Frauenfußball-Doku feiert Erfolg auf Hofer Filmtagen

Von am 25. November 2008 – 11.49 Uhr 1 Kommentar

Der Frauenfußball findet in der Öffentlichkeit auch in der Filmszene zunehmend Widerhall. Denn während auf den 42. internationalen Hofer Filmtagen Ende Oktober einige der mit viel Tamtam angekündigten 32 Spiel- und Dokumentarfilme an den Kinokassen floppten, fanden andere umso mehr Anklang. Darunter auch die Frauenfußball-Dokumentation „Ich gehe jetzt rein“ von Aysun Bademsoys.

1995 hatte Bademsoys als erste Regisseurin einen Film über Frauenfußball gedreht – „Mädchen am Ball“. Darin geht es um Agrispor, die in Berlin-Kreuzberg beheimatete erste türkische Mädchenfußball-Mannschaft, die außerhalb Europas gegründet wurde.

Die gebürtige Türkin, die selbst im Alter von neun Jahren nach Westberlin kam, erklärt: „Seit den Dreharbeiten von ‚Mädchen am Ball’ (1995) und ‚Nach dem Spiel’ (1997) ist mein Kontakt zu den Mädchen aus den beiden Filmen über die Agrispor-Mädchenfußballmannschaft nie abgebrochen.“

Anzeige

Nachgefragt
Grund genug, 13 Jahre später nachzufragen, was aus den Mädchen geworden ist – aus Stürmerin Safiye Kok, Linksaußen Arzu Calkilic und den drei Schwestern Nalan, Nazan Bekler und Türkan Celik. Die Mädchen von einst sind jetzt Ende 20, viele Hoffnungen, Träume und Lebensentwürfe sind auf der Strecke geblieben. Sie haben viele Kämpfe geführt, kleine und große Niederlagen erlitten, sahen sich familieninternen Problemen konfrontiert.

Eine von ihnen ist Trainerin, eine andere arbeitet als Aushilfe in einem türkischen Bauunternehmen, weitere haben geheiratet oder sind sogar wieder geschieden. Die Fußballmannschaft von damals ist größtenteils in den Verein Al Dersinspor integriert worden. Doch von den alten Tagen bei Agrispor ist nur wenig übrig geblieben. Der Traum von Safiye, einmal in der Bundesliga zu spielen, ist zerplatzt.

Geplatzte Träume
Im Film erzählen die Frauen von ihren Enttäuschungen und Niederlagen. Erzählen von dem Nicht-Ort, in dem sie zu leben haben. Zwischen den Deutschen und den Tür¬ken. Vor eine Kamera treten wollten sie zuerst nicht, weil sie sich schämen. Für das, was aus ihren Träumen geworden ist.

„Die sexy Mädchen, die da Fu߬ball spielten, die Auf¬merksamkeit bekamen, eine misstrauische von den Landsleuten, eine auf¬munternde von den so genannten Multikultis, die gibt es nicht mehr“, so Bademsoys.

Eindrucksvolle Dokumentation
Bademsoys gelang eine eindrucksvolle Studie über Identität, Heimat und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft. Die Schlussszene des Films steht als Sinnbild. Fünf Frauen im Schneeregen, die nicht verschont geblieben sind.

Allen fünf Mädchen ist jedoch gemeinsam, dass sie noch nicht aufgegeben haben und immer noch versuchen, die Fäden ihres Lebens in der Hand zu behalten. Für einige Zeit hatten sich ihre Wege getrennt. Jetzt haben sie wieder begonnen, sich zu treffen. Auch Fußball spielen einige wieder. Sie wollen noch einmal angreifen.

Tags: , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Markus Juchem sagt:

    Der Film läuft derzeit in Berlin im fsk Kino am Oranienplatz. Mehr Infos unter:

    (0)