das wäre wohl des Guten etwas zu viel gewesen. Im Viertelfinale gegen Brasilien am kommenden Montag in Temuco wird sich Deutschland vor allem in punkto Chancenverwertung gewaltig steigern müssen, um gegen die Südamerikanerinnen zu bestehen.

Tags: , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Nick sagt:

    Glückwunsch und weiter so. Finale wir kommen!!!

    (0)
  • Marcel sagt:

    Wenn sie wirklich weiter so machen wird das mit dem Finale aber leider nix.

    Das Spiel der Mädels ist leider viel zu zerfahren immer wieder leichte Ballverluste die die Brasilianerinnen wahrscheinlich schwerer bestrafen werden als die Kanadierinnen hinzu kommt noch die katastrophale Chancenauswertung.

    Ich wünsch den Mädels trotzdem alles Gute und drück euch auch die Daumen wenns gegen Brasilien geht hoffentlich erwischt ihr einen guten Tag.

    (0)
  • Jarmusch sagt:

    Mich hat diese deutsche Mannschaft in den Gruppenspielen nicht überzeugt!

    Individuell sind die Spielerinnen stark, auch und vor allem physisch ihren Gegenerinnen meist klar überlegen. Aber es fehlt an Kreativität und auch an Handlungsschnelligkeit. So läuft vieles nach Schema F ab: Den Ball entweder lang nach vorne schlagen, der dann in den seltensten Fällen bei einer Mitspielerin landet. Oder mit Tempo durchs Mittelfeld, wo man sich dann häufig festdribbelt oder wenn man über die Flügel kommt die Flanke keine Abnehmerin findet, weil meist nur eine Spielerin in der Mitte steht.

    Es fehlt eine Kreativkraft im Mittelfeld die mal den tödlichen Pass spielen kann!
    Eine Nadine Keßler mit ausreichender Fitness könnte genau dieses Vakuum füllen, aber die hat sie nicht, wie man nach ihrer Einwechslung gegen Kanada sehen konnte. Es fehlte jegliche Antrittsschnelligkeit.

    Wer konnte bisher gefallen? Wer hat positiv überrascht? Wer negativ?
    Die positivste Überraschung heißt für mich Kim Kulig. Außer im Spiel gegen Japan war sie sehr überzeugend. Es ist die Entschlossenheit und Klarheit in ihren Aktionen, Tempodribblings, gute Schüsse und enorme Torgefahr runden das Bild ab.
    Ordentliche bis gute Leistungen würde ich Katharina Baunach (gut), Alisa Vetterlein, Carolin Schiewe und Josphine Henning (alle drei ordentlich) bescheinigen.
    Kommen wir schon zu den eher negativen Überraschungen. Hier nenne ich vier Spielerinnen:
    Nicole Banecki und Julia Simic, beide hochveranlagt und technisch beschlagen. Aber Aufwand und Ertrag stehen bei beiden in einem krassen Missverhältnis. Gute Dribblings auf den Halbpositionen, aber dann fehlt die Genauigkeit und/oder die Übersicht für den Torabschluss oder den letzten Pass.
    Isabel Kerschowski – Sie hat sich in den letzten 2-3 Jahren praktisch nicht weiterentwickelt. Auch wenn die Gründe dafür in diversen Verletzungen liegen mögen, die sie im Laufe der Zeit hatte. Aber von einer Spielerin ihres Kalibers muss man einfach mehr erwarten können, teilweise taucht sie im Spiel völlig unter.
    Und schließlich Verena Faißt. Sie wirkt irgendwie nicht geschmeidig, ist technisch weniger stark als die meisten anderen. Erst im Spiel gegen Kanada hatte sie einige gute Szenen. Aber unter dem Strich ist das zu wenig.
    Die nicht genannten Spielerinnen mit Einsatzzeiten fand ich mehr oder weniger durchschnittlich.

    Ausblick auf das Viertelfinale:
    An einem guten Tag kann Deutschland gegen Brasilien gewinnen, keine Frage. Aber keine der gezeigten Leistungen aus den ersten drei Spielen würde dafür reichen. Es muss mehr zusammenpassen damit das Turnier nicht schon nach dem Viertelfinale zu Ende ist.

    Ich drücke dem deutschen Team jedenfalls ganz fest die Daumen.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Phasenweise hat mir das Spiel der deutschen Damen recht gut gefallen. Es gab schön anzusehende Kombinationen. Gerade diese Großchance, wenn ich mich recht entsinne, war es Isabel Kerschowski, die den Ball vom Fünfmeter-Raum aus nicht vermochte ins Tor zu schießen. Hat eben nicht sollen sein. Dafür lieferte sie ja etwas später auf spektakuläre Weise die Vorlage zum zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer der Kanadierinnen. Aber diese Abwechslung gehört halt zum Sport dazu und die Fußballerinnen, zumal in so jungen Jahren, sind auch keine vollkommenen Leistungsmaschinen, die roboterhaft das Optimum ihrer Möglichkeiten hervorrufen.

    Nicht vergessen sollte dabei, dass die Damen aus Kanada es auch vermochten, einen guten Ball zu spielen. Und bedacht werden sollte auch, dass sie in der Qualifikation die USA schlugen und sich als Gruppenerste für die U20-WM qualifizierten. Mein Eindruck ist auch der, dass die Kanadierinnen vielleicht keine fußballerische Bonanza aber ein recht gutes Team stellen.

    Ein wenig Wasser will aber auch ich in den Wein schütten. Mir ist die Spielanlage unserer Damen zu zentriert. Zuwenig wird das Flügelspiel, Lauf bis zur Grundlinie und dann flanken, betont, zu schnell ziehen offensiv agierende Spielerinnen in die Mitte. Zwei, drei Szenen sind mir noch in Erinnerung, wo deutsche Spielerinnen sich gegenseitig den Platz nahmen und dadurch der Ball leichtsinnig verloren ging. Eine, wie ich finde, rühmliche Ausnahme ist Katharina Baunach. Wenn nicht immer, so doch sehr häufig, versucht sie bis zur Grundlinie vorzustossen und von dort gefährlich und variiert zu flanken. Überhaupt ist ihre „Körpersprache“ für eine Fußballerin beinahe idealtypisch. Technisch beschlagen und mit einer tollen Körperkoordination – ihr Spiel gefällt mir ausgesprochen gut.

    Nun, wenn trotz allen Daumendrückens die Partie gegen die Brasilianerinnen verloren gehen würde, dann sollten daraus die entsprechenden Lehren gezogen werden. Und bis jetzt kann ja auch festgestellt werden, dass diese U20-WM sich durch einen Entwicklungssprung auszeichnet. Mir gefallen die meisten Spiele ausgesprochen gut und ich bin auch über das ausgezeichnete Niveau einiger (quasi aller Viertelfinal-) Mannschaften überrascht. Möglicherweise liegt es ja am Trainerstab im DFB-Frauenfußball, ein wenig mehr über Verbesserungen der eigenen Spielstruktur nachzudenken, speziell im technisch-taktischen Bereich. Denn das Ausruhen auf den Lorbeeren der Vergangenheit hat manchem vermeintlichen Champion schon geschadet.

    (0)