Marco Hagemann: „Die U20-WM ist ein Riesenspektakel“

Von am 20. November 2008 – 1.12 Uhr 3 Kommentare

Kompetent, unterhaltsam, sympathisch – so lautete das Urteil der Fans über Eurosport-Kommentator Marco Hagemann nach seinem Frauenfußball-Debüt im vergangenen Mai. Zuletzt war Hagemann, der seit 2002 Live-Spiele für DSF und Premiere kommentiert, bei der U17-WM in Neuseeland im Einsatz und auch bei der U20-WM in Chile wird seine Stimme wieder zu hören sein.

Die U20-WM auf Eurosport

Im Interview mit Womensoccer.de spricht Hagemann über den Reiz des Frauenfußballs, Schwierigkeiten bei der Recherche und die WM-Chancen der DFB-Elf.

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Womensoccer.de: Herr Hagemann, Ihren Namen verbinden viele eher mit dem DSF oder Premiere. Wie sind Sie beim Frauenfußball gelandet?

Marco Hagemann: Nach der WM 2006 bin ich über einen ehemaligen Kollegen vom DSF in Kontakt mit Eurosport gekommen. Nach sechs Jahren beim DSF als Beitragsmacher für „Bundesliga Aktuell“ und „Newscenter“ wollte ich mich verändern, da es dort nicht sehr viele Möglichkeiten zum Kommentieren gab. Ich habe mich bei Eurosport vorgestellt, meine Arbeit hat überzeugt, und seitdem bin ich dort verankert. Irgendwann fragte mich dann der Chef, ob ich Interesse hätte, Frauenfußball zu kommentieren.

Womensoccer.de: Für Ihre Kommentierung des U19-EM-Finales zwischen Deutschland und Frankreich im Mai haben Sie in der Frauenfußball-Szene dann gleich ein dickes Lob geerntet.

Hagemann: Das war mein erster Einsatz. Es war erfreulich, dass mir der DFB den Kontakt zu den Trainern vermittelt hat. Denn ich habe mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass ich keine einzige Spielerin kenne. Woher auch? Im Fernsehen wird ja kaum Frauenfußball übertragen. Und im Juniorinnenbereich dieser Altersklasse ist es schwierig, die Spielerinnen zu kennen. Bei der A-Nationalmannschaft wäre das anders gewesen.

Womensoccer.de: Worin liegt der Reiz des Frauenfußballs für Sie, gab es Berührungsängste?

Hagemann: Gar nicht. Ich war angetan von der Begeisterung und dem Engagement der Mädchen. Von der ersten bis zur letzten Minute versuchen sie, alles rauszuholen. Mir hat das einfach Spaß gemacht. Im Männerfußball tut sich oft nicht viel, es gibt viele taktische Plänkeleien. Aber egal, ob Juniorinnen oder Junioren – alle haben die Berechtigung, im Fernsehen gezeigt zu werden. Es gibt zwar Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball, aber es macht bei beiden Spaß, die Entwicklung zu beobachten. Deswegen freue ich mich nach der U17-WM nun auch auf die U20-WM.

Marco HagemannWomensoccer.de: Wie oft werden wir Sie denn zu hören bekommen und von wo kommentieren Sie?

Hagemann: Insgesamt werde ich sechs Spiele kommentieren, einige live und einige zeitversetzt. Ich werde die Spiele aus der Box heraus vom Monitor weg im Eurosport-Studio in München kommentieren. Dabei habe ich dasselbe Bild zur Verfügung, das die Zuschauer am Fernsehschirm auch haben.

Womensoccer.de: Die Recherche gestaltet sich vor allem bei weniger namhaften Teams sicherlich manchmal schwierig. Ist da der persönliche Kontakt umso wichtiger?

Hagemann: Es ist wirklich nicht immer so einfach. Manche Fußballverbände melden sich einfach nicht, wenn man sie anschreibt. Bei großen Turnieren ist es weniger das Problem, da gibt es auf den Webseiten der verschiedenen Verbände eine gute Berichterstattung. Oder auch in der lokalen Presse. Da gibt es schon Wege und Möglichkeiten, sich Informationen für 90 Minuten Kommentar zu beschaffen.

Womensoccer.de: Wie sieht es denn mit der Akzeptanz aus – werden Sie von den Kollegen ernst genommen oder eher belächelt?

Hagemann: Ich werde zwar nicht schief von der Seite angeschaut, aber die Kollegen wundern sich manchmal noch ein bisschen, warum man das macht. Respekt und Akzeptanz sind vorhanden, aber einige würden es sich selbst vielleicht auch gar nicht zutrauen, ein Frauenfußball-Spiel zu kommentieren. Wenn man aber bedenkt, dass in Chile [FIFA-Präsident] Blatter bei der Eröffnung dabei und [Franz] Beckenbauer extra zur U17 nach Neuseeland gereist ist, sieht man, welchen Stellenwert der Frauenfußball inzwischen hat.

Womensoccer.de: Gerade ist erst die U17-WM in Neuseeland zu Ende gegangen. Welche deutsche Spielerin hat Ihnen am Besten gefallen?

Hagemann: Dzsenifer Marozsan muss man schon herausstellen. Sie ist eine sehr gute Spielerin ist und sie hat den Silbernen Ball und den Goldenen Schuh gewonnen. Man tut ihr allerdings keinen Gefallen, wenn man sie, wie in Neuseeland geschehen, mit Diego Maradona vergleicht. Auch Alexandra Popp und Turid Knaak haben durchaus für Aufsehen gesorgt. Nicht nur weil sie Tore geschossen haben, sondern weil alle mit dem Ball gut umgehen können.

Womensoccer.de: Was trauen Sie der deutschen U20 in Chile zu?

Hagemann: Die DFB-Elf wird auch dort gute Chancen haben. Aber man hat bei der U17-WM gesehen, dass man nie vorher weiß, was man zu erwarten hat. Die USA werden auch wieder um den Titel mitspielen, und ich bin gespannt auf die Gastgeberinnen, vor allem wegen des Heimvorteils und auch des hohen Zuschauerzuspruchs, den man erwartet. Nordkorea muss man immer auf der Rechnung haben. Dazu auch die Skandinavierinnen, Norwegen ist immer traditionell stark. Für die Spielerinnen ist die U20-WM zwar kein Neuland, aber dennoch ein Riesenspektakel fern der Heimat. Und bei der einen oder anderen kann man sich vorstellen, dass sie 2011 dabei sein wird.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Jarmusch sagt:

    Sorry, dass ich hier gleich mit einer negativen Meinung starte.
    Aber Marco Hagemann finde ich überhaupt nicht gut!

    Ständig erzählt er ausufernd seine recherchierten Geschicht(ch)en, ist oft meilenweit vom Geschehen auf dem grünen Rasen entfernt und wird dann von einer hochkarätigen Torchance überrascht.
    Mein Eindruck ist zudem, dass er Medienberichte, Zeitungsaufmacher, o. ä. gelegentlich kritiklos aufnimmt und diese dann als Halbwissen vermittelt.

    Dann vermeldet er während einer Partie ständig irgendwelche Ergebnisse von anderen Plätzen, will so den Rundumversorger spielen.
    Wer Ergebnisse zeitnah wissen will besorgt sich diese im Medienzeitalter ganz schnell selbst dort wo er es will (Videotext, Internet). Es gibt genügend Leute die sich noch die Aufzeichnung von dem einen oder anderen Spiel ansehen wollen. „Dank“ Marco Hagemann ist die Spannung aber weg.
    So wieder geschehen jüngst bei der U17-WM in Neuseeland. 3.Spieltag, ich glaube es war die Brasilien-Gruppe. Er verrät das Ergebnis des 2.Spieles, das anschließend bei Eurosport auch noch übertragen wurde mit den Worten: „Was soll ich es unnötig spannend machen“. Und die Gruppe war superspannend. Ein Tor hätte alles noch mal umwerfen können…
    …so was geht gar nicht, ich finde es höchst unprofessionell.

    Auch erzählt er meist viel zu viel. Bei PREMIERE hat es mich in der Vergangenheit teilweise so zermürbt, dass ich noch vor der Pause auf Stadionton umgeschaltet habe. Weniger wäre mehr.

    Tut mir leid für die viele negative Kritik, ist nicht böse gemeint, aber ich bin froh dies alles mal geäußert zu haben. Denn es lag mir schon länger auf der Seele.

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  • Ikrit sagt:

    Wo ist denn das Problem wenn er Ergebnisse von anderen Plätzen vermeldet? Also wenn ich vor dem Fernseher sitze und mir ein Spiel anschaue, dann habe ich eigentlich keine große Lust, parallel dazu noch im Internet zu surfen um die aktuellen Zwischenstände der gleichzeitig laufenden Partien zu erhalten. Und im Videotext findest du da ja schon mal gar nix drüber!
    Dass dann bei Aufzeichnungen evtl mal etwas vorweggenommen wird ist dann halt schlicht und ergreifend Pech!

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  • Hanna Hinrich sagt:

    Also, ich stehe hier an Jarmuschs Seite!

    Ich werde für alle Spiele den englischen Tonkanal von Eurosport einschalten …. mit der sympathischen Stimme und der fachkundigen Analyse von Jen O’Neill.

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