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Bittere Stunde für den 1. FFC Frankfurt

Von am 23. November 2008 – 13.22 Uhr 4 Kommentare

Am Samstagnachmittag um 15.46 Uhr mussten sich die Zuschauer beim Anblick der Anzeigetafel im Homberger PCC-Stadion erst noch einmal die Augen reiben, um zu glauben, was sie sahen: Auf der Gastgeberseite leuchtete die Ziffer „5“ auf, bei den Gästen eine „0“.

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Tabelle der Frauenfußball-Bundesliga

Mit 0:5 kam der Triple-Sieger der vergangenen Saison beim FCR 2001 Duisburg unter die Räder und erreichte damit nicht nur einen neuen Tiefpunkt in der Saison, sondern erlebte eine der bittersten Stunden der Vereinsgeschichte.

Dabei hatte man sich in Frankfurt nach den beiden Niederlagen im UEFA-Pokal (1:3 und 0:2) so viel vorgenommen, doch zum dritten Mal binnen 16 Tagen zog man den Kürzeren. Und die 0:5-Klatsche war selbst für die erfahrene Spielführerin Tina Wunderlich zu viel, die ihren Tränen nach dem Schlusspfiff freien Lauf ließ.

Pure Enttäuschung
Minutenlang wanderte sie gesenkten Blickes an der Strafraumgrenze herum, auch der Trost ihres Trainers Günter Wegmann konnte nichts zur Entspannung beitragen. Die ersten Niederlagen in dieser Saison waren von den Frankfurter Verantwortlichen noch als unglückliche Betriebsunfälle eingestuft worden, doch selbst das „tiefe Tal“ (Dietrich) reichte nun nicht mehr aus, um die aktuelle Gemütslage in Worte zu fassen. „Wir müssen schauen, dass wir jetzt aus dieser Krise heraus kommen“, so Wegmann.

„Duisburg hat effektiv gespielt und aus jeder Chance ein Tor gemacht, uns hat das Quäntchen Glück gefehlt. Die Spielerinnen sind völlig niedergeschlagen.“ Der Frust fand seinen Ausdruck auch in einem harten Foul von Birgit Prinz an Nationalmannschaftskollegin Annike Krahn. Die Aktionen von Prinz quittierten die Zuschauer in der Folge wenig charmant mit Pfiffen und Buh-Rufen – auch ein persönlicher Tiefpunkt für die dreifache Weltfußballerin.

Mängel in der Abwehrarbeit
Nur fünf Gegentreffer hatten die Frankfurterinnen in acht Bundesligapartien zuvor kassiert. Eine Bilanz, die kaschierte, dass das Frankfurter Abwehrgebilde bereits in der vergangenen Saison trotz aller Erfolge Risse aufwies. In Kombination mit anderen Faktoren treten die Schwächen nun offen und schonungslos zutage. Doch es wäre unfair und unangemessen, die Probleme allein an der Defensive festzumachen.

Denn Fakt ist auch, dass die Abwehrarbeit der anderen Mannschaftsteile, ganz vorne angefangen, zu wünschen übrig lässt, und die Viererkette dadurch stärker und häufiger gefordert ist, als das in der Vergangenheit der Fall war. Hinzu kommt ein Mangel an offensiver Durchschlagskraft, so dass für weniger Entlastung der eigenen Hintermannschaft gesorgt wird.

Vielschichtige Probleme
Wenn dann auch noch eine Führungsspielerin vom Schlage einer Birgit Prinz aufgrund eigener Probleme derzeit weder eigene Akzente setzen noch Lücken für die Mitspielerinnen reißen kann, andere wichtige Spielerinnen durch Verletzungen außer Gefecht gesetzt sind, und darüber hinaus das Selbstverständnis und Selbstvertrauen nach mehreren Niederlagen gelitten hat, ist es für die erstarkten Gegner aus München, Duisburg und Potsdam derzeit nicht allzu schwer, gegen den 1. FFC Frankfurt zu bestehen.

Dabei fanden die Frankfurterinnen, anders als im UEFA-Pokal-Rückspiel neun Tage zuvor, auf dem leicht mit Schnee bedeckten Rasen in Duisburg zunächst gut in die Partie. Doch die schnellen Duisburger Treffer binnen einer Minute von Annike Krahn und Annemieke Kiesel sorgten für Verunsicherung und machten die taktische Marschroute schon nach einer Viertelstunde zunichte.

Pech im Abschluss
Als sich dann auch noch U17-WM-Heimkehrerin Alexandra Popp für einen individuellen Fehler von Sarah Günther mit dem 3:0 bedankte, war die Partie fast schon gelaufen. Doch der FFC bewies Moral und erarbeitete sich Torchancen, unter anderem durch Sarah Schatton. Christina Plessen und Kerstin Garefrekes hatten zudem Pech, als sie bei Kopfbällen nur die Latte trafen.

Besser machten es jedoch die Duisburgerinnen, die gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit erneut trafen, als Simone Laudehr mit dem 4:0 die letzten Hoffnungen der Frankfurterinnen im Keim erstickte. Die eingewechselte U17-Nationalspielerin Turid Knaak setzte mit dem fünften Treffer den Schlusspunkt unter eine erneut starke Leistung der Duisburgerinnen. „Wenn man einen Lauf hat, passt einfach alles“, freute sich Duisburgs Trainerin Martina Voss.

Verschnaufpause
Beide Teams dürften nach den Strapazen der drei direkten Duelle nun froh sein, dass sie erst wieder am 7. Dezember ins Geschehen eingreifen müssen (Duisburg muss bereits am 3. Dezember sein Bundesligaspiel beim VfL Wolfsburg austragen). Denn die ursprünglich für den 30. November angesetzte Bundesligaspiele 1. FFC Turbine Potsdam gegen 1. FFC Frankfurt und FCR 2001 Duisburg gegen Bayern München wurden wegen der U20-WM in Chile verlegt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • SCW sagt:

    Zu den Buh-Rufen + Pfiffen kann ich nur sagen: Ein Armutszeugnis für die Fans des FCR. Die Karte war berechtigt, ohne Frage, aber nun bei jedem Ballkontakt zu pfeifen – lächerlich bzw. traurig!

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    Naja: so viel mehr musste eine Marta auch nicht tun, um beim UEFA-Cup-Finale fast über 90min weit lautstärker bedacht zu werden…
    jedenfalls: in drei Partien gegen den FCR mit 1:12 zu verlieren, ein schlappes 2:0 gegen den punktlosen Tabellenletzten: ohne Zweifel der bitterste Monat des FFC seit langem oder gar überhaupt.
    Viele im Stadion werden wie ich das Gefühl gehabt haben, einem Generationswechsel beizuwohnen. Erfahrene Spielerinnen, die sich mühten und doch – auch mit etwas Unglück – erfolglos blieben, drüben eine erfolgshungrige Mannschaft, die laufstärker, bissiger und homogener wirkte.
    Augenfällig: während aktuelle Natio-Spielerinnen, -Aspirantinnen oder frisch Zurückgetretene (Smi) nahezu ohne Stich blieben, markierten zwei U17-Spielerinnen Treffer.
    Die „Alte Garde“ erlebte ihr Waterloo, die Frage – auch hinsichtlich EM – ist, ob sie 2009 das Ruder nocheinmal herumwerfen kann.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Ruhrschnellweg: Du meinst 1:10, oder? Bei allen guten talentierten Spielerinnen, die wir in Deutschland haben, darf man nicht vergessen, dass gerade internationale Erfahrung eine Menge wert ist.

    Duisburg wird erst im UEFA-Pokal gegen Olympique Lyon sehen, wo man gemessen an der europäischen Spitze wirklich steht. Die Erfolge gegen einen 1. FFC Frankfurt, der nicht in Topform war, sind da alleine als Gradmesser zu wenig. Womit ich ausdrücklich die Leistung der Duisburgerinnen nicht schmälern will.

    Der Generationenwechsel bzw. Umbruch, von dem Du sprichst, hat ja im Grunde genommen schon begonnen mit den Rücktritten von Lingor und Rottenberg. Ich bin sehr gespannt auf die EM in Finnland, das dürfte für die DFB-Elf ein ganz schwieriges Turnier werden.

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  • Manne sagt:

    @Ruhrschnellweg

    … stimme Dir mit Marta zu, nur dass sie in dem besagten Spiel eigentlich NICHTS gemacht hat …

    nichts gegen Unmutsäußerungen, aber diese Verfolgungs-Pfeifen nerven mich auch.

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